Profil 8. Etappe Giro 2026 (© RCS)

Nach der ersten Bergankunft dieses Giro geht es mit einem recht kurzen, aber kniffligen Teilstück weiter. Die 8. Etappe des Giro d’Italia ist 156 Kilometer lang, und auf dem Weg von Chieti nach Fermohat sind etwas weniger als 1900 Höhenmeter zu bewältigen. Aber mehr als 1300 Hm auf den letzten 60 Kilometern. Der erste Teil der Etappe ist nur leicht wellig, das Finale happig!

Kletterstarke Ausreißer können sich durchaus Hoffnungen machen, durchzukommen. Denn wenn die Klassementfahrer auf sich schauen und den Ausreißern im ersten Teil einen größeren Vorsprung gönnen, könnte das bis ins Ziel reichen.

Die Klassementfahrer werden sich das Finale gut angeschaut haben und vielleicht mit gemischten Gefühlen ins Rennen gehen. Denn nur einen Tag nach der schweren Bergankunft geht es heftig zur Sache. Die Steigung zum Ziel hat im unteren Teil einen Abschnitt mit mehr als 15% über fast einen Kilometer. Es werden vielleicht keine ganz großen Abstände entstehen, aber Lücken können durchaus aufgehen. Wer nach dem schweren Tag vom Freitag schwere Beine hat, kann hier aber schon richtig Rückstand kassieren. Das Finale hat ganz andere Anforderungen an die Fahrer, als die lange Bergankunft in Blockaus. An den kurzen „Mauern“ geht es um Explosivität, kurze intensive Belastungen. Das liegt einigen Fahrern mehr, als anderen. Vielleicht probiert es hier einer der Klassementfahrer mit einem Angriff.

Auch das Wetter kann eine Rolle spielen, es soll windig sein und Schauer sind möglich, glücklicherweise aber eher am Vormittag. Der Wind kommt zunächst von vorn, im Finale dann aber auf dem Weg zur letzten Steigung von der Seite.

Möglicherweise gibt es zwei Rennen in einem zu sehen – an der Spitze aus der Fluchtgruppe des Tages den Kampf um den Etappensieg, im Feld zwischen den Klassenmentfahrern den Kampf um die Sekunden für das Rosa Trikot. Eine der Schlüsselstellen, vor allem für das Feld, wird die Passage am Bonussprint rund 25 Kilometer vor dem Ende sein. Man nähert sich dem Zielort von Süden. Es geht zunächst bergauf, dann kurz bergab und dann zum Red-Bull-Sprint einen kurzen Stich hinauf, eine ganz schmale Gasse. Danach dann in eine lang gezogene Abfahrt – aber mit Wind von der Seite! Eine gefährliche Stelle! So werden vor der Einfahrt in die kurze Steigung zum Bonussprint alle Teams ihre Kapitäne vornhalten wollen – das könnte harte Kämpfe um die Positionen geben! Gehen dort Lücken auf, sind sie im Seitenwind vielleicht nur schwer zu schließen.


Die Vorschau wird präsentiert von:
Tubolito SYNCD der smarte Schlauch – Reifendruck-Anzeige in Echtzeit

Die Strecke der 8. Etappe des Giro 2026

Nach dem Start geht es zur Küste und dann daran entlang nach Norden. Nach dem Zwischensprint biegt man ins Landesinnere ab, und das anspruchsvolle Finale beginnt. Es geht über die kurzen „Mauern“ – steile Rampen.

Zunächst über Montefi ore dell’Aso, dann Monterubbiano. Beim Bonussprint ist man dem Ziel sehr nahe – Luftlinie nur rund 500m, aber dann geht es noch auf eine Schleife und dort ist dann als letzte Steigung vor dem Schlussanstieg die Muro di Capodarco mit stellenweise 18% zu bewältigen.

Nach der Muro di Capodarco geht es rund drei Kilometer bergab und dann direkt in die Steigung zum Ziel.

Finale der 8. Etappe des Giro 2026

Bergwertungen:
km 107.3 – Montefi ore dell’Aso – m 367 (3ª cat.)
km 119.2 – Monterubbiano – m 379 (4ª cat.)
km 149 – Capodarco – m 225 (4ª cat.)
km 156 – FERMO – m 318 (4ª cat. Bergankunft)

Sprintwertungen:
Red Bull km km 132.0
Intermediate Sprint km 96.3 – Cupra Marittima

Die Favoriten

Dieses Finale ist wie gemacht für die Spezialisten für hügelige Klassiker. Jan Christen, Lennert van Eetvelt, Giulio Ciccone, Michele Scaroni – das alles sind Fahrer, die auf diesem Terrain ihre Stärken haben. Doch das ist kein Eintagesrennen, sondern es spielen weitere taktische Elemente eine Rolle. Durch den flachen Start haben Ausreißer gute Chancen, einen größeren Vorsprung herauszufahren. Jonas Vingegaard hätte sicher kein großes Problem damit, würde er Van Eeetvelt oder Scaroni fünf Minuten Vorsprung geben. Doch der Mann in Rosa und sein Bahrain-Victorious-Team wollen das Leadertrikot unbedingt verteidigen. Van Eeetvelt liegt aktuell sieben Minuten zurück, Scaroni und Ciccone nur rund fünf Minuten. Diese drei Herren würde Afonso Eulálio ungern ziehen lassen und riskieren, Rosa zu verlieren.

Hält man allerdings die Gruppe des Tages an der kurzen Leine, würden im Finale sicher andere Mannschaften – beispielweise auch Red Bull-Bora-hansgrohe – die Chance auf den Tagessieg riechen und die Lücke zufahren, um dann aus dem Feld zuschlagen zu können. Ist es allerdings so, dass in der Ausreißergruppe kein gefährlicher Mann für Rosa sitzt, würde Bahrain Victorious die Gruppe sehr gern ziehen lassen und sich nur auf das Finale und das Verteidigen des Rosa Trikots konzentrieren. Bedeutet also, würde dann jemand um den Tagessieg fahren wollen, müsste er sein Team einspannen, die Gruppe des Tages zu kontrollieren.

Ausreichend Fahrer mit Siegchancen auf diesem Terrain und großem Rückstand in der Gesamtwertung gibt es reichlich!
Michael Valgren, Jhonatan Narvaez, Gianmarco Garofoli, …

Fest einplanen für die Gruppe des Tages darf man wohl Guillermo Thomas Silva – er liegt in der Bergwertung aktuell nur einen Zähler hinter Jonas Vingegaard und würde das Blaue Trikot gern zurückhaben. Doch nach so vielen Ausreißversuchen sind die Beine sicher inzwischen reichlich müde. Es wird für ihn nicht leicht, in die Gruppe des Tages zu kommen, wenn man davon ausgeht, dass die Chancen für Ausreißer auf den Tagessieg recht hoch sind. Denn je mehr Fahrer und Teams in die Gruppe des Tages wollen, desto größer ist der Kampf zu Beginn des Rennens um die Gruppe.

***** –
**** Ciccone, Christen
*** Narvaez, Van Eetvelt, Valgren
** Pellizzari, Vingegaard, Scaroni
* Hindley, Sheffield, Ulissi, Garofoli, Pinarello, Lopez, Rimi

Start: 13:15 Uhr
Ziel: ~17 Uhr


Auch lesen:

Nachbesprechung: Die Erkenntnisse der 7. Etappe

Die Strecke des Giro d’Italia 2026 – alle 21 Etappen mit Profil und Karte