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Der Traum-Sprint

Für den hochveranlagten Sprinter Arnaud De Lie (Lotto-Intermarché) ist diese Saison bislang enttäuschend verlaufen. Krankheiten und Verletzungen warfen ihn regelmäßig zurück, bei zwei Klassikern stieg er vorzeitig vom Rad. In gewisser Weise ist es bezeichnend, dass sein einziger Tagessieg in diesem Jahr dazu führte, dass er den Giro d’Italia nach der 4. Etappe verlassen musste: Bei seinem Sieg der Famenne Ardenne Classic soll Kontakt mit Kuhmist auf der Straße für mehrere Magen-Darm-Fälle im Team gesorgt haben.

Die sprinterfreundliche Tour de Wallonie bot dem 24-jährigen Belgier die nächste Möglichkeit, um auf vertrautem Terrain Selbstvertrauen zu tanken. Doch das Pech blieb ihm treu: mal bremste ihn ein Defekt aus, mal ein Massensturz. Beim Bergaufsprint in Eupen am Ende der 4. Etappe sollte dann doch noch seine Stunde schlagen – und zwar spektakuläre Weise. De Lie flog die Schlusssteigung hoch, wie ein Expresszug rauschte er vorbei am zweitplatzierten Laurence Pithie (Intercity) und am führenden Riley Sheehan (Regionalexpress), den er kurz vor dem Ziel noch überholte. Unmittelbar danach sank De Lie vom Rad und blieb völlig ausgelaugt mehrere Minuten auf der Straße liegen. Ohne Hilfe aufstehen? Undenkbar. „Das war die größte Anstrengung meiner Karriere“, zitierte ihn später die Tageszeitung „Le Soir“. Das Team lieferte Zahlen: Für die 54 Sekunden des Sprints kam er im Durchschnitt auf unglaubliche 967 Watt. Das Video von seinem Sprint aus der Vogelperspektive sichert der Stadt Eupen aus der deutschsprachigen Gemeinschaft einen kleinen Platz in der belgischen Radsportgeschichte.

Auch wenn es am Schlusstag fĂĽr den ganz groĂźen Wurf nicht reichte – De Lie wurde Etappendritter und damit auch Dritter in der Gesamtwertung – blickt der Belgier hochzufrieden auf die Tour de Wallonie: „Ich wollte hier vor allem wieder ein gutes GefĂĽhl auf dem Rad zurĂĽckgewinnen. Siege wären ein Bonus gewesen. Am Ende konnte ich die vierte Etappe gewinnen, sodass mir das Rennen viel Selbstvertrauen gab, sowohl was die Beine als auch den Kopf angeht.“  

Die Erkenntnisse werden präsentiert von: CyclusTools

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