Pascal Ackermann ist für seinen Frohsinn bekannt. Stets ein Lächeln auf den Lippen, ein lockerer Spruch und nur selten nach außen sichtbar angespannt. Auf dem Rad jedoch kann Ackermann auch anders – nach verpasster Sprintchance sorgt die Faust auf dem Lenker für Frustabbau. Nach ein paar Sekunden ist das Lächeln zurück, oft auch zur Freude der TV-Reporter. 

Pascal Ackermann ist einer der erfolgreichsten deutschen Sprinter. Etappensiege bei Giro und Vuelta, Eschborn-Frankfurt hat er gewonnen, war Deutscher Meister, gewann das Ciclamino beim Giro und war bei einigen Eintagesrennen erfolgreich. Vor neun Jahren wurde der inzwischen 32-Jährige Profi, startete bereits im zweiten Profijahr seine Siegesserie. Doch in den vergangenen drei Jahren holte der Pfälzer nur einen Sieg. „Es ist extrem wichtig, dass man gesund bleibt, eine ungestörte Vorbereitung absolvieren kann und konsequent trainieren. Das hatte ich in den vergangenen Jahren einfach zu selten“, so Ackermann, dessen letzter WorldTour-Erfolg ein Etappensieg beim Giro 2023 war. 

Schwierige Phase übertstanden

Hinter Pascal Ackermann liegt eine schwierige Phase, die bereits im Frühjahr 2022 begann. Nach einem guten Winter und einem Neuanfang beim Team UAE war Ackermann bei der Koksijde Classic direkt erfolgreich. Doch wenige Tage später stürzte er beim Eintagesrennen in De Panne schwer. Unter Schmerzen absolvierte er noch weitere Rennen, musste meist aufgeben, darunter auch Paris-Roubaix. Dann wurde festgestellt, dass er sich das Steißbein gebrochen hatte. Pause, Neuaufbau. Bei der Vuelta verpasste er zwei Mal knapp den Sieg, musste sich Mads Pedersen geschlagen geben. 

Im Jahr 2023 lief es dann besser – Giro-Etappensieg, eine Etappe bei der Österreich-Rundfahrt gewonnen, Podium in De Panne. Im Team UAE muss sich Ackermann oft allein durchschlagen, ein Tourstart blieb ihm im Team von Tadej Pogacar verwehrt.

(Foto links: Sieg bei der Bredene Koksijde Classic 2023)


Er wechselte zur Saison 2024 zum Team Israel-PremierTech. Das Jahr beginnt gut, doch in De Panne stürzt er wieder – Schlüsselbeinbruch. Das Frühjahr endet schneller als gehofft. Im Sommer dann bei der Tour wird er mehrfach Dritter, der Traum vom Touretappensieg bleibt unerfüllt.

Durch den folgenden Winter kommt Ackermann gut, fährt Bestleistungen im Training, auch bergauf richtig stark. Für die Klassiker ist er hochmotiviert. Doch dann stürzt er im ersten Rennen – bei eine Bodenwelle am Schlusstag der Tour de la Provence hebt es ihn aus. Er verletzt sich schwer am Knie. Einige Tage kann er nicht laufen, die Heilung zieht sich. Das Frühjahr ist futsch.

Der Fokus wird wieder auf die Tour de France gerichtet, doch im Vorfeld stürzt Ackermann mehrfach, reißt sich den Ellenbogen bis auf den Knochen auf. In Topform zur Tour kommt er nicht, holt ein Mal rang vier, ein Mal Rang acht. Danach endet das Kapitel Israel-PremierTech für Ackermann, der sich im Team aufgrund der politischen Situation und der Proteste zunehmend unwohl fühlt.

Neustart beim alten Coach

Nun wechselte Ackermann zu Team Jayco AlUla. „Ich bin dort der einzige echte Sprinter und sie wollten mich gern haben“, sagt Ackermann über den Wechsel und lacht. Er scheint sich direkt gut eingefunden zu haben. „Ja, das ging schnell. Es ist im Team einfach entspannt, nicht über-strikt und eine lockere Atmosphäre. Einige kannte ich von UAE, und um ehrlich zu sein, hatte ich gar nicht so auf dem Schirm, wie viele deutschsprachige Leute dabei sind“, sagt Ackermann. Die beiden Deutschen Jasha Sütterlin und Felix Engelhardt, dazu Ackermanns Ex-Teamkollege Patrick Gamper aus Österreich und der Schweizer Mauro Schmid gehören zum Team.

Dazu auch Trainer Christian Schrot (Foto links ©GreenEdge). Auch den kennt Ackermann bereits seit Jahren. „Mit Christian habe ich schon in der U23 zusammengearbeitet und das war ein wichtiger Punkt bei der Entscheidung. Es ist ein großer Vorteil, wenn man mit seinem Trainer in der Muttersprache kommunizieren kann und ich schätze Christian zudem als Coach sehr“, sagt Ackermann ruhig. 

Ackermann und Schrot kennen sich lange. Als Nachwuchssportler hatte Ackermann Kontakt aufgenommen, war sogar in die Nähe des Trainers gezogen. „Zwischen Pascal und mir hat es damals auf Anhieb gepasst“, sagt Schrot, der seinen Anteil an Ackermanns Wechsel zu Jayco AlUla hat. 

„Pascal hat sich grundsätzlich nicht sehr verändert. Er war schon immer ein positiv gestimmter Mensch, das ist er geblieben. In diesem Business gar nicht so einfach, und das schätzt das gesamte Team sehr“, so Schrot. „Pascal kann sich heute noch viel besser einschätzen als damals. Auch die Rennen kann er besser lesen und seinen Teamkollegen nun ein unglaublich gutes Briefing geben. Das hat mich sehr beeindruckt“, so Schrot.

Winter daheim

Ackermann ist Vater geworden und hat den gesamten Winter daheim trainiert. Früher hatte er im Winter in Nordspanien ein Domizil, nun genießt er es, zu Hause zu sein. „Ich hab komplett daheim trainiert und keinen einzigen Tag Training verpasst. Da war wirklich gut“, sagt Ackermann und sein Trainer bestätigt das. „Der Winter war gut und er fühlt sich so stark wie länger nicht mehr. Das lässt sich auch an den Werten ablesen“, so Schrot. Viel Arbeit musste getan werden, doch die Motivation war stets da.

„Es war schon bisschen Arbeit zu tun, vielleicht war auch ein bisschen Potenzial auf der Strecke geblieben. Wir haben viele klassische Sachen gemacht, die ein Sprinter braucht. Krafttraining, spezifische Sachen auf dem Rad“, so Schrot.

In die Höhe geht Ackermann nicht, es sei nichts für ihn. „Bei den ersten Rennen lief es ok, ich bin mit meiner Form zufrieden“, sagt Ackermann ruhig. Mit einem Sieg hat es noch nicht geklappt, aber das wird kommen, ist sich sein Trainer sicher. „Das ist eine Frage der Zeit. Es muss sich noch etwas einspielen, bislang war es auch eher eine Frage des Timings. Grundsätzlich geht es in die richtige Richtung“, so Schrot.

Sportliche Ausrichtung im Team Jayco AlUla

Pascal Ackermann
(Foto: © Cor Vos)

Ackermann ist Sprinter Nummer eins im neuen Team, er wird seine Möglichkeiten mit Sicherheit bekommen. „Wir haben, abgesehen von Michael (Matthews), nicht die ganz großen Namen im Team, wie das vielleicht bei anderen Mannschaften der Fall ist. Aber in der Breite sind wir stark. Auch für mich wird es ganz klar einige Chancen geben, und die will ich bestmöglich nutzen“, so Ackermann. 

Zunächst liegt der Fokus im Frühjahr auf den Klassikern für endschnelle Männer. „Kuurne, Nokere, Handzame, Monsere. Dann noch Gent-Wevelgem, wenn es keinen Wind gibt und am Ende noch zusammenläuft – mehr Klassiker für Fahrer wie mich gibt es da nicht“, sagt Ackermann und lacht. 

Dabei schlummerte in Ackermann auch ein Klassikertalent. „Grundsätzlich wäre Pascal in beide Richtungen entwickelbar gewesen. Aber es stellt sich immer die Frage, wo man erfolgreicher sein kann. Sprinter war der logische Weg“, so Schrot.

Nach dem reduzierten Frühjahrsprogramm geht es für Ackermann zum Giro d’Italia. An die Italien-Rundfahrt hat Ackermann gute Erinnerungen. „Ich war zwei Mal da und hab immer eine Etappe gewonnen. Das soll so weitergehen“, sagt Ackermann in seiner typischen Art. 

Im Sommer dann hofft er auf die Tour de France. Ein Etappensieg beim größten Rennen der Welt fehlt noch in seinen Palmares. „Das brauch ich noch, sonst kann ich nicht aufhören“, sagt Ackermann und lacht. Er weiß, wie schwer diese Aufgabe ist, doch seine Motivation ist ungebremst. „Ich weiß, was ich kann, wenn ich eine gute Vorbereitung hab und gesund bleibe. Das ist definitiv drin“, so Ackermann. Die Etappen der Tour hat er sich noch nicht angeschaut – der Sommer ist noch weit weg. Doch der anspruchsvolle Parcours passt zu einem bergfesten Sprinter wie Ackermann. „Er gehört in die Kategorie bergfester Sprinter und kommt noch gut mit, wenn es anderen schon wehtut“, sagt sein Trainer.

Ohne Leadout

Beim Team Jayco AlUla hat man einige tempofeste Männer und auch starke Anfahrer wie Luka Mezgec. „Die Sprints haben sich verändert, seit ich Profi geworden bin. Es ist heute viel hektischer, da hat man es mit einem echten Sprintzug nicht unbedingt leichter. Schnell ist man eingebaut, wenn die Konkurrenz von hinten kommt. Um ehrlich zu sein, ich komme manchmal besser ohne Leadout zurecht. Klar, es braucht schon Unterstützung, dass man vorn abgeliefert wird, wenn es auf die letzten eineinhalb Kilometer geht. Aber ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, mir dann meinen Weg und die Hinterräder allein zu suchen. Gerade wenn es hektisch und wild wird. So hab ich auch meinen letzten Giro-Etappensieg geholt. Ich würde schon sagen, oft geht es ohne Leadout besser“, erklärt Ackermann. 

Jedes Rennen ist anders, die Pläne werden angepasst. „Natürlich analysiert man die Rennen genau und macht dann einen Plan. Das ist bei uns im Team auch so. Es wird vielleicht noch ein paar Rennen brauchen, aber wir werden als Mannschaft auch für die Sprints noch besser zusammenfinden“, so Ackermann.

„Pascal hat ein sehr gutes Auge, kann sich zudem extrem gut im Feld bewegen, das hilft ihm natürlich. Aber Pascal war auch mit starkem Leadout bereits extrem erfolgreich, wenn wir an die Zeit bei Bora mit Schwarzi (Michael Schwarzmann) und Rudi (Rüdiger Seelig) denken“, so Schrot.

Foto links: Ciclamino-Sieger beim Giro d’Italia 2019 – Pascal Ackermann mit seinen Anfahrern Rüdiger „Rudi“ Seelig und Michael „Schwarzi“ Schwarzmann (Foto: Roth&Roth)

Für den Erfolg will man im Team Ackermann bestmöglich unterstützen, versucht die ersten Rennen der Saison zu nutzen, um sich aneinander zu gewöhnen und abzustimmen. Bei welchem Rennen man dann versucht, mit einem echten Leadout zu arbeiten, und wann man Ackermann starke Tempomaschinen wie Patrick Gamper für das Finale vor dem Sprint zur Seite stellt, die ihn dann 1-2 Kilometer vor dem Ziel in guter Position absetzen, will man individuell entscheiden. Da spielt dann sicher auch die Konkurrenz eine Rolle.

Von der Algarve-Rundfahrt geht es für Ackermann kurz nach Hause und dann nach Belgien zum ersten Klassiker – Kuurne-Brüssel-Kuurne am Sonntag. Auch die deutschen Fans können sich auf den Sprinter freuen – vor dem Giro d’Italia steht auch der Radklassiker am 1. Mai in seinem Rennprogramm.