Profil 9. Etappe Giro 2026 (© RCS)

Vor dem zweiten Ruhetag geht es abermals zur Sache. Die 9. Etappe des Giro d’Italia führt von Cervia nach Corno alle Scale. 184 Kilometer, die letzten 10,8 davon bergauf zum Tagesziel. Der erste Teil der Etappe ist flach, nur das Finale hat es in sich. Das Terrain bietet Ausreißern gute Chancen. Denn die Fahrer im Kampf um Rosa werden sich auf die direkte Konkurrenz konzentrieren, Ausreißer mit reichlich Rückstand in der Gesamtwertung kann man ziehen lassen. Doch je mehr Fahrer eine Chance sehen und in die Gruppe wollen, desto größer der Kampf zu Beginn der Etappe.

Das Finale ist nur etwas für echte Bergfahrer, aber gerade die haben es auf den flachen ersten Kilometern schwerer, in die Gruppe des Tages zu kommen. So wird man wohl einige Mannschaften sehen, die Helfer abstellen, um den Bergfahrer in die Gruppe zu bugsieren. Auf diesem Teilstück ist es eh besser, man hat mehrere Fahrer vorn dabei, sodass sich der Bergfahrer bis zum Finale etwas zurückhalten kann.

Zwei Rennen in einem sind zu erwarten – vorn eines um den Tagessieg, das andere in der Gruppe der Favoriten um die Gesamtwertung. Aber Etappen wie diese werden gern von „Klassementfahrern der zweiten Reihe“ genutzt, um wieder etwas Zeit gutzumachen. Also Fahrer, die bereits mehrere Minuten hinter Jonas Vingegaard liegen, könnten über eine Gruppe hier vielleicht wieder ein paar Minuten zurückholen. Allerdings nur dann, wenn er von Vingegaard & Co. als ungefährlich für den Ausgang des Giros angesehen wird – sonst wird nachgesetzt und die Gruppe zurückgeholt.

Für die Klassementfahrer eine wichtige Etappe, am Ende einer langen ersten Giro-Woche. Die Fahrer spüren die Anstrengungen der ersten acht Etappen und es macht sich eine gewisse Müdigkeit breit. Das Finale der Etappe ist extrem hart, schnell können hier Lücken aufgehen und auch zwischen den Klassementfahrern richtig Abstände entstehen. Das Ergebnis dieser Etappe wird sich nicht nur in der Ergebnisliste auswirken, sondern auch die mentale Stimmung der Fahrer am Ruhetag bestimmen. Ein gutes Resultat zum Abschluss der ersten Woche kann auch beim Zeitfahren am Dienstag Flügel verleihen.


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Die Strecke der 9. Etappe des Giro 2026

Von Cervina geht es zunächst flach nordwestwärts gen Bologna. Nach 90 Kilometern dann gen Südwesten. Zunächst weiter flach. Abgesehen von einer kleinen Welle etwa zu Rennmitte geht es erst nach rund 150 Rennkilometern bergauf. Zur ersten Bergwertung nach Querciola geht es lange, aber moderat bergauf. Deshalb ist der Anstieg als Berg der dritten Kategorie eingestuft.

Es folgt eine kurze Abfahrt, dann der Red-Bull-Km und anschließend geht es 10,8 Kilometer bergauf zum Ziel.

Die Schlusssteigung ist im unteren Teil noch moderat steil – die ersten sechs Kilometer haben nur knapp 4% im Schnitt. Doch dann wird es happig!

Zwei Kilometer mit mehr als 7% im Schnitt, dann die letzten knapp drei Kilometer mit durchschnittlich rund 10%!

Finale der 9. Etappe des Giro 2026

Bergwertungen:
km 167.4 – Querciola – m 823 (3ª cat.)
km 184 – CORNO ALLE SCALE – m 1471 (1ª cat. Bergankunft)

Sprintwertungen:
Red Bull km km 172.6
Intermediate Sprint km 125.2 – Marzabotto

Die Favoriten

Die Chancen für kletterstarke Ausreißer sind groß. Sie brauchen zwar vor der Schlussteigung einen üppigen Vorsprung, aber auf dem flachen Terrain zu Beginn ließe sich sicher eine ordentliche Lücke herausfahren, wenn kein gefährlicher Mann für das Rosa Trikot dabei ist. Fahrer mit Kletterqualitäten und reichlich Rückstand in der Gesamtwertung gibt es einige! Cepeda, De la Cruz, Rubio, Vlasov, Silva, Sheffield, Donovan, Tarozzi, Mas, Lopez … auch Giulio Ciccone hat nun bereits fast 10 Minuten Rückstand auf Rosa und wäre ein heißer Kandidat für die Etappe. Für die guten Kletterer geht es natürlich zunächst darum, in der Gruppe des Tages dabei zu sein – da wird bei einigen die Hilfe der Teamkollegen wertvoll sein.

Ganz ausgeschlossen, dass es am Ende doch aus der Gruppe der Favoriten um den Tagessieg geht, ist es natürlich nicht. Ist ein halbwegs gefährlicher Mann für Rosa in der Gruppe dabei, wird Bahrain Victorious das Tempo hochhalten und die Lücke klein lassen. Dann könnten im Finale Mannschaften wie Visma oder Red Bull auf die Idee kommen, einzusteigen und auf Tagessieg zu fahren. Auch wenn es lange dauert, ehe die Gruppe steht, ließe sich der Abstand kontrollieren. Oder möchte Jonas Vingegaard gern vor dem Zeitfahren noch etwas klarstellen?

Die letzte Steigung ist sehr happig, die letzten drei Kilometer sind brutal – hier wird wohl die Entscheidung fallen. Der moderate Gegenwind in der Schlusssteigung wird so gut wie keine Rolle spielen, denn es geht über bewaldetes Terrain. Aus der Fluchtgruppe werden die Rouleure vielleicht eher angreifen, die besten Kletterer auf den letzten Kilometern die Entscheidung suchen. In der GC-Gruppe geht es vermutlich erst auf den letzten Kilometern im steilsten Abschnitt so richtig zur Sache.

***** –
**** Ciccone, Vingegaard
*** Van Eetvelt, Sheffield
** Pellizzari, Rubio, Zana, Garofilo, Vlasov, Romo
* O’Connor, Pinarello, Hindly, Tarozzi, Donovan, Mas, Leknessund

Start: 12:35 Uhr
Ziel: ~17:15 Uhr