4 Erkenntnisse der Rad-WM 2022 #Wollongong2022

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Besser als Merckx

Remco Evenepoel

Nach dem Sieg von Remco Evenepoel wurde eifrig in die Statistiken geschaut. Welche Fahrer wurden noch jünger Weltmeister? Wie viel jünger war Eddy Merckx beim ersten Titel? Wann war zuletzt ein Vorsprung des Weltmeisters vor dem Silbermedaillengewinner so groß? Wen das interessiert, der kann es bei StatsOnCycling oder VeloStatistics nachschauen. Der Blick in die Vergangenheit liegt nahe, will man Remcos Erfolg irgendwie einordnen.

Der 22-jährige Belgier war einer der großen Favoriten und er holte sich souverän den Titel. Er war der stärkste Fahrer im Rennen und siegte verdient. Der WM-Titel ist ein großartiger Triumph, selbst für das Wunderkind Evenepoel. Nur vier Jahre nach dem Junioren-Titel gewinnt er nun bei den Männern. Schon allein das ist beeindruckend. Was für ein Wahnsinns-Rennfahrer er ist, wird allerdings erst deutlich, betrachtet man die gesamte Saison. Evenepoel hat in diesem Jahr ein „Triple“ geholt, dass nur ganz wenigen Fahrern vorbehalten ist. Er gewann die Vuelta vor der WM, im Frühjahr holte er den Sieg beim Monument Lüttich-Bastogne-Lüttich. Nun das Regenbogen-Trikot. Monument, Grand Tour und WM – an drei ganz große Ziele hat er einen Haken gemacht. Der nächste Eddy Merckx? Nein. Er ist besser, als der beste Fahrer aller Zeiten – zumindest was dieses Triple anbetrifft. Denn Remco war tatsächlich ein paar Tage jünger als damals Merckx, als dieser an WM, Monument und GrandTour einen Haken machen konnte.

Wie schon bei der Vuelta war zu sehen, dass Evenepoel den Druck im Vorfeld durchaus spürte. Im Moment des Erfolges war es ihm wichtig zu zeigen, was er erreicht hat. Seht her, ihr Kritiker, ich hab es geschafft – so die Aussage im Moment des Vuelta-Triumphes. Das wiederholte sich bei der Vuelta.

Im Erkenntnisse-Text zur Vuelta hieß es „Das Wunderkind ist erwachsen geworden. Er will eine Pause machen, im Winter heiraten. Hoffentlich bekommt er die Zeit, das alles zu verarbeiten und findet einen Weg, mit den nun nochmals gestiegenen Erwartungen umzugehen. Gelingt ihm das, könnte die Radsportwelt noch viel Freude an ihm haben – denn ob man ihn mag, oder nicht, er ist einer der besten Radsportler der Welt“. Mit dem WM-Sieg hat er nun noch ein wenig mehr dazu bekommen, was er verarbeiten muss.

Es ist ihm zu wünschen, dass ihm das in der Saisonpause gelingt. Ob die Merckx-Vergleiche nun weniger werden, bleibt abzuwarten, der Erwartungsdruck wird wohl eher nicht kleiner. In rund einem Monat wird die Strecke der Tour de France 2023 präsentiert, man kann schon jetzt erahnen, was dann in Belgien heiß diskutiert wird. Das kann man den belgischen Medien kaum vorwerfen, schon gar nicht an dieser Stelle. Denn die Verlockung für die Überschrift dieses Kapitels war einfach zu groß, um zu widerstehen. Es ist Remco zu wünschen, dass wir ihn noch einige Zeit mit dem größten Radsportler aller Zeiten* vergleichen.

*bislang

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