
1 | Klassiker: WVA > VDP
Wout van Aert ist zurück – und wird mit etwas Wut im Bauch die Enttäuschungen des Vorjahres vergessen machen. Bei einem seiner beiden heißgeliebten Klassiker, der Flandern-Rundfahrt und Paris-Roubaix, wird er endlich ganz oben auf dem Treppchen stehen. Mathieu van de Poel geht hingegen bei den Frühjahrsklassikern leer aus, dafür verlässt er später die MTB-Weltmeisterschaften mit einem Regenbogentrikot.
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Nein. Das Duell ging im Frühjahr klar an Mathieu van der Poel. Während der Niederländer bei Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix triumphierte, ging Wout van Aert bei den Klassikern gänzlich leer aus. Dabei zeigte der Belgier nach seiner Verletzungsmisere im Vorjahr durchaus ordentliche Leistungen: Er verpasste bei der Flandern-Rundfahrt, Paris-Roubaix und dem Amstel Gold Race als Vierter gleich dreimal knapp das Podium. Bei Dwaars door Vlanderen verfehlte er mit seinem Team auf denkwürdige Art und Weise den Tagessieg (Neilson Powless lässt grüßen), beim Pfeil von Brabant wurde er hinter Remco Evenepoel Zweiter. Immerhin gab es später ein dickes Trostpflaster für den Belgier in Diensten von Visma | Lease a Bike: Mit der Montjuic-Schlussetappe der Tour de France holte er nach beeindruckendem Auftritt einen der prestigeträchtigsten Tageserfolge der Saison – zu einem Duell mit van der Poel sollte es dabei nicht kommen, nachdem dieser wegen einer Lungenentzündung ausgestiegen war.
2 | Jonas Vingegaard gewinnt die Tour
Okay, zumindest ausmalen kann man sich dieses Szenario ja: Nachdem die Vorbereitung 2025 im Gegensatz zum Vorjahr absolut verletzungs- und störungsfrei verläuft, wird Jonas Vingegaard in diesem Jahr die Frankreich-Rundfahrt gewinnen. Der Parcours mit einigen langen Bergankünften kommt dem Dänen bekanntlich entgegen – entscheidend wird jedoch sein, dass der hochfavorisierte Konkurrent Tadej Pogacar ausnahmsweise mal einen schlechten Tag erwischt. Dank starken Helfern wie Yates, Kuss und van Aert reicht dieser Tag aus, damit das niederländische Team die Sektkorken knallen lassen kann.
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Nein. Auch wenn der Däne keine schlechte Frank-Rundfahrt absolvierte, hatte er gegen Tadej Pogacar eigentlich zu keiner Zeit der Rundfahrt eine realistische Chance, wenn man einmal davon absieht, dass Pogacars Sturz bei der 11. Etappe tatsächlich schlimmere Folgen hätte haben können. Immerhin gewann Jonas Vingegaard danach die Vuelta, bei der der Rivale aus dem UAE-Team nicht am Start stand.
3 | Lotte Kopecky gewinnt die Tour de France Femmes
Die Klassiker-Königin vertraut ihren erweiterten Rundfahrqualitäten und entscheidet sich dafür, 2025 bei der Tour de France Femmes an den Start zu gehen. Es wird nicht zu ihrem Nachteil sein: Die Belgierin gewinnt die Rundfahrt – und zwar mit einem größeren Vorsprung als vier Sekunden vor der ehemaligen Teamkollegin Demi Vollering, die erneut das Nachsehen hat.
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Nein. Die Belgierin zeigte zwar im Frühjahr mit dem Sieg der Flandern-Rundfahrt ihre ganze Klasse, musste aber schon den Giro d‘Italia aufgrund heftiger Rückenschmerzen verlassen. Immer wieder hatte sie in diesem Jahr mit Verletzungen zu kämpfen. Bei der Tour de France Femmes avac Zwift ging sie daher nicht in Top-Form an den Start, ihr bestes Tagesergebnis beim Jahreshighlight war ein 11. Platz. Immerhin: Demi Vollering wurde bei der Frankreich-Rundfahrt wie prognostiziert Zweite.
4 | Keine Überraschungen bei der WM in Ruanda
Die WM in Afrika wird allein aufgrund der Tatsache, dass endlich einmal eine Großveranstaltung auf diesem Level in Afrika stattfindet, für viel Gesprächsstoff sorgen – auch an spektakulären Bildern wird es bei den Rennen gewiss nicht mangeln. Allerdings wird das Straßen-Rennen der Männer eher langweilig ausfallen, zumindest was die Goldmedaille angeht. Der 267,5 km lange Kurs mit fast 5500 Höhenmetern spielt einem wohlbekannten Überflieger aus Slowenien (Nein, nicht der ehemalige Skispringer) dermaßen in die Karten, dass die einzig spannende Frage ist, wie viele Kilometer vor dem Ziel er sich dieses Mal von seinen Kontrahenten verabschiedet. Beim Straßenrennen den Frauen gelingt Demi Vollering die Revanche, und sie holt sich Gold.
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Jein. Was die Männer angeht, gab es mit dem Solo-Sieg von Tadej Pogacar definitiv das erwartete Ergebnis. Dafür nahm das Frauenrennen einen Verlauf, den kaum jemand vorausgesehen haben dürfte. Der Kanadierin Magdeleine Vallieres gelang als Ausreißerin ein echter Coup, die Favoritinnen gingen an diesem Tag leer aus. Demi Vollering, die im WM-Einzelzeitfahren noch die Bronzemedaille geholt hatte, wurde beim Straßenrennen Siebte.
5 | (K)ein Jubeljahr für Red Bull Bora-hansgrohe
Keine Frage: Die Mischung an Fahrern, die sich da im neuformierten RedBull Bora-hansgrohe Team tummeln, ist absolut erstklassig. Doch im ersten Jahr nach dem größeren Umbruch wird nicht gleich alles reibungslos laufen. Abläufe müssen sich einspielen, Teamgeist will entwickelt und gepflegt werden. Bei den großen Rundfahrten springt in diesem Jahr kein Sieg heraus – dafür aber gibt es reichlich Erfolge bei anderen Gelegenheiten. Florian Lipowitz macht den nächsten Schritt und holt beim Criterium de Dauphine mindestens einen Etappensieg.
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Jein. Wie prognostiziert holte Red Bull Bora-hansgrohe keinen Sieg bei den großen Landesrundfahrten. Florian Lipowitz machte tatsächlich auch den nächsten Schritt. Beim Criterium de Dauphine holte er zwar nicht den vorhergesagten Etappensieg, dafür schaffte er den Sprung aufs Treppchen: Mit dem sehr starken 3. Platz in der Gesamtwertung hinter Pogacar und Vingegaard wurde das Podium der Tour de France bereits vorweggenommen.
6 | Lidl-Trek triumphiert bei der Deutschland-Tour
Zugegeben, diese These ist etwas gewagt, da der Parcours der diesjährigen Deutschland-Rundfahrt noch gar nicht veröffentlicht ist. Doch die Mannschaft des namensgebenden Sponsors der Rundfahrt wird sich auch 2025 die Chance nicht nehmen lassen, die Breite des eigenen Kaders auszuschöpfen, um sich bei diesem Rennen von seiner Schokoladeseite zu zeigen. Mit Jonathan Milan, Mads Pedersen, Lennard Kämna (Bergtrikot!) oder Tim Torn Teutenberg werden sie die meisten Etappen und Wertungen gewinnen und nach dem Finale in Magdeburg hochzufrieden die nächsten Herausforderungen der WorldTour annehmen.
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Keinesfalls. Top-Sprinter Jonathan Milan mischte bei dem sprinterfreundlichen Parcours zwar gleich dreimal vorne mit, ein Tagessieg sprang aber weder für ihn noch für einen der Teamkollegen heraus. Am Ende hatte Lidl-Trek keinen Fahrer in der Top 10. Während Gesamtsieger Søren Wærenskjold wichtige UCI-Punkte für Uno-X Mobility holte, konnte Lidl-Trek die Rundfahrt allerdings entspannter angehen. Am Ende der Saison kam die Mannschaft dank Pedersen, Milan und Co. auf 46 Siege – ein Rekordwert.

