
Das Rennen der Männer bildet den Abschluss der WM in Kigali. Es ist ein knüppelharter Parcours! Satte 267,5 Kilometer müssen absolviert werden, in Summe hat der Parcours mehr als 5300 Höhenmeter. Zunächst werden neun Runden auf dem anspruchsvollen Stadtkurs absolviert, dann geht es raus auf eine Zusatzschleife mit dem harten Anstieg über die „Mauer von Kigali“ hinauf zum Mont Kigali. In Summe fast sechs Kilometer Anstieg mit fast 7% Steigung! Das Finale sind dann sechs weitere Runden auf dem Stadtkurs.
WM-Rennen haben ihre eigenen Gesetze, nehmen oft einen anderen Verlauf als Rennen mit Profimannschaften. Die Teams sind unterschiedlich groß, Interessen vermischen sich nationenübergreifend und selten lässt sich ein WM-Rennen durch eine Nation kontrollieren. Das Rennen in Kigali ist sehr schwer, wird über den Energiehaushalt und die Bergfestigkeit entschieden. Einen Zufallssieger wird es wohl nicht geben, es werden die ganz großen Namen, die besten Eintagesfahrer für schweres Profil ganz vorn erwartet.
Die Strecke der Rad-WM 2025 in Kigali

Alle anderen Straßenrennen wurden ausschließlich auf dem 13,6 Kilometer langen Stadtkurs in Kigali ausgetragen, die Männer hingegen fahren nach den ersten neun Runden eine Zusatzschleife über die „Mauer von Kigali“. Dann geht es nochmals sechs Runden über den Stadtkurs.
Die Anstiege der Stadtrunde:

Der schwere Rundkurs in Kigali hat zwei Anstiege. Die Cote de Kigali Golf – 800 Metern lang mit einer durchschnittlichen Steigung von 8,1%. Im unteren Teil ist es giftig steil – hier geht es mit 14% bergan!
Die zweite Steigung ist die Cote de Kimihurura – der deutlich schwerere Anstieg! Hier geht es 1300 Meter bergan. Im Schnitt mit 6,3%, aber es geht auf Kopfsteinpflaster bergauf. Auch diese Steigung ist im unteren Teil sehr steil, wird nach rund 500 Metern flacher.
Diese zusätzliche Schleife ist 42,4 Kilometer lang und hat zwei Anstiege.


Die Cote de Peage ist mit knapp zwei Kilometern keine sehr lange Steigung und mit weniger als sechs Prozent im Schnitt auch nicht extrem steil, doch sowohl im unteren Bereich, als auch auf den letzten Metern ist es durchaus Steil! Mit 10% geht es da stellenweise bergan.
Der Mont Kigali hingegen ist lang und an einigen Stellen extrem steil. Der letzte Kilometer hat rund 15% im Schnitt! Es ist ein langer Anstieg, von dessen Gipfel es noch rund 100 Kilometer bis ins Ziel sind. Gut möglich, dass hier das Feld schon mächtig ausgedünnt wird. Viel Zeit für Erholung gibt es nach der Abfahrt nicht, denn dann geht es direkt die Steigung zum Ziel hinauf und dann auf die sechs Abschlussrunden in Kigali.
Die Favoriten
Die beiden Top-Favoriten sind wohl Tadej Pogacar und Remco Evenepoel. Pogacar holte sich 2024 in Zürich mit einem langen Solo souverän den WM-Titel und ist aktuell wohl der beste Fahrer der Welt. Doch beim WM-Zeitfahren musste er sich Evenepoel geschlagen geben, der sich in herausragender Verfassung befindet. Das Slowenische Team wird Pogacar versuchen lange zu beschützen und dann für seinen Angriff in Position zu bringen. Schon an der Mauer von Kigali? Nicht unmöglich, aber vielleicht eher nicht zu erwarten. Das wird wohl davon abhängen, wie stark sich Pogacar fühlt. Denn seine WM-Vorbereitung lief nicht perfekt.
Die Belgier um Evenepoel hingegen werden versuchen die Breite des Kaders auch im Finale ausspielen zu wollen und so Evenepoel in die Position bringen zu können, dass er auf den Schlussrunden seinen Angriff setzten kann und sich wie bei den Olympischen Spielen in Paris mit einem starken Solo den Titel holt.
Doch während diese beiden Teams taktisch wohl auf ihre Top-Stars ausgerichtet ist, können andere Nationen flexibel agieren und versuchen clever ihre Karten auszuspielen. Die Briten beispielsweise haben eine starke Mannschaft mit Oscar Onley und Tom Pidcock. Die Franzosen mit Julian Alaphilippe, Valentin Madouas und Paul Sexas sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Das gilt auch für die Italiener um Ciccone oder die Australier mit Vine, Storer und Matthews. Die Dänen mit Skjelmose sollte man auch nicht unterschätzen und die Spanier sind ebenfalls stark aufgestellt.
Wenn das Feld nach dem Mont Kigali ausgedünnt auf die letzten sechs Runden geht, könnte sich ein spannendes und taktisch interessantes Rennen entwickeln. Schaffen es Teams wie Italien, Frankreich oder Dänemark eine Gruppe zu initiieren, die sich absetzen kann? Wer kontrolliert dahinter? Wem gelingt es dann noch, nach vorn zu springen? Oder zerfällt das Peloton schon 100 Kilometer vor dem Ende so sehr, dass Pogacar oder Evenepoel zum Solo ansetzen und dahinter keine Einigkeit herrscht? Alles möglich, es kann aber auch ganz anders kommen. Bei einem so schweren Rennen gilt es die Energie klug einzusetzen und seine Karten schlau zu spielen. Bei den Frauen am Samstag gab es eine Überraschungssiegerin – man darf gespannt sein, wie das Rennen der Männer läuft.
***** Tadej Pogačar
**** Evenepoel
*** Ciccone, Pidcock, del Toro
** Carapaz, Healy, Skjelmose, Vine
* Ayuso, Simmons, Bernal, Hindley, Sivakov, Storer, Hirschi, Barré, Onley, Madouas
Die Startliste:
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