Nur drei Siege auf WorldTour-Level gelangen dem französischen Team in der Saison 2024 – damit einer mehr als in der Vorsaison. Insgesamt waren es 2024 nur 15 Saisonsiege und damit ein kleiner Schritt zurück. Doch dafür gelang endlich wieder ein Etappensieg bei einer Grand Tour – Stefan Küng gewann das Vuelta-Abschlusszeitfahren.
Die Erfolgsbilanz des Teams ist insgesamt nicht überragend, aber es gelangen durchaus gute Rennen und Ergebnisse. Sucht man in den Statistiken nach Top3-Resultaten, spuckt Lenny Martinez, der das Team am Ende des Jahres in Richtung Bahrain-Victorious verlassen wird, lieferte ebenfalls mehrfach ab. Valentin Madouas gelang zwar kein Sieg, aber ein sehr solides Frühjahr. Bei den drei Ardennen-Klassikern wurde er Sechster, Fünfzehnter und Siebter – keine schlechte Bilanz. David Gaudu, inzwischen 28 Jahre alt, hatte eine durchwachsene Saison, steuerte zur Teambilanz zwei Siege bei und beendete die Vuelta immerhin auf Gesamtrang sechs. Die Jungen Paul Penhoët, Samuel Watson und vor allem Laurence Pithie zeigten starke Rennen!
In den vergangenen Jahren wurde das Profi-Team stark verjüngt. Dabei insgesamt konsequent auf den Nachwuchs gesetzt und in die Devo-Struktur investiert. Mit der Verjüngung ging ein Umbruch einher – in eine neue Zeit nach der Epoche mit Thibaut Pinot und Arnaud Demare. Auf dem Papier stehen für 2024 so wenig Siege zu Buche, wie seit 10 Jahren nicht mehr. Doch hatte man damals noch ein Durchschnittsalter von mehr als 27 Jahren und gehörte in Sachen Durchschnittsalter zum Mittelfeld der WorldTour, ist man nun die jüngste Equipe im WorldTour-Peloton! Das übrigens trotz des 38-jährigen Ignatas Konovalovas und des 35-jährigen Rudy Molard im Kader.
Wie ist also diese Saison 2024 zu bewerten, in der es drei Plätze im Teamranking nach unten ging? Die Mannschaft von Marc Madiot steckt in einem nötigen Veränderungsprozess. Als Vorreiter des modernen Radsports galt das Team noch nie, eher als typisch französische Equipe, mit viel Tradition und Emotionalität. Für Sponsoren und Fans wiedererkennbar und durchaus authentisch. Doch der Radsport entwickelt sich rasant und es müssen alle wissenschaftlichen Mittel ausgenutzt werden, will man Siege feiern.
Erfolg ist notwendig, selbst für ein sympathisches Team, das den traditionellen Radsport zelebriert. Die Verjüngung des Teams war für Marc Madiot eine große Aufgabe, die er tatsächlich gemeistert hat. Dass nun junge Fahrer mit großem Potenzial weiterziehen, ist schmerzhaft, aber eben Teil des Business. Groupama-FDJ muss Schritt halten, mit der Entwicklung des Sports. Modernisierung ohne die eigene Identität zu verlieren. Vor dieser Aufgabe stehen sie nicht als einziges Team, in der neuen Profi-Radsportwelt mit den weiter steigenden Budgets der Über-Teams. Es war keine Super-Saison von Groupama-FDJ, aber ein Schritt in die richtige Richtung. Der nächste wird nötig sein, und nicht einfacher.


