
Der Camino Primitivo, der in Asturien knapp 150 Kilometer lang ist, verwandelt sich im Herbst in ein Paradies für Radtouristen: Die Pilgerzahlen sind kleiner, die Temperaturen moderater. In dieser Jahreszeit gibt es auf dem Rad viel zu entdecken und genießen.
Asturien ist mit Direktflügen oder anderen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Bei der Wahl der Unterkunft gibt es eine große Auswahl. Neben Land- und Ferienhäusern stehen auch Hotels verschiedener Kategorien zur Verfügung, die auch zu dieser Jahreszeit ein breites Angebot aufweisen. Darüber hinaus können Radreisende auf Dienstleistungen wie Taxi, Gepäcktransport, Werkstätten sowie Fahrradverleih zurückgreifen – egal ob sie mit einem MTB/Trail-Bike oder einem E-Bike unterwegs und gut vorbereitet sind. Die Packliste fürs Bikepacking sollte das Notwendige enthalten: Mütze, Sonnenbrille, Sonnencreme, Regenjacke, Trinkflasche, bequeme und warme Kleidung, wasserdichte Schuhe und ein Erste-Hilfe-Set.

Ein Tipp: Früh aufstehen und die Etappen zur Mittagszeit beenden! So sind die Nachmittage frei, um die Region zu entdecken. Nicht vergessen sollte man das Abstempeln des Pilgerausweises, der in einigen Herbergen, Kirchen, Jakobusvereinen und Tourismusbüros erhältlich ist und kostenlos im Informationszentrum des Fürstentums Asturien angefordert werden kann.
Der Camino Primitivo ist die Route, die der asturische König Alfons II. im 9. Jahrhundert zurücklegte, als er sich nach Compostela begab. Für Wanderer gibt es in Asturien sieben Etappen, die in Oviedo, der Hauptstadt des Fürstentums, beginnen und in Grandas de Salime – Puerto del Acebo enden. Insgesamt sind es 146 Kilometer bzw. 142 Kilometer über die „Hospitales”-Variante, die für Fahrräder jedoch nur begrenzt nutzbar ist.
Mit dem Rad kann man die Strecke in drei bis vier Tagen absolvieren. Vorab kann man mit einem Online-Planer eigene Routen festlegen. Der Camino Primitivo bietet im herbstlichen Asturien zahlreiche Anlässe, bei denen es sich lohnt, vom Rad abzusteigen – sei es, um einen Blick auf die für die Region typischen Kornspeicher zu werfen oder an einem der legendären Volksfeste teilzunehmen, bei denen Apfelwein und andere kulinarische Köstlichkeiten nicht fehlen dürfen. Ein bekanntes traditionelles Fest ist „Amagüestu“, bei dem geröstete Kastanien (und Apfelwein) konsumiert werden.
Bevor jedoch die Reise die Radtouristen zu Kastanien, Haselnüssen, Äpfeln, Kürbissen oder Wildpilzen führt, lädt die Hauptstadt Oviedo mit der Kathedrale und den zahlreichen vorromanischen Kirchen und Sehenswürdigkeiten, die zum Weltkulturerbe zählen, zu einem ausgiebigen Besuch ein.
(Foto rechts: Eine Pause vor der Kathedrale von El Salvador | © Juan de Tury)

Von Oviedo aus überquert man den Fluss Nora und fährt dann den El Escamplero hinauf, bis Las Regueras erreicht ist, wo sich die römischen Thermen von Valduno befinden. Nachdem man die historische Brücke von Peñaflor hinter sich gelassen hat, führt der Weg nach Grado, wo ein traditionsreicher Wochenmarkt (mittwochs und sonntags) regionale Erzeugnisse offeriert. Wer Süßes mag, sollte einmal das ortstypische Dessert „Tocinillo de cielo“ probieren, das in den Bäckereien oder Konditoreien zu kaufen gibt.
Von Grado aus geht es erst hinauf zur historischen Stätte Santuario del Fresno, dann hinunter zum Kloster Cornellana. In Salas gibt es mit der alten Turmanlage, dem vorromanischen Museum sowie dem kleinen und wunderschönen Nonaya-Wasserfall gleich mehrere Gründe für eine längere Auszeit.

Die zweite Etappe verbindet Salas mit Tineo-Pola de Allande und Berducedo – es geht über den Alto de La Espina (645 m) und den Puerto del Palo (1.146 m). Weitere Sehenswürdigkeiten auf dieser Etappe: das Kloster von Obona, die Altstadt und das Kunstmuseum von Tineo, der Palast der Grafen von Peñalva oder die einzigartigen „Häuser der Indianos“ in Pola de Allande.
Die letzte Etappe führt zunächst entlang des Flusses Navia zum riesigen Salime-Stausee, bis als letzte Kraftanstrengung der Aufstieg nach Grandas wartet. Der Jakobsweg in Asturien endet am Puerto del Acebo. In Grandas ist viel zu entdecken: die Stiftskirche San Salvador, das Volksmuseum „Pepe el Ferreiro” oder die archäologische Stätte Chao Samartín, eine Festung und Siedlung aus der Bronzezeit.
Asturien ist auch in kulinarischer Hinsicht eine Reise wert. Die Gastronomie lockt mit saisonaler Küche und regionalen Zutaten, ob in den Restaurants oder den traditionellen Apfelwein-Lokalen. Asturiens Rezeptsammlung ist lang und umfasst Gerichte wie Fabada, Pote Asturiano, Cachopo, Reis mit Pitu de Caleya oder leckere Wurstwaren wie Chosco. Gefüllter Kohl zählt ebenso zu den Spezialitäten wie die Süßspeisen Tocinillo, Milchreis oder „Carajitos del profesor”. Kurzum: Der Jakobsweg in Asturien lädt mit und ohne Rad zu unvergesslichen Entdeckungsreisen ein.
Nützliche Infos:
–> Die besten Tipps für den Jakobsweg durch Asturien bei turismoasturias.es
–> Mit dem Fahrrad durch Asturien: Vorbereitungen und Tipps
–> Die Pilgerherbergen in der Übersicht
–> Asturien: Ein Naturparadies, das es zu erforschen gilt


