Das wichtigste Rennen im Herzen des Radsports – das Monument Ronde van Vlaanderen. Das absolute Highlight des flämischen Frühjahrs. Ein Festtag in Flandern, ein nationales Heiligtum. Die Flandern-Rundfahrt ist viel mehr als ein wundervolles Radrennen. Seit Wochen fiebern die Fans diesem Tag entgegen, die Medien sind voll mit wichtigen und unwichtigen Geschichten rund um das Rennen. An diesem ersten Sonntag im April verwandeln sich die kleinen Sträßchen Flanderns zu einer beeindruckenden Sportarena. Die Ronde ist die Ronde – mit mehr als 110 Jahren Tradition und besonderem Charakter.
Das Rennen ist knüppelhart! Satte 278 Kilometer lang! 16 giftige Anstiege, sechs Kopfsteinpflaster-Abschnitte. Nur wenige Fahrer kommen überhaupt für den Sieg infrage. Die Entscheidung fällt auf den Schleifen durch die flämischen Ardennen, wo das Peloton im Zickzack ein kleines Gebiet südöstlich vom Zielort Oudenaarde unter dem Getöse tausender Fans auf schmalen Straßen durchkreuzt.
„Die Ronde ist so lang, so schwer, da sind Überraschungen kaum möglich“, sagt Jens Zemke, Sportlicher Leiter beim Team Pinarello-Q36.5. „Allein die Distanz macht es schwer, dazu die Anstiege, das Pflaster und der Positionskampf vor den Schlüsselstellen. Wenn dann am Sonntag noch Wind dazu kommt, wird es brutal“, so Zemke. Und der Wind könnte durchaus eine Rolle spielen, denn es sind stellenweise mehr als 25 km/h Windgeschwindigkeit vorhergesagt. „Vor allem nach den Anstiegen kann der Wind eine Rolle spielen, denn das macht es schwerer, Lücken zu schließen.“
„Es ist ganz wichtig, dass man an den Schlüsselstellen in Position ist. Das Rennen ist so lang und schwer, wenn man da extra Energie aufwenden muss, weil man einen Moment verpasst hat und Lücke schließen muss, rächt sich das im Finale. Dafür braucht es auch ein starkes Team“, so Zemke. „Teams wie Alpecin, Visma, UAE und Red Bull scheinen das Rennen diktieren zu können. Wenn deren Kapitäne in die Offensive gehen wird es schwer dran zu bleiben, geschweige denn eine Lücke zu schließen.“
Im Vergleich zum vergangenen Jahr unterscheidet sich die Strecke schon allein durch den Start in Antwerpen. Was den Schwierigkeitsgrad und das Finale anbetrifft, sind die Veränderungen marginal. 6 Kopfsteinpflasterabschnitte und 12 Hellinge hat der Parcours. Der Oude Kwaremont wird wieder drei Mal erklommen, Hotond und Paterberg zwei Mal. Das Finale sind erneut mehrere Schleifen durch die flämischen Ardennen. In den letzten zwei Schleifen geht es dann jeweils über Oude Kwaremont und Paterberg. Das sind dann auch die letzten beiden Anstiege.
Los gehts in Antwerpen, dann geht es gen Süden. Die ersten Kilometer sind wenig anspruchsvoll, aber es kann dennoch heftig losgehen. Denn einige Teams haben ein Interesse daran, Fahrer in einer Fluchtgruppe zu platzieren. Andere Teams wollen aber diese Gruppe nicht eher klein halten und setzen nach, wenn ihnen die Konstellation nicht passt. So kann es dazu kommen, dass munter attackiert, aber auch entsprechend intensiv nachgesetzt wird. Bei einem dadurch bedingt schnellen Rennstart kann es einige Kilometer dauern, ehe die Gruppe des Tages steht.
Nach 109,6 Kilometern ist mit der Lippenhovestraat das erste Pflasterstück erreicht. Rund 10 Kilometer später geht es durch den Zielort Oudenaarde. Danach dann in die Flämischen Ardennen mit den unzähligen Anstiegen – „Hellingen“.
Schleifen:
In der großen Schleife zu Beginn (rot im Bild links) mit dem Auf & Ab geht es nach dem Oude Kwaremont diesmal nicht über den Kapelleberg, sondern über den Eikenberg und den Pflaster-Abschnitt Holleweg zum Wolvenberg und anschließend über Kerkgate und Jagerij zum Molenberg – oft eine wichtige Schlüsselstelle rund 100 Kilometer vor dem Ende.
Schon in der Anfahrt zum schmalen Molenberg wird hart um die Positionen gekämpft, das Feld zerfällt bergan meist in Stücke. Wer früh die Konkurrenz unter Druck setzten will, kann hier in die Offensive gehen.
Anschließend geht es dann über Marlboroughstraat zum Berendries und weiter über Valkenberg, Berg Ten Houte und Hotond zurück zum Oude Kwaremont.
Diesen geht es dann etwa 55 Kilometer vor dem Ziel wieder hinauf und die zweite Schleife (oben grüne markiert) beginnt.
Auf dieser Schleife wird es dann direkt heftig! Nach dem Kwaremont geht es direkt über den supersteilen Paterberg zum gefürchteten Koppenberg.
Anschließend über Mariaborrestraat geht es zum Taaienberg – auch einer der gefürchteten Anstiege. Anschließend geht es dann über den Oude Kruisberg hinauf zum Hotond. Oft war dies in der Vergangenheit eine Stelle, wo man sehr gut sehen konnte, wie die Kräfteverhältnisse der verbliebenen Favoriten sind.
Hinab geht es zum Fuße des Kwaremont wo die letzte kleine Schleife über Oude Kwaremont und Paterberg das Berg-Finale des Rennens bildet. Rund 13 Kilometer sind es nach dem Paterberg bis ins Ziel nach Oudenaarde.
Der Top-Favorit ist Tadej Pogacar. Der Titelverteidiger ist in herausragender Form, das Rennen liegt ihm sehr, sein Team ist bockstark – die besten Voraussetzungen für den dritten Sieg bei der Ronde. Seine Physis macht ihn zum großen Favoriten. Enorme Ausdauer, Explosivität und die Fähigkeit, immer wieder zu beschleunigen, machen ihn für die Ronde zur Nummer 1.
Herausforderer Nummer eins ist Mathieu Van der Poel. Bereits drei Mal hat der Niederländer die Ronde gewonnen, in absoluter Top-Form kann er Pogacar herausfordern. Ob er in diesem Jahr auf Augenhöhe des Weltmeisters ist, ist jedoch fraglich. Hat Pogacar keinen guten Tag, aber Van der Poel eine herausragende Tagesform, ist alles drin. Seine Endschnelligkeit bringt ihn in einem Sprintduell in die Favoritenrollen – doch er muss Pogacar an den Anstiegen folgen, darf sich nicht abhängen lassen. Eine knifflige Aufgabe!
Wout van Aert scheint rechtzeitig zu den grioßen Pflaster-Monumenten in Top-Form zu kommen. Doch im direkten Kampf gegen Van der Poel und Pogacar ist er wohl nicht auf Augenhöhe. Doch bei einem Rennen wie der Ronde kann viel passieren, auch den beiden Überfliegern. Van Aert wird versuchen, sein Team zu nutzen, vielleicht in der Anfahrt zum Ten Houte bei Seitenwind versuchen, das Feld zu sprengen und so die beiden Überflieger in die Defensive zu bringen. Ob das klappen kann, wird das Rennen zeigen.
Remco Evenepoel gibt sein Ronde-Debüt und man darf gespannt sein, wie er sich schlägt. Physisch ist er extrem stark, doch der Positionskampf bei solch Rennen ist eine Komponente, bei der er wenig Erfahrung sammeln konnte. Er hat ein starkes Team an seiner Seite, mit Fahrern die Positionskampf exzellent können – auch mal über Grenzen gehen. Wie sehr ihm das hilft, bleibt abzuwarten. Er muss möglichst frisch ins Finale kommen, dann kann er vielleicht den Angriffen der Konkurrenz folgen.
Mads Pedersen ist leider nach seiner Handgelenksverletzung zu Saisonbeginn und der Erkältung vor wenigen Wochen nicht Top-Shape. Für ihn wird es schwer, den Überfliegern zu folgen, wenn es an den Hellingen zur Sache geht. Einen frühen Angriff wagen, vielleicht vor den Top-Favoriten angreifen und so vor das Rennen kommen, wäre eine gute Strategie. Doch so wie die Rennen aktuell gefahren werden, ist das eine sehr schwierige Angelegenheit.
Jasper Stuyven ist der Kapitän beim Soudal-QickStep-Team. Er gehört zum erweitern Favoritenkreis, ist aber sowohl an den Anstiegen, als auch im Sprint nicht so schnell wie die Top-Favoriten. Doch man sollte ihn nicht unterschätzen, auch wegen seines starken Teams.
Alec Segaert ist eine Tempomaschine! Den Top-Fahrern kann er nicht folgen, wenn die im Finale an den Hellingen die Angriffe setzen – also wird er versuchen, frühzeitig anzugreifen? Möglich! Vielleicht findet er in Pedersen, Matteo Trentin, Jonas Abrahamsen oder auch Valentin Madous Verbündete.
Jenno Berckmoes fährt bislang ein herausragendes Frühjahr. Er ist nicht unbedingt ein Podiumskandidat, aber er könnte eine der positiven Überraschungen sein! Top10 ist bei einem guten und fehlerfreien Rennen drin!
***** Tadej Pogacar **** Mathieu van der Poel *** Van Aert, Vermeersch ** Pedersen, Stuyven, Evenepoel, Laporte, Abrahamsen * Segaert, Trentin, Mozzato, Turgis, Gergoire, Girmay, Bettiol, Berckmoes
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