Carapaz – ein taktischer Plan für den Sieg

Richard Carapaz musste Isaac del Toro abhängen, um den Giro zu gewinnen. Physisch war Carapaz einer der stärksten Fahrer im Rennen. Vielleicht sogar der Stärkste. Doch das reichte nicht. Am Colle delle Finestre wollte Carapaz das Rennen für sich entscheiden. All Out in den Anstieg, dann gingen die Teamkollegen aus der Führung und Carapaz trat an. Ein heftiger Angriff! Doch er konnte den Mann in Rosa nicht abschütteln. Mehrfach probierte es Carapaz, aber es klappte einfach nicht, Del Toro abzuschütteln.
Carapaz schöpfte taktisch alles aus, fuhr auf Sieg! Er wollte Del Toro zum arbeiten zwingen, dass er Kräfte verbraucht und Carapaz davon profitieren kann. Im oberen Teil des Anstiegs machte dann Carapaz selbst das Tempo, um die Lücke zu den Verfolgern und Del Toros Helfern zu vergrößern. Mit dem Ziel, Del Toro zu zwingen, selbst das Tempo zu machen – in der Ebene und auf dem Weg zum Etappenziel. Nur zwei Minuten war da der Abstand nach vorn – also auch in Sachen Rosa alles möglich. Doch Del Toro fuhr nicht Tempo. Er wartete. Damit war das Rennen um Rosa für Del Toro gelaufen – und auch für Carapaz.
Dass Carapaz nun in der Gesamtwertung von Rang zwei auf den dritten Platz zurückfällt wird ihn wenig stören. Er wollte diesen Giro gewinnen, war vielleicht über drei Wochen sogar der stärkste Fahrer. Doch das reicht nicht. Hätte er also am Finestre selbst die Lücke zu Yates schließen sollen, als diese noch klein war? Hätte er vermutlich machen können – doch dann hieße der Sieger dieses Giro wohl Issac del Toro.
Es mag auf den ersten Blick so scheinen, als habe Carapaz auf dieser 20. Etappe den Giro verloren. Doch für ihn hätte es wohl eine andere Ausgangslage vor diesem Tag gebraucht, um am Ende in Rosa jubeln zu können.
Die #Nachbesprechung wird präsentiert von Q36.5


