
Der sogenannte Camino Primitivo folgt jener Route, die König Alfons II. im 9. Jahrhundert nach Compostela zurücklegte: 145 Kilometer (die sogenannte Hospitales-Variante ist etwas kürzer), die in sieben Etappen zu Fuß zurückgelegt werden können und durch Berge, Wälder und Dörfer im Landesinneren führen, über gewundene Pfade und verkehrsarme Nebenstraßen.
Im Herbst nimmt der Pilgerandrang deutlich ab, und die milden Temperaturen erleichtern das Wandern. Wer das Fahrrad nimmt, braucht in der Regel vier Tage für die Route. Die Strecke wechselt zwischen Ebenen und Höhen von über tausend Metern, was die Fahrt abwechslungsreicher und mintunter auch anspruchsvoller macht. Da man meist auf unbefestigten oder steinigen Wegen unterwegs ist, empfiehlt sich trainierten Fahrerinnen und Fahrern ein Trail-, MTB- oder E-Bike mit entsprechendem Bikepacking.
Asturien ist u. a. dank Direktflügen von Frankfurt, Düsseldorf und München oder auf anderen Wegen leicht zu erreichen. Es gibt es großes Angebot an Unterkünften, die sich im Vorfeld reservieren lassen: Landhäuser, Ferienhäuser und Hotels oder Hostels verschiedener Art und Kategorien. Ein Online-Planer hilft, die einzelnen Etappen im Vorfeld festzulegen – hier sieht man auch die Orte, an denen man einen Stempel für den Pilgerausweis bekommt (erhältlich in Herbergen, Kirchen oder Pilgerverbänden). Bei Bedarf gibt es Gepäcktransportdienste. Ein Tipp: Jeden Tag früh aufstehen und die Etappen bis zur Mittagszeit absolvieren. So hat man die Nachmittage frei, um sich auszuruhen und die Umgebung zu erkunden.

Der Camino Primitivo beginnt in Oviedo und endet in Puerto del Acebo. Die Kathedrale sowie die vorromanischen Kirchen und Bauwerke (Santa María del Naranco, San Miguel de Lillo, San Julián de los Prados, La Foncalada), die zum Weltkulturerbe der UNESCO zählen, gehören zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten rund um die Hauptstadt des Fürstentums Asturiens. Hier lohnt ein Besuch, bevor die eigentliche Radtour startet. Auf den ersten beiden Etappen geht es durch Las Regueras, wo sich die römischen Thermen von Valduno befinden. In Grado lockt mittwochs und sonntags ein traditioneller Markt mit regionalen Produkten. Von Grado führt die Route über den Alto de Cabruñana nach Salas. Vom Alto de Cabruñana sind die Sierra del Aramo oder der Monsacro zu sehen (bei klarem Wetter kann man sich hier auch noch von den gotischen Türmen der Kathedrale von Oviedo verabschieden). In Salas warten mit der Burg von Valdés-Salas, dem vorromanischen Museum und dem Wasserfall von Nonaya weitere Ausflugstipps.
Die nächste Etappe der Radtour (für die Fußgänger wäre es das vierte und fünfte Teilstück) verbindet Salas mit Pola de Allande und Berducedo – es geht entlang der Weidelandschaften und Wälder der Gemeinde Tineo. Hier befindet sich der Puerto del Palo, für viele Pilger der schönste Ort des Camino Primitivo. Sein Gipfel in 1.146 m Höhe über dem Tal des Flusses Nisón, mit der Sierra de Valledor im Hintergrund, zählt zweifellos zu den Highlights der gesamten Route in Asturien. Ein Tipp für eine Stippvisite ist der Palast der Grafen von Peñalva in Pola de Allande, der stolz über Pola thront.
Die letzten beiden Wanderetappen lassen sich zu einer Radtour zusammenfassen und führen zunächst nach Grandas de Salime. Später geht es hinauf zum Puerto del Acebo, an der Grenze zu Galicien. In Grandas gilt es mit der archäologischen Stätte Chao Samartín (Anfänge um 800 v. Chr., bedeutende römische Phase im 1.–2. Jh. n. Chr.) und dem Volksmuseum weitere Höhepunkte aufzuspüren

Die Nordwege wurden vor zehn Jahren von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, von denen zwei durch Asturien führen: der Camino Primitivo und der Camino de la Costa, auch bekannt als Camino del Norte, der 280 Kilometer entlang der kantabrischen Küste verläuft und 21 Gemeinden durchquert. Man kann ihn in neun Tagen mit dem Fahrrad oder in zwölf Tagen zu Fuß zurücklegen. Das Fürstentum bietet mit dem anspruchsvollen Camino de El Salvador sogar eine dritte Route. Von den insgesamt fünf Etappen, die León mit Oviedo verbinden, führen drei Etappen durch Asturien. Einige Abschnitte durchqueren das Hochgebirge.

Die Gastronomie in Asturien ist im Herbst durch geröstete Kastanien, herrlichen süßen Apfelwein oder lange gekochte Eintöpfe geprägt (Foto links: Pote de Castañas). Natürlich verwöhnen auch traditionelle Gerichte wie Fabada, Pote Asturiano, Cachopo oder Pitu de Caleya den Gaumen. Die Weine aus Cangas del Narcea passen perfekt zur Jahreszeit, ebenso Wurstwaren wie Chosco oder gefüllter Kohl.
Süßspeisen wie Tocinillo oder „Carajitos del profesor” kann man sich genauso auf der Zunge zergehen lassen wie eine der zahllosen Käsesorten aus diesem wahren Käseparadies. In Asturien steht das Essen für Zusammenkunft, Gastfreundschaft, Gespräch und Erholung. Eben genau wie der Jakobsweg selbst.
Nützliche Infos:
–> Die besten Tipps für den Jakobsweg durch Asturien bei turismoasturias.es
–> Mit dem Fahrrad durch Asturien: Vorbereitungen und Tipps
–> Die Pilgerherbergen in der Übersicht
–> Asturien: Ein Naturparadies, das es zu erforschen gilt


