
Diese fünfte Etappe von Praia a Mare nach Potenza ist anspruchsvoll. 203 Kilometer lang, mit satten 3800 Höhenmetern. Das Rosa Trikot wechselte am Dienstag die Schultern – nun trägt es Giulio Ciccone. Ob sein Lidl-Trek-Team es am Mittwoch mit aller Macht verteidigen möchte, bleibt abzuwarten. Das Terrain ist sehr anspruchsvoll und man müsste einige Helfer einsetzen, um die zu erwartende Ausreißergruppe in Schach zu halten – sollte sich dort ein gefährlicher Fahrer für Rosa befinden. Mit Blick auf den Donnerstag, wo Lidl-Trek sicher gern mit Jonathan Milan im Massensprint endlich den ersten Sieg einfahren möchte, sind die Helfer sicher ebenfalls gefragt. Ist in der Gruppe des Tages aber kein gefährlicher Fahrer für Rosa, hätte man sicher nichts dagegen. Ob man einer starken Gruppe aber >150 Kilometer nachjagen möchte, bleibt fraglich. Zumal am Freitag bereits die schwere Bergankunft in Blockhaus ansteht – da wäre das Trikot dann mit allergrößter Wahrscheinlichkeit ohnehin weg.
Es ist zu erwarten, dass sich einige Fahrer diese fünfte Etappe dick angestrichen haben. Denn es scheint eine exzellente Chance für Ausreißer zu sein. Der Blick auf die Gesamtwertung zeigt, dass noch rund 50 Fahrer innerhalb von 4 Minuten liegen – ein Abstand, der auf solchen Etappen schnell entstehen kann, wenn im Feld nicht konsequent nachgesetzt wird. Dass Visma | Lease a Bike Kräfte investiert, um das Feld zusammenzuhalten, ist eher nicht zu erwarten. Sie könnten am langen Anstieg vielleicht für Tempo sorgen, um der Konkurrenz auf den Zahn zu fühlen, aber das Rennen ab Start kontrollieren wäre überraschend.
Dass Movistar eine ähnliche Aktion startet, wie am Dienstag, wäre denkbar – aber bis zum Anstieg sind es 150 Rennkilometer! Bis dahin müsste man die Lücke überschaubar halten – das wäre ein immenser Aufwand. Dann lieber einen Fahrer mit in die Gruppe schicken?
Diese Gedanken machen sich natürlich alle Mannschaften und einige werden darauf spekulieren, dass die Ausreißergruppe gute Chancen hat, durchzukommen. Je mehr Teams die Chance sehen, desto mehr wollen in der Gruppe sein, desto größer der Kampf zu Beginn um die Gruppe. Dauert es wiederum sehr lange, ehe eine Gruppe geht, ist der Weg zum Berg überschaubar kurz – das bringt dann die Teams im Feld auf den Gedanken, dass der Kraftaufwand für die Kontrolle nicht mehr ganz so immens ist. Steigen dann Lidl und Movistar gemeinsam in die Tempoarbeit ein, könnte die Gruppe doch wieder gestellt werden.
Gedankenspiele, die viele Szenarien zulassen. Sicher ist wohl, dass viele Teams in die Gruppe wollen. Die Zusammensetzung der Gruppe dürfte dann das Verhalten im Feld und an der Spitze bestimmen. Oft sehen Fahrer aus der zweiten Reihe eine solche Etappe als große Chance an, Zeit in der Gesamtwertung gutzumachen, oder gar das Rosa Trikot zu holen. Das UAE-Team hat keinen Klassementfahrer mehr, aber durchaus Chancen auf Rosa mit Jan Christen. Man darf gespannt sein, welche Taktik das stark dezimierte Team anstrebt.
Für die Top-Klassementfahrer geht es darum, die Konkurrenz nicht ziehen zu lassen und dennoch kräfteschonend durchzukommen. Egan Bernal offenbarte am Dienstag Schwächen – gut möglich, dass man am langen und schweren Anstieg mal testet, ob er sich erholt hat.
Die Vorschau wird präsentiert von:
Tubolito SYNCD der smarte Schlauch – Reifendruck-Anzeige in Echtzeit
Die Strecke der 5. Etappe des Giro 2026

Es geht weiter gen Norden. Von Praia a Mare nach Potenza – die bislang schwerste Etappe des Giro! Nur wenige Kilometer nach dem Start beginnt die erste Steigung – eine gute Gelegenheit für Ausreißer, sich aus dem Staub zu machen. Es geht nach der ersten Bergwertung zunächst wellig weiter, dann folgt ein langes Flachstück. Das Schlussdrittel der Etappe hat es dann in sich!

Der Montagna Grande di Viggiano ist ein langer und steiler Anstieg! Mehr als 9% im Schnitt! Vom Gipfel sind es noch rund 50 Kilometer bis ins Ziel. Hier kann durchaus eine Vorentscheidung fallen. Nach der Bergwertung geht es zunächst wellig weiter, erst 25 Kilometer vor dem Ende beginnt die Abfahrt in Richtung Ziel.
Im Zielort angekommen geht es auf eine kleine Schleife. Eine kurze Steigung beginnt etwa sechseinhalb Kilometer vor dem Ende. Zunächst steil, dann geht es nur noch moderat hinauf – in Summe aber nochmals etwas mehr als einen Kilometer mit mehr als 5% im Schnitt. Ab der 5-Kilometer-Marke geht es dann bergab.
Die letzten eineinhalb Kilometer zur Linie sind leicht ansteigend, die Straße ist nicht schnurgerade, hat aber auf dem letzten Kilometer keine Kurven mehr. Auch eine größere Gruppe sollte keine Schwierigkeiten haben.

Bergwertungen:
km 27 – Prestieri – m 843 (3ª cat.)
km 154 – Montagna Grande di Viggiano – m 1405 (2ª cat.)
Sprintwertungen:
Red Bull km km 174.2
Intermediate Sprints km 68.4 – Francavilla in Sinni
Die Favoriten
Wie eingangs ausgeführt, sind auf diesem Parcours einige Szenarien möglich. Geht man davon aus, dass eine starke Ausreißergruppe den Tagessieg unter sich ausmacht, ist die Liste der Kandidaten durchaus lang. Eine gewisse Bergfestigkeit muss man mitbringen, um den schweren Anstieg zu überstehen. Doch es gibt einige Fahrer im Feld, die nicht um den Gesamtsieg fahren, aber exzellente Kletterqualitäten haben. Christian Scaroni, Andreas Leknessund, Magnus Sheffield, Nick Schultz … das Movistar-Team könnte die Karte Juan Pedro López oder Javier Romo spielen. Astana vielleicht auch Harold Martín López in die Gruppe schicken, um etwas Zeit in der Gesamtwertung gutzumachen. Koen Bouwman gewann in Potenza im Jahr 2022.
Oder wird das Tempo im Feld so hochgehalten, dass am Ende wieder eine GC-Gruppe um den Sieg sprintet? Dann wären Ciccone und Narvaez vielleicht wieder mit dabei. Durchaus denkbar. Oder kontrolliert gar UAE das Rennen und Christen holt Rosa? Auch das ist denkbar.
***** –
**** Scaroni, Leknessund
*** Narvaez, Christen, Pinarello
** Romo, Ciccone, Ulissi, Cepeda
* Sheffield, Harper, Van Eetvelt, Arrieta, Valgren, Pellizzari, David de la Cruz
Start: 12:15 Uhr
Ziel: ~17:15 Uhr


