
Elisa Longo Borghini (Lidl-Trek) hat eine hochspannende Schlussetappe des Giro d’Italia Women gewonnen. Im Sprint einer vierköpfigen Spitzengruppe behielt sie die Oberhand vor Niamh Fisher-Black (Lidl-Trek), Antonia Niedermaier (Canyon/SRAM) und Demi Vollering (FDJ United Suez). Anna van der Breggen (SD Worx Protime) kam mit einem Rückstand von 2:23 Min. als Sechste ins Ziel und büßte damit am Schlusstag noch die Führung in der Gesamtwertung ein.
So durfte sich Demi Vollering über das Rosa Trikot freuen: Hinter ihr landete Antonia Niedermaier auf dem zweiten Platz, Anna van der Breggen rutschte auf den dritten Rang.
Die 9. Etappe: 145 km mit Start und Ziel in Saluzzo – drei Bergwertungen boten Möglichkeiten für Angriffe
Was sonst so passierte:
Beim Anstieg zum Montoso (1. Kat.) konnte sich die Gruppe der Favoritinnen vom Feld absetzen. Die Bergwertung gewann Vollering vor Niedermaier. Als Elisa Longo Borghini 82 km vor dem Ziel attackierte, gingen Antonia Niedermaier und Niamh Fisher-Black mit, während sich van der Breggen und Vollering anguckten. Der Vorsprung des Trios wuchs auf dem Weg zur nächsten Bergwertung, die Niedermaier gewann – mittlerweile fuhr sie virtuell in Rosa, da die Gruppe um van der Breggen und Vollering 2 Minuten zurücklag. Allerdings war der Weg ins Ziel noch lang. Demi Vollering hatte noch ihre Teamkollegin Lauren Dickson an ihrer Seite, van der Breggen war isoliert. Zudem fuhr noch Femke de Vries in der Verfolgerinnengruppe. Mit etwas Abstand dahinter lag noch eine kleine Gruppe um Marlen Reusser und Isabella Holmgren.
Der Vorsprung des Trios an der Spitze, der zu Beginn des dritten kategorisierten Anstiegs noch 1:45 Min. betrug, sank nun stetig. Dickson konnte das Tempo bei den Verfolgerinnen nicht mehr mitgehen. Vollering attackierte auf den letzten anderthalb Kilometern hoch zum Colletta di Brondello und konnte van der Breggen distanzieren. 28 km vor dem Ziel schloss Vollering auch noch zum Führungs-Trio auf – nun hatte die Niederläderin beste Aussichten auf den Gesamtsieg.
Das Quartett blieb bis zum Ziel zusammen, Anna van der Breggens Rückstand wuchs auf 2 Minuten – die Entscheidung um den Gesamtsieg war gefallen. Der Tagessieg ging an die nimmermüde Vorjahressiegerin Elisa Longo Borghini.
Erkenntnisse des Tages:
– Demi Vollering hat sich am letzten Tag doch noch den Gesamtsieg gesichert – quasi mit der letzten Attacke am letzten Anstieg der Rundfahrt. Sie ließ sich durch Antonia Niedermaiers vorherige Attacke nicht aus der Ruhe bringen und wartete auf den letzten Augenblick, um Anna van der Breggen zu attackieren und später auch noch zu den Führenden aufzuschließen. Eine wichtige Rolle spielte heute einmal mehr Teamkollegin Lauren Dickson. Eine beeindruckende Leistung bei ihrer Giro-Premiere, die mit dem Gesamtsieg belohnt wird.
– Für das Rosa Trikot war diese Schlussetappe alles andere als ein Schaulaufen. Antonia Niedermaier setzte Anna van der Breggen früh unter Druck, Demi Vollering wartete mit ihrer Attacke auf den finalen Anstieg – dabei war die SD-Worx-Protime-Fahrerin schon früh isoliert.
Den Giro am letzten Tag zu verlieren, ist sicher eine Enttäuschung – auf die gezeigte Leistung kann Anna van der Breggen, die zudem durch einen Sturz gehandicapt war, dennoch stolz sein.
– Erneut ein toller Auftritt einer heute angriffslustigen Antonia Niedermaier! Zusammen mit Elisa Longo Borghini und Niamh Fisher-Black bildete sie ein starkes Trio und setzte früh im Rennen die GC-Konkurrenz unter Druck. Einige Zeit fuhr sie virtuell sogar im Rosa Trikot, doch nachdem Demi Vollering die Lücke schließen konnte, hatte sie keine Chancen mehr auf den Gesamtsieg. Der Podiumsplatz ist verdienter Lohn einer starken Italien-Rundfahrt, aus der sie viel Selbstbewusstsein und wertvolle Erkenntnisse ziehen kann.
– Ein Lob an die Streckenplaner: Den neu konzipierten Giro d’Italia mit so einer anspruchsvollen Schlussetappe enden zu lassen, sorgte für einen extrem spannenden Finaltag. Meraviglioso! Continua così!
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