Profil der 17. Etappe der Vuelta 2021

Die Vuelta geht in die entscheidende Phase. Am Mittwoch und am Donnerstag stehen jeweils knüppelharte Bergetappen an. Die starken Kletterer müssen diese beiden Tage nutzen, wollen sie in der Gesamtwertung noch Zeit gutmachen. Die erste der beiden, vermutlich vorentscheidenden Etappen, führt zu den Lagos de Covadonga.

Es ist ein legendärer und mythischer Anstieg. Einer der bekanntesten Berge der Vuelta. Und obwohl erst 1983 zum ersten Mal im Programm, gehört diese Bergankunft bereits zum 22. Mal zum Parcours!  Lang, steil, unangenehm. Wer hier schwere Beine hat, wird richtig leiden. Oft sehen die TV-Zuschauer vom Kampf der Fahrer wenig, weil Nebel und Regen im Berg hängen. Für den Mittwoch wird die Regenwahrscheinlichkeit mit mehr als 70% angegeben. Die Fans werden hoffen, dass die TV-Motorräder die Bilder des Spektakels übertragen können.

Während die Sprinter und schwereren Fahrer nur um das Zeitlimit kämpfen, ist es für die Klassementfahrer ein sehr wichtiger Tag. Bislang war Primoz Roglic stets souverän, aber in der dritten Woche einer Grand Tour können Kleinigkeiten das Blatt wenden lassen. Ein leichter Infekt, Sitzprobleme, keine optimale Regeneration – wenn irgendetwas nicht passt, fehlen ein paar Prozent. Auf einer Etappe wie dieser, vor allem am Schlussanstieg, können auch nur ein paar Prozent für große Abstände sorgen. Roglic hat ein gutes Polster auf die härtesten Konkurrenten, aber ganz sicher wird er voll gefordert sein. Läuft es normal, wird er sich wohl das Rote Trikot vom bislang stark fahrenden Odd Christian Eiking zurückholen. Doch die Lagos de Covadonga waren bereits in der Vergangenheit für Überraschungen gut!



 

Die Strecke

Karte der 17. Etappe der Vuelta 2021

Die ersten 30 Kilometer sind flach und es geht von Unquera nach Westen. Es folgt mit dem Altu de Hortigueru der erste Anstieg des Tages. Als Berg der dritten Kategorie eingestuft ist er definitiv kein Monsterberg. Es folgt eine Abfahrt und nach rund 55 Kilometern könnte man links zu den Lagos de Covadonga abbiegen. Doch zunächst fährt man am Abzweig vorbei und dreht noch zwei Runden. Dabei geht es jeweils über den heftigen La Collada Llomena. Bei Rennkilometer 80 beginnt der erste Aufstieg.
Mit 7,6 Kilometern Länge bei mehr als 9% im Schnitt ist er berechtigt als Berg der 1. Kategorie eingestuft. Im Mittelteil geht es mit rund 14% bergan. Ein unangenehmer Anstieg, den man gleich zwei Mal erklimmen muss.

Nach der ersten Gipfelpassage geht es rund 10 Kilometer bergab und dann rund 30 Kilometer flach, ehe es wieder hinauf geht. Diese Abfahrt ist technisch anspruchsvoll und bei Regen sicher nicht ohne! Hier ist höchste Konzentration gefragt!
Das zweite Mal erreicht man dann 56 Kilometer vor dem Ziel den Gipfel.

 

Profil des La Collada Llomena

Es geht erneut die anspruchsvolle Abfahrt hinab und dann nach Norden. Etwa 18 Kilometer vor dem Ziel erreichen die Fahrer dann wieder den Abzweig zum Schlussanstieg. Ziemlich genau 12,5 Kilometer vor dem Ziel beginnt dann die Steigung zu den legendären Lagos de Covadonga.

 

 

Der Anstieg zu den Lagos de Covadonga


 

Die Bergwertungen:
km 37,7 Altu de Hortigueru  (Kat 3) Ascenso 5,3 km. Porcentaje 4,7%
km 87,9 La Collada Llomena (Kat 1) 7,6 km. Porcentaje 9,3%
Km 129,6 La Collada Llomena Bonus (Kat 1) 7,6 km. Porcentaje 9,3%
Km 185,8 Lagos de Covadonga (ESP) 12,5 km. Porcentaje 6,9%

Sprintwertung:
Km 65 CANGUES D’ONÍS/CANGAS DE ONÍS

Die Favoriten

Zunächst stellt sich die Frage, ob eher ein kletterstarker Ausreißer den Tagessieg holt, oder einer der Klassementfahrer an den Lagos jubelt. Beides ist möglich! Es gibt einige starke Fahrer, die in der Gesamtwertung recht viel Rückstand haben und hier triumphieren können. Romain Bardet, Rafal Majka, Michael Storer, Damiano Caruso – sie haben dies bei dieser Vuelta alle schon gezeigt! DSM wird Bardet auch wegen des Bergtrikots in die Gruppe bringen wollen. Da es zunächst flach ist, wird man da wohl auf die Hilfe von Nico Denz setzen, der in guter Form seinen Leader in Gruppe fahren kann. Nach dem Ausfall von Giulio Ciccone wird auch Trek-Segafredo versuchen, die guten Kletterer in die Gruppe zu schicken.
Geoffrey Bouchard, Ion Izagirre, Mauri Vansevenant, Wout Poels, Mark Padun … es gibt einige weitere starke Kletterer, die für Roglic kein Problem wären. Doch es wird sich wohl auf den ersten Kilometern entscheiden, denn nur ein wirklich starker Kletterer hat wohl Chancen, vor den Klassementmentfahrern am Ende an den Lagos de Covadonga anzukommen.

Schicken Klassementfahrer Helfer in die Gruppe? Eine gute Idee wäre es, doch viele der GC-Teams haben nicht mehr alle Fahrer im Rennen und man muss sich gut überlegen, wie man die Kräfte einsetzt. Bahrain-Victorious ist komplett und hätte ganz sicher die Möglichkeit, flexibel zu reagieren. Bei Movistar könnte man Carlos Verona schicken. Geht eine größere Gruppe mit Fahrern dieser Teams, wird man im Feld wohl Intermarche Wanty Gobert die Arbeit machen lassen.

Ist die Gruppe klein und ohne Bahrain-Victorious/Movistar/DSM-Fahrer, wird sie es wohl schwer haben, durchzukommen. Ganz sicher wird es zum Großkampf der Klassementfahrer kommen. Da es möglicherweise nass wird, könnten die Abfahrten eine Rolle spielen. Roglic ist nicht immer souverän unter solchen Bedingungen. Vielleicht probiert Movistar es mit einer Attacke in der Abfahrt. Izagirre ist ein exzellenter Abfahrer und könnte mit Vlasov etwas probieren. Gehen dann Bernal und Mas mit, würde es spektakulär. Spannend wird es spätestens im Schlussanstieg aber ohnehin. Hoffentlich zieht der angekündigte heftige Gewittersturm tatsächlich am Feld vorbei – sonst wird es episch. Hoffentlich ist alles im TV zu sehen.

***** – 
**** Romain Bardet, Enric Mas
*** Damiano Caruso, Primoz Roglic, Jack Haig
** Superman Lopez, Rafal Majka, Adam Yates, Egan Bernal
* Sepp Kuss, Wout Poels, Carlos Verona, Steven Kruijswijk, Mikel Landa

Start: 12:21 Uhr
Ziel: ~17:30 Uhr


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