Strade Bianche ist in nur wenigen Jahren zum prestigeträchtigen Neo-Klassiker geworden. Am 7. März 2026 steht die 20. Auflage des italienischen Schotter-Rennens an. Die wundervolle hügelige Landschaft als perfekte Kulisse, Staub, Leiden, epische Attacken, großartige TV-Bilder und harte sportliche Kämpfe – das Rennen über die „weißen Straßen“ der Toskana ist mit reichlich Radsport-Kitsch zu einem der beliebtesten Rennen von Fans und Fahrern geworden. Jonas Rutsch beispielsweise sagte kürzlich im CyclingMagazine Podcast, dass er das Rennen zwar noch nie gefahren sei, es dennoch zu seinen Lieblingsrennen gehört.
In den vergangenen Jahren wurde der Parcours immer schwerer – mehr Schotter, eine heftige Schlussrunde mit zwei knackigen Anstiegen. Nun aber schlägt die Organisation einen andere Weg ein. Das Rennen wurde für die 2026er Austragung etwas eingekürzt, zwei Schotter-Sektoren gestrichen. „Die Strecken der Strade Bianche und Strade Bianche Women Elite 2026 bewahren den charakteristischen Charakter des Rennens“, so Giusy Virelli, Projektmanagerin des Events. „Die Reduzierung der Sektorenanzahl beeinträchtigt weder die Härte noch die Attraktivität des Rennens“, wird Virelli in einer Mitteilung zitiert. Was die Streckenänderung möglicherweise für das Rennen bedeutet, haben wir an anderer Stelle thematisiert – hier.
Das Rennen der Männer ist nun 201 Kilometer lang, 2025 waren es zwölf mehr. Kein riesiger Unterschied bei der Distanz, doch dadurch, dass zwei Schotter-Sektoren aus dem Programm genommen wurden, sinkt die Anzahl der Schotter-Kilometer von rund 80 auf nun 64,1 Kilometer. Auch bei den Frauen wurden zwei Sektoren gestrichen.

(Foto: RCS)
Die Vorschau wird präsentiert von: Q36.5
Die Strecke von Strade Bianche 2026
Die Strecke folgt grundsätzlich dem Muster der vergangenen Jahre – es geht von Siena nach Süden und dann etwas weiter östlich wieder zurück. Vor allem der zweite Teil hat es in sich, der schwerste Sektor ist weiterhin der „Monte Sante Marie“ mit mehr als 11 Kilometern Länge. Dieser steht etwas mehr als 80 Kilometer vor dem Ende an und ist meist eine Schlüsselstelle.
Etwas mehr als 50 Kilometer vor dem Ende geht es dann auf die 2024 eingeführte Schlussrunde. Erst über Colle Pinzuto und dann den bis zu 15% steilen Le Tolfe hinauf. Diese beiden Anstiege werden etwas später nochmals erklommen.
Auf der Schleife geht es nach Le Tolfe nach Norden, über den Strada del Castagno. Anschließend wieder südwärts über Montechiaro zurück zum Colle Pinzuto.
Die letzten Kilometer zum Ziel haben es in sich. Zunächst wie angesprochen über Colle Pinzuto zum Le Tolfe. Etwas mehr als neun Kilometer vor dem Ende geht’s dann links weg und zum Finale nach Siena. Es geht weiter etwas auf und ab, allerdings auf Asphalt.
Auf den letzten Kilometern geht es dann nochmals steil hinauf. Etwa 900 m vor dem Ende, kurz nach dem Tor von Fontebranda, beginnt das Steinpflaster, wenig später wird es giftig steil! Auf der Via Santa Caterina sind es satte 16 %!
Oben angekommen dann eine scharfe Rechtskurve in die Via delle Terme und dann in die Via Banchi di Sotto. Erst rund 150 m vor dem Ende rechts in die Via Rinaldini – wer siegen will, sollte hier vorn sein. Dann hinab zum Ziel auf der Piazza del Campo.
Die Schotter-Sektoren von Strade Bianche 2026
1| „Vidritta“: * 2.4 km
2| Bagnaia: *** 3.5 km
3| Radi: ** 4.4 km
3bis| Cantiere T. Stile: * 0.4 km
4| Lucignano d’Asso: **** 11.9 km
5| Pieve a Salti: **** 8.0 km
6| S.Martino in Grania: ***** 9.4 km
7| Monte Sante Marie: ***** 11.5 km
8| Monteaperti: ** 0.6 km
9| Colle Pinzuto: **** 2.4 km
10 | Le Tolfe: **** 1.1 km
11| Strada del Castagno: ** 0.7 km
12| Montechiaro: ** 3.3 km
13| Colle Pinzuto: **** 2.4 km
14| Le Tolfe: **** 1.1
Podcast: Omloop Nieuwsblad Erkenntnisse & Strade Bianche Vorfreude
Die Favoriten
Drei der vergangenen vier Austragungen hat Tadej Pogacar gewonnen – er ist auch in diesem Jahr der Top-Favorit auf den Sieg. Im Jahr 2023 war Pogacar nicht am Start, da holte sich Tom Pidcock den Titel. Auch er gehört zum Favoritenkreis für die 20. Auflage. Das UAE-Team um Pogacar wird allerdings nur schwer in Bedrängnis zu bringen sein. Denn mit Vermeersch, Novak, Vermaerke, Großschartner, Del Toro und Christen hat der Titelverteidiger exzellente Teamkollegen an seiner Seite.
Mit der etwas veränderten Strecke könnte der taktische Ansatz bei UAE vielleicht etwas anders sein. In der Anfahrt zum schweren Monte Sante Marie wurde der Parcours entschärft. Die Konkurrenz ist hier vielleicht noch etwas frischer, als in den vergangenen Jahren und Pogacar kann nicht wieder so spielerisch davonziehen. Vielleicht will UAE dort nun erstmal aussortieren, anschließend mit Del Toro und Christen durchziehen, um dann die spätere Attacke von Pogacar vorzubereiten. Oder fahren sie ohne Konkurrenz weg und dann im TTT bis zum Ziel? So stark sich Del Toro und auch Christen zuletzt präsentierten, ist auch das nicht gänzlich ausgeschlossen.
Neben Pidcock ist mit Wout van Aert ein weiterer Ex-Champion am Start. Der Belgier gab vor wenigen Tagen sein Saisondebüt, fuhr bei Le Samyn sehr ordentlich, hatte dann im Finale aber Defektpech. Unter besonderer Beobachtung steht ganz sicher Paul Seixas. Der 19-Jährige vom Team Decathlon CMA CGM fährt bislang überragend! Kann das Ausnahmetalent tatsächlich bereits Pogacar herausfordern? Das wird das Rennen zeigen. Mit Romain Gregoire und Paul Lapeira sind zwei Fahrer mit reichlich Punch dabei, die allerdings bereits eher zum erweiterten Favoritenkreis zählen. Auch Pello Bilbao, Ben Healy, Valentin Madouas und Matej Mohoric zählen dazu.
***** Tadej Pogacar
**** Isaac Del Toro
*** Pidcock, Seixas
** Christen, Van Aert, Mohoric
* Jorgenson, Lapeira, Gregoire, Healy, Simmons, Bilbao, Del Gross
Die letzten Sieger:
2025 Tadej Pogacar
2024 Tadej Pogacar
2023 Thomas Pidcock
2022 Tadej Pogacar
2021 Mathieu Van der Poel
2020 Wout van Aert
2019 Julian Alaphilippe
2018 Tiesj Benoot
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Das Rennen der Frauen wurde ebenfalls etwas leichter gemacht. Bei den Frauen ist die Strecke im Vergleich zum Vorjahr zwar nur fünf Kilometer kürzer, hat aber zwei Schotter-Sektoren weniger. Demi Vollering ist nach dem starken Auftritt beim Opening Weekend sicher in der Favoritenrolle. Kasia Niewiadoma-Phinney, Kim Le Court, Puck Pieterse, Lotte Kopecky, Pauline Ferrand-Prevot, Marianne Vos, Elisa Longo Borghini sind ebenfalls am Start und gehören zu den Favoritinnen. Man darf gespannt sein, wie sich Crossweltmesiterin Lucinda Brand präsentiert.
(Foto: RCS)