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Remco – ein Champion polarisiert

Für einen Teil der Radsportfans ist Remco Evenepoel ein rotes Tuch. Seine Gesten werden als arrogant wahrgenommen, seine Interviews als überheblich eingestuft. Doch ein anderer Teil ist Fan vom jungen Belgier, der nach den Rennen seinen Unmut ausdrückt, oder auch nach großen Niederlangen keinen Bogen um die Kameras macht. Den Menschen hinter dem Sportler kennen wenige, doch das gilt wohl für fast alle Sportstars.

Auf der sportlichen Ebene darf man durchaus Respekt zollen, für seine Leistung. Mit 23 Jahren hat er bereits 50 Siege in der Tasche, war Weltmeister (Straße + TT) , hat Monumente gewonnen und die Spanien-Rundfahrt 2022. Bei dieser Vuelta hat er allein drei Etappensiege eingefahren. Nach dem schwachen Tag am Tourmalet war er raus, aus dem Kampf um den Sieg. Er stellte seine Fahrweise um – offensiv, aggressiv. Was er dann abzog, war beeindruckend und zeigte seine Leistungsfähigkeit.

Remco Evenepoel polarisiert, auch was seine Art Rennen zu fahren betrifft. Er agiert oft taktisch wenig raffiniert. Er ist saustark, aber oft fahren andere cleverer. Das kommt bei einem Teil nicht gut an. Ein anderer Teil findet genau das gut. Evenepoel ist vielleicht eine Art Gegenentwurf zu Rui Costa – der oft superclever seine Siege einfährt, oft pokert und sehr schlau agiert. Am Sonntagabend fährt Evenepoel halt einfach 500 Meter vor dem Ziel los, mit Kaden Groves am Hinterrad. Er haut die Körner raus, nimmt die Niederlage in Kauf, um die vorherige Aktion zu retten. Klar, so wie Evenepoel können nur die Allerstärksten agieren, sonst gewinnen sie gar nix.

Remco Evenepoel ist einer der wenigen Stars im Radsport, die polarisieren, an denen sich die Fans abarbeiten können, immer wieder. Er tut dem Sport damit gut. Er ist so gut, dass die Messlatte so weit oben liegt, wie bei wohl keinem anderen Fahrer der Welt. Damit muss er klarkommen, dabei spielt auch sein Auftreten eine Rolle.

Dass nun ausgerechnet der Jumbo-Visma-Teamchef Richard Plugge die GrandTour-Fähigkeiten von Evenepoel in Frage stellt („Remco Evenepoel ist der beste Eintagesfahrer, den es gibt, aber er muss es noch in einer GrandTour gegen Vingegaard, Roglic oder Pogacar beweisen“) ist der nächste Popkorn-Moment und bereits ein Teaser für die Tour de France 2024. Dort will auch Remco starten.

Ob man ihn nun mag, oder nicht – Evenepoel sorgt für Schlagzeilen und Aufmerksamkeit – kein anderer Fahrer bietet diese Bandbreite an Netflix-Popcorn-Potenzial.

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