
Das „Stevens Youngsters Team“ geht 2026 in die dritte Saison. Eine Renngemeinschaft in Norddeutschland, mit Nachwuchssportlern aus verschiedenen Verbänden. Ein U17-Team mit Fahrern aus Vereinen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen. Gemeinsam trainieren, Trainingslager absolvieren, gemeinsam Rennen fahren. Auch an internationalen Wettbewerben teilnehmen. Das sind die Ziele des Teams. Langfristig sollen mehr Kinder aufs Rad, dem Sport und Talenten eine Perspektive geben. „Norddeutschland ist Radsport-Entwicklungsland“, sagt Jens Schwedler, die treibende Kraft hinter dem Team. „Es gibt keine gute Jugend-Struktur, es fehlt an vielen Stellen Stellen an Unterstützung. Hier wollen wir mit unserem Team ansetzen“.
Schwedler ist eine Cross-Legende, Jahrgang 1968 und seit vielen Jahren beim Radhersteller Stevens tätig. Er war selbst mehrfacher Deutscher Cross-Meister, blieb dem Radsport treu. Er fuhr in der Masters-Klasse zu einigen nationalen und internationalen Titeln, war als Sportlicher Leiter aktiv und kümmert sich beim Harvestehuder RV lange Zeit um den Nachwuchs.
„Bis vor wenigen Jahren konnte ich bei den Junioren im Gelände noch mithalten, aber das ist jetzt endgültig vorbei“, sagt Schwedler und lacht. Seine Aufgaben beim Youngsters Team sind vor allem das Marketing und die Sponsoren-Akquise. „Wir haben da jetzt große Schritte gemacht, einige gute Partner für unser Projekt gewinnen können. Doch das war zu Beginn nicht ganz so einfach“, so Schwedler. „Wir waren beispielsweise auch bei der Eurobike, haben sehr vielen Unternehmen unser Projekt vorgestellt. Alle sagten uns, dass das ne tolle Sache ist und Nachwuchsförderung extrem wichtig, aber Geld wollte uns niemand geben“, so Schwedler.
Gemeinsam trainieren und Rennen fahren
Im ersten Jahr machte Radhersteller Stevens, allen voran Gesellschafter Werner von Hacht, das Team möglich. Schwedler ist beharrlich und engagiert, das zahlte sich aus. „Wir haben bereits in diesem Jahr einen Schritt machen können, mit richtiger Bekleidung, einem guten Programm. Wir waren in Assen, auch in Frankreich bei einer Rundfahrt. Haben mehr Trainingslager gemeinsam absolviert. Sportlich bin ich zufrieden“, sagt Schwedler.
Entstanden sei die Idee für das Team aus einer Reise zur Cross-WM in Hoogerheide. „Es war eine Gruppe von Jungs, die sich gut verstanden hat und Radsport betreibt. Da kam die Idee: Lass daraus eine Mannschaft machen“, sagt Schwedler. Es sei nicht darum gegangen, die besten Fahrer zu suchen, sondern ein Team zu formen, das gemeinsam den Sport betreibt und Spaß dabei hat. „Es gibt hier im Norden nicht so viele Trainingsgruppen und Teams in den Nachwuchsklassen. Wir haben Fahrer, die in ihren Vereinen allein sind, in ihrem Alter.“ Gemeinsam trainieren können, eine Mannschaft formen, Rennen bestreiten. Straße, Cross, Bahn oder MTB – die Kids sollen alles ausprobieren können. „Wir schreiben niemandem was vor“, sagt Schwedler. Gruppendynamik ist gewünscht, das gemeinsame Training soll pushen und motivieren. „Wenn du trainierst, bist du gut, wenn du nicht trainierst bist du es nicht – gemeinsam ist das einfacher, man orientiert sich an den stärkeren Teamkollegen“, so Schwedler.
Eine Nachwuchs-Renngemeinschaft aus unterschiedlichen Verbänden ist ungewöhnlich. Im Jahr 2025 war man mit Sondergenehmigung von German Cycling unterwegs. „Es gibt Stimmen, die dagegen sind“, sagt Schwedler. Aus seiner Sicht gibt es in den Verbänden die Sorge, man würde die Talente abziehen. „Das ist aber nicht unser Ansinnen. Der Verband hat stets Vorrecht, auch die Vereine. Wir müssen stets berücksichtigen, wo die Sportler eingesetzt sind“. Die Abstimmung sei kein großes Problem.
Tatsächlich besteht bei Landesverbänden die Sorge, dass in solchen Renngemeinschaften die einzelnen Vereine verschwinden, die die Basisarbeit machen. Deutschlandweit sind die Bedingungen unterschiedlich, in einigen Regionen gibt es in einigen Vereinen größere Nachwuchsgruppen und eine gewachsene Struktur mit Lizenz-Trainern und Ausrüstung. In anderen Regionen sieht das ganz anders aus. Auch im hohen Norden gibt es positive Entwicklungen, in Schleswig Holstein freuen sich die Vereine RST Lübeck, RG Wedel und der Kieler RV über steigenden Zulauf, berichtet Ian Hoesle, Vizepräsident Nachwuchs beim Radsportverband Schleswig-Holstein. In Kiel sei man inzwischen bei rund 40 Kindern.
In den Landesverbänden wird versucht, den Nachwuchs bestmöglich zu fördern, die Herausforderungen sind durchaus unterschiedlich. Fehlendes Personal für die Betreuung, geringe Unterstützung durch die Behörden und zu wenige Rennen – die Bedürfnisse in den unterschiedlichen Regionen ähneln sich.
Künftig auch Stevens-U19 Team?
Mit dem Stevens Youngsters Team will Schwedler den Nachwuchs unterstützen, wo es Engpässe gibt, dabei den Sportlern die Chance geben, sich in unterschiedlichen Disziplinen auszuprobieren. Im Jahr 2026 liegt der Fokus auf der U17-Klasse. Ein U15-Team wird es nicht mehr geben, es fehlt an den Kapazitäten. Wenn sich Eltern entsprechend einbringen, wäre auch das wieder denkbar.
Für die Zukunft will man versuchen, die Sportler weiter zu begleiten. Ein U19-Team wäre der nächste Schritt. „Wir arbeiten daran, ein U19-Team möglich zu machen. Der Wunsch kam auch von unseren Sportlern, hier nach der U17 weitermachen zu können. Das ist natürlich ein erheblicher Aufwand, aber Stand jetzt ist das für 2027 durchaus möglich.“ Auch der Wunsch nach der Förderung im Frauenbereich ist da, doch es fehlt an Kompetenz und Personal.
Sportlich war man mit der Saison 2025 sehr zufrieden, will dort im kommenden Jahr anknüpfen. Ein paar neue Sponsoren konnte man gewinnen, am Programm für Training und Rennen wird intensiv gearbeitet. 11 Fahrer gehören 2026 zur Mannschaft. Der sportliche Erfolg ist ein Thema, doch das vorrangiges Ziel ist es, das Projekt weiter zu entwickeln, perspektivisch auszubauen: „Wir wollen den Radsport in Norddeutschland fördern und der Wunsch ist schon auch, dass die Jungs aus der U15 mit 50 immer noch Spaß am Radsport haben und dann vielleicht noch fahren“, sagt Schwedler. Nach dem Motto: Je mehr Menschen dem Radsport verbunden sind und bleiben, umso besser für Vereine, Verbände und den Nachwuchs.
Infos zum Youngsters Team: stevensbikes.de

