Wann steigt bei dir die Vorfreude auf die Tour und wie äußert sich das? 

Du, ich freue mich eigentlich immer auf die Tour, weil es das größte Rennen in unserem Sport ist. Wenn du dich da nicht mehr freust, dann bist du wahrscheinlich fehl am Platz.

Wie äußert sich deine Vorfreude, und was bedeutet es für deine Rolle als Teamchef?

Ich bin in vielen Themen involviert, aber in einigen gar nicht so tief. Das große Ganze im Überblick zu halten, das ist meine Aufgabe. Da geht es um den Sportbetrieb, das ist klar. Aber auf der anderen Seite geht es eben auch um die Partner. Unsere Partner sind involviert in die Tour de France, die nutzen diese massiv für die Aktivierung, weil da die größten Reichweiten am Start sind. Zudem ist es aber auch ein großer Marktplatz für Fahrertransfers. Dann kommt vielleicht noch der eine oder andere potenzielle Partner, der sich den Radsport mal anschauen will. Es sind viele Aspekte, die ich als Gesamtverantwortlicher zumindest im Auge haben soll. 

Kannst du ein konkretes Beispiel geben, was bei der Tour besonders ist?

Ein Beispiel: In Barcelona sind die meisten Partner des Teams vor Ort. Da ist Bora vorangegangen und hat alle mitgezogen, das ist sehr schön. Das ist jetzt gar keine Teamveranstaltung an sich, sondern eher eine Veranstaltung von Bora. Aber Bora hat da schon über Jahre einen weiten Blick, sodass dann die anderen Partner dazukommen wie hansgrohe, Specialized und dann Red Bull. Auch das Team kommt temporär dazu. Das finde ich schon ziemlich cool, dass die Partner quasi netzwerken, ohne dass wir das immer anschieben müssen. Und in Paris haben wir erstmalig ein Team-Highlight. Als Team haben wir unser eigenes Hospitality-Event am Nachmittag und am Morgen. Das wird für die Leute, die da Zugang haben, etwas ganz Besonderes, was es so wahrscheinlich in Paris noch nicht gegeben hat. Das entspricht dem, wie wir den Radsport revolutionieren wollen – dass man Dinge eben anders macht. Auf diese Sachen freue ich mich sehr.

Wenn du zurückdenkst an deine erste Tour de France, hat sich relativ viel verändert, sei es bei Fahrern, Teamgröße oder Staff. Was ist gleich geblieben seit deiner ersten Tour?

Gleich geblieben ist, dass man hofft, dass es gut läuft. Das ist es ja, um das es übergeordnet geht. Was wir vorher besprochen haben, sind Nebenkriegsschauplätze. Primär geht jede Mannschaft zur Tour, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Die Ziele haben sich verändert, aber man will sie genauso erreichen wie beim ersten Mal. Das ist jetzt bis zur 13. Tour de France genau gleich geblieben. 

Dein Ehrgeiz ist noch genauso groß wie damals, oder ist der über die Jahre sogar gewachsen?

Nein. Ich würde sagen, der war auch schon damals sehr groß. Es war eine große Ehre, dass mal wieder eine deutsche Mannschaft bei der Tour de France dabei ist. 2014 mit einer Wildcard ausgestattet, waren die Ziele kleiner als jetzt. Aber man wollte es so gut wie möglich meistern. Und ich würde sagen, da hat sich nichts geändert. Die Motivation war immer bei 100 %, und mehr als 100 % geht nicht. Aber sie ist heute nicht bei 99 %, weil es meine 13. Tour ist. Sie ist bei 100%, immer.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich einiges geändert sowohl bei den Fahrern, vor allem aber auch im Personal. Ihr habt in der sportlichen Verantwortung viele Positionen getauscht. Bei welcher Entscheidung sagst du: Das war gut, dass ich es genau so gemacht habe?

Das ist ganz klar Zak Dempster. Es war eine außergewöhnliche Situation, dass du einen Menschen ins Team holst, den du schon kanntest. Natürlich ist er nun in einer ganz anderen Rolle, aber ich kannte den Menschen bereits. Er war ja Fahrer bei unserer ersten Tour de France. Es ist in unserer Businesswelt sehr selten, dass du einen Menschen onboardest, den du schon kennst. Ich war mir sehr, sehr sicher, dass es funktionieren wird.

Zak ist auch den steinigen Weg gegangen. Er ist sicher als Fahrer nicht mit super viel Talent gesegnet. Also, er hat mehr Talent als ich, aber im Vergleich mit einem Florian Lipowitz eben doch deutlich weniger. Und das, was er im Sport erreicht hat, hat er sich sehr hart erarbeitet. Auch was das Thema Sportmanagement anbetrifft. Man neigt oft dazu, große Radsportler nach der Karriere mit zu viel Vorschusslorbeeren ins Management zu integrieren. Aber das geht oft nicht auf.

Im Falle von Zak war ich mir sicher und er hat sehr schnell eine eigene Handschrift reingebracht. Er hat da einen großen Support und genießt immer mehr Vertrauen. Um noch einmal zurück zur Ausgangsfrage zu kommen, würde ich sagen: Das war schon die wichtigste oder die größte Entscheidung. 

Bei all den Veränderungen in den vergangenen Jahren etwa durch den Einstieg von Red Bull oder die Personalveränderungen: Wie groß ist die Angst, in der Umbruchphase steckenzubleiben? 

Ich glaube, du musst immer dazu bereit sein, wenn du Sportprojekte im Spitzenbereich managst. Ich bekomme das beim FC Bayern mit, hier bei mir in der Region. Das ist eine Spitzenmannschaft im Weltfußball. Da steht dann auch schon mal etwas vom FC Hollywood in der Zeitung. Das gehört dazu. Natürlich wünscht man sich immer Ruhe und Kontinuität. Aber es gibt immer Veränderungen und du musst die Veränderung schon annehmen. Du musst bereit sein und Änderungen zulassen. Wenn man lieber stets den gleichen Weg gehen möchte, nichts verändern will, dann ist man woanders besser aufgehoben. In der Weltspitze muss man stets zu Veränderungen bereit sein.

Was wünschst du dir, dass die Konkurrenz der anderen Teambosse über deine Mannschaft sagt? 

Dass nach wie vor die Handschrift von Ralph Denk zu sehen ist. Dass die Handschlagqualität noch immer da ist, obwohl ja auch ein Konzern mit Red Bull die Mehrheit hat. Aber dass die Handschlagqualität noch vorhanden ist, das ist mir wichtig. Und dass man uns natürlich sportlich wahrnimmt, dass unser Team der „Place to be“ ist. Ich würde mich generell schon sehr freuen, wenn man so attraktiv ist, dass man Zulauf von Partnern und von Talenten hat. Dass man zum Schluss die Party organisiert, wo jeder hin will. 

Wie würdest du die Identität eurer Mannschaft im Moment beschreiben?

Wir sind schon auf dem Weg zu „most attractive“. Wir bekommen das gefühlt jeden Tag mit, dass wir um die Talente nicht mehr ganz so hart kämpfen müssen wie vor drei, vier oder fünf Jahren. Auch damals haben wir gewusst, welche Fahrer gut sein werden. Aber sie haben sich einfach nicht für unsere Projekt entschieden, sei es aus  monetären oder visionären Gründen. Wir haben auch um die großen Talente gekämpft. Ich will jetzt keine Namen nennen, aber an allen, die jetzt schnell fahren, sind wir dran gewesen. Aber sie haben sich eben damals anders entschieden. 

An Isaak del Toro beispielsweise wart ihr auch dran.

Ich mag keine Namen nennen. Aber alle, die jung sind und überraschen. Das Entdecken ist nicht die Herausforderung, aber die Unterschrift zu bekommen, ist schwer. Da tun wir uns jetzt mit Red Bull, mit unserer Struktur, mit unserem Scouting viel leichter, würde ich sagen. Da sind wir wirklich auf einem sehr guten Weg, sehr attraktiv zu werden. Und wenn wir dann mal sehr attraktiv sind, dann würde ich gern unseren Sport noch größer machen. 

Wenn wir kurz bei den Talenten bleiben. In euren Nachwuchsmannschaften sind einige Weltklasse-Talente, aber ganz viele deutsche Sportler gehören nicht dazu. Woran liegt das? Mangelt es an Talenten, werden sie nicht gefunden, oder wird der Nachwuchs falsch betreut?

Also falsch betreut würde ich nicht sagen. Ich habe massiv Respekt für alle Menschen, die sich in Vereinen engagieren. Für jeden, der sich da einbringt und die Basisarbeit macht. Ich bekomme das bei meinem Sohn in der U15 im Mountainbike mit. Was die Vereinstrainer da leisten, für eine kleine Aufwandsentschädigung oder teils gar kein Geld, Chapeau. Wochenende für Wochenende die Kinder durch ganz Deutschland fahren. Aber ich habe den Eindruck es wird immer schwieriger, Leute zu finden, die die Vereinsarbeit machen. Klar, die Starterfelder könnten größer sein in Deutschland. Das schaue ich mir schon ein bisschen ab, auch weil mein Sohn fährt. Aber wir müssen mit dem klar kommen, was da ist. 

Für die Vereine, die Nachwuchsrennen ausrichten, ist es oft super schwierig, Kurse zu finden, Strecken zu sperren. Auch die Diskussionen mit Polizei und Landratsamt auf Regionalebene sind oft mühsam. Da würde ich mal von ganz oben eine Ansage wünschen, weil es ja olympischer Sport ist. Und das Land Deutschland, die Politik, will ja auch Medaillen feiern. Aber du musst an der Basis unten anfangen. Da muss man vielleicht dafür sorgen, dass das Dorfrennen für den Verein leichter zu organisieren ist. Dass man Voraussetzungen schafft, dass ein solches Rennen leichter zu organisieren ist als ein Profirennen in Frankfurt. Das ist ein größeres Thema, wo man sicher auch regional unterscheiden muss. 

Ein Punkt, den ich beobachte, ist, dass man die Bergfähigkeit nicht so gut erkennen kann, weil die Rennen zu leicht sind. Ich würde mir wünschen, dass es da anspruchsvollere Rennen gibt. Wenn ich beispielsweise nach Italien schaue, da sind die Rennen topografisch anspruchsvoller. Da gibt es ein Ausscheidungsfahren und am Ende stehen zwei Drittel an der Straße. Das gibt es bei deutschen Rennen eher selten. Da enden sehr viele Rennen doch im Massensprint oder in einer großen Gruppe. Das wäre etwas, was man vielleicht anpassen könnte.

Denk, Lipowitz und Evenepoel
(Fotos: ©CorVos)

Du hast gesagt, du willst den Sport größer machen – hast du eine Idee, wie man mehr junge Menschen für den Sport begeistert? 

Da sehe ich auch uns in der Pflicht. Da gehört auch dazu, dass wir so attraktiv sind, dass über uns gesprochen wird. Dass Schulkinder sagen, der Florian Lipowitz hat mich so inspiriert, ich will jetzt auch Rennfahrer oder Rennfahrerin werden. Das passiert natürlich nur, wenn der Sport und die großen Sportler in den Medien vertreten sind, die diese Menschen konsumieren. Da gehört auch viel Hintergrundinformation dazu. Das ist es, was interessiert. Und bei der jungen Zielgruppe vielleicht sogar noch mehr. Also nicht nur das pure Rennen, sondern eher was abgeht im Radsport. Das geht auch mir so, wenn ich Fußball schaue, oder bei der Formel 1, da interessieren die Hintergrundgeschichten sicher auch mehr als das Rennen an sich. 

Wenn man sich umschaut, Radsport ist Lifestyle, Rennradfahren ist hip. Aber wenn man gerade bei kleineren Rennen schaut, da sind kaum Zuschauer. Was kann man tun, um die Leute etwas näher an den Rennradsport zu binden?

Die Kombination aus Jedermannrennen und Nachwuchsrennen finde ich gut, oder von Hobby- und Lizenzrennen. Über die Herausforderungen in Sachen Streckensperrungen hatten wir ja schon gesprochen. Ganz generell sehe ich da eine Potenzialgruppe, da gibt es viele die Rennrad fahren, den Sport selbst hobbymäßig ausüben, aber leider keinen Link zum Rennsport haben. Speziell fällt mir das auf, wenn ich auf den Frauenradsport schaue. Dort ist das vielleicht sogar noch krasser als beim Männerradsport. Wenn ich Frauen treffe, die sauviel Rennrad fahren, und ich die mal nach Profis und Namen frage, da wird es schwierig. Pogacar und Vingegaard kennen die meisten, auch Florian noch, aber dann hört es schnell auf. Ich glaube, dass wir den Transfer zwischen Lifestyle-Radsport und Rennsport noch besser hinbekommen müssen. Der Jedermannsport und die Hobby-Events sind vielleicht ein Hebel.

Ich hab gestern mit unserem ehemaligen Partner Ötztal gesprochen. Die könnten den Ötztaler 89-Mal ausverkaufen. Das ist schon eine irre Zahl und beweist, wie der Radsport gewachsen ist. Nur eben den Link zum Profisport und zum Nachwuchs, den braucht es mehr. Da spielt mediale Präsenz sicher eine Rolle.

Wenn es darum geht, dass Menschen den Radsport für sich entdecken, da könnte es bei den Übertragungen ein Faktor sein, dass die Rennen spannend sind. Wenn wir uns aber die aktuelle Entwicklung im Profiradsport anschauen, dann machen da wenige Mannschaften die Siege unter sich aus und einige Teams kämpfen schlicht ums Überleben. Nimmst du das auch so wahr? Wie kann man da mehr Gleichgewicht schaffen?

Das ist in der Tat so. Früher war es ja gegeben, dass Wildcard-Mannschaften irgendwo bei einer Grand Tour schon immer eine Etappe gewonnen haben, vor allem beim Giro. Die Zeit ist vorbei. Es ist natürlich ein sportliches Gefälle, aber vor allem auch ein wirtschaftliches Gefälle. Und das ist mittelfristig und langfristig nicht gut. Ich bin jemand, der zumindest mal diskutieren würde, so etwas wirtschaftlich zu regulieren. Den weiten Blick hab ich schon, dass ich sehe, wenn nur fünf Mannschaften konkurrenzfähig sind, dann ist das auf lange Sicht nicht gut. Ich bin aber gegen ein wirtschaftliches Fairplay, man sollte es größer denken. Ich bin der Meinung, das sollte in eine generelle Reform des Radsports integriert werden, statt nur den einen Punkt zu verändern. Besonders wichtig wäre es schon, wenn eine Balance herrschen würde. Es ist kein Geheimnis, dass ich Formel-1-Fan bin. Dort hat man in dem letzten Regulierungs-Zyklus das Feld wieder näher zusammengebracht, die Leistungsunterschiede verringert. Auch dort gibt es ein Financial Fairplay, was es früher nicht gab. Aber ich bin der Meinung, im Radsport darf man nicht losgelöst an die finanziellen Regelungen gehen, sondern muss es in eine generelle wirtschaftliche Reform des Radsports integrieren. 

Verstehe ich es richtig, dass man für ein sportliches Gleichgewicht zunächst ein ökonomisches Gleichgewicht schaffen muss?

Man sagt ja immer, Geld schießt keine Tore. Ja, wir haben Lipowitz gefunden, haben ihm die Chance gegeben, haben ihn entwickelt. Aber hätten wir nicht die Möglichkeiten, ihm einen langfristigen Vertrag anzubieten, dann wird es schwer. Wenn du bei einem Toptalent einen guten Zeitpunkt erwischst, dann bekommst du es vielleicht noch hin, aber dann ist er super unhappy und dann performt er nicht. Ich sage es mal so: Du brauchst dann schon die wirtschaftlichen Voraussetzungen, um die Fahrer happy zu machen. Oder zumindest fair zu bezahlen. Ich will nicht der sein, der die höchsten Gehälter zahlt. Ich will der sein, der das attraktivste Projekt hat. Aber fair sollen die Sportler schon bezahlt werden. Ich will nicht der sein, wo man die Sportler quasi ausnutzt. Das ist ja sowieso sehr kurzfristig gedacht. Das gleiche gilt für Mitarbeiter.

Florian Lipowitz hat in Deutschland einen kleinen Radsportboom ausgelöst. Merkst du das auch auf der ökonomischen Seite? Oder kann man so was nicht an dem Erfolg eines Fahrers festmachen? 

Ja, Florians Erfolge helfen. Definitiv. Aber sie kommen auch ein bisschen zu einer wirtschaftlich sehr ungünstigen Zeit. Wir haben gerade nicht das größte Wirtschaftswachstum in Deutschland oder in Europa. Wir haben eher mit gewissen Marktgegebenheiten zu kämpfen, das zieht sich mehr oder weniger durch alle Branchen. Da sind vielleicht KI und ein paar Spezialbranchen ausgenommen, aber ansonsten schon. Da haben die Firmen ihre Hausaufgaben aktuell zu machen, in der Industrie und der Wirtschaft allgemein. Wäre jetzt gerade ein großes Wirtschaftswachstum, würden Florians Erfolge mehr bewirken.

Der Radsport ist weiterhin sehr europäisch geprägt. Natürlich spielt Europa in der Geschichte des Radsports eine große Rolle. Alle großen Rennen, die fünf Monumente, die drei Grand Tours – all dieses Rennen finden in einem Radius von 5000 Kilometern statt. Aber die Welt ist größer, und wir vermissen natürlich das irre Potenzial aus den USA oder China. Das schränkt uns in der Vermarktung natürlich sehr ein.

Aber eine Grand Tour in den USA lässt sich auch nicht von heute auf morgen aufsetzen.

Nein. Man wird jetzt auch nicht mit einer dreiwöchigen USA-Tour starten, aber zumindest müsste man mal starten. Wir sind ja sogar schon mal gestartet, es ist ja eher wieder zurückgegangen. 

Tadej Pogacar bei der Tour de France
(Foto: © Cor Vos)

Das Problem mit der europäischen Konzentration haben ja alle Mannschaften. Ist es denkbar, dass die Teams sich zusammenschließen und versuchen, gemeinsam Amerika zu erschließen? 

Ja. Grundsätzlich ja, da bin ich bei dir. Aber die Mannschaften haben natürlich auch zuerst mal ihre eigenen Hausaufgaben zu machen. Und primär sind wir keine Rennorganisatoren. Also, wir können Radsport, aber ich würde mich jetzt nicht so ganz weit aus dem Fenster lehnen und behaupten: Ralph Denk kann Radrennen organisieren. Ich schwäche es mal etwas ab, und da kann ich für alle meine Kollegen sprechen: Wir wünschen uns sehnsüchtig ein großes WorldTour-Rennen in den USA.

Wenn wir uns die Entwicklung des Sports anschauen, die Budgetentwicklung und ökonomische Basis – entweder man findet immer mehr Mäzene, oder man muss sich etwas überlegen, sonst steuert der Sport auf einen Poller zu. Geht es für den Radsport in eine Phase, wo es vielleicht realistisch ist, dass Rennveranstalter, Teams, alle beteiligten Parteien wirklich mehr zusammenarbeiten, weil sonst ein nachhaltiges Problem droht? Je größer die Notwendigkeit, desto eher sind vielleicht alle bereit, miteinander zu agieren. Hast du das Gefühl, es geht in so eine Richtung, dass die Teilhaber im Radsport dazu bereit sind, miteinander zu arbeiten?

Es ist schwer. Die ASO ist natürlich ein Global Player auf Veranstalterseite. In ihrer Bilanz weisen sie einen großen Gewinn aus. Da ist die Not nicht so groß. Aber ich hoffe, dass man auch da die langfristige Sichtweise nicht verliert. Wenn es dann nur noch die Tour de France gibt, weiß ich nicht, ob das gut ist. Wenn es dann nur noch fünf Mannschaften gibt, die sich die Etappen und die Gesamtwertung untereinander aufteilen, ist das auch nicht gut. Es ist immer schwer, etwas herzugeben, was man besitzt. Das lernt man ja schon in der Sandgrube, wo man das Spielzeug ungern hergibt (lacht). Ich hoffe, dass jeder den weiten Blick hat, dass es nur gemeinsam geht. Wir wollen ja gar keine Parallelveranstaltung zur Tour de France. Das ist Weltkulturerbe, wegen mir kann die Tour auch die größte Radsport-Veranstaltung der Welt bleiben. Ist und bleibt sie eh, aber Radsport kann eben mehr als die Tour de France sein. 

Auch bei der ASO läuft es abseits der Tour de France nicht überall ausschließlich perfekt, dazu ist der Sport ohnehin internationaler geworden. Da könnte eine Bereitschaft zur Zusammenarbeit steigen – zumindest unter den Teams und Teammanagern. Ein gemeinsames Vorgehen kann die Position stärken, auch gegenüber den anderen Parteien im Radsport.

Was massiv hilft, sind die Veränderungen bei den Teams. Jetzt folgt wieder ein Vergleich mit der Formel 1. Die Teammanager sind das, was in der Formel 1 früher die waren, die die Garagen besessen haben. Die Manager wie Frank Williams und Eddie Jordan. Und auch im Radsport haben sich die Eigentümer-Verhältnisse verändert. Es ist nicht mehr die Ralph Denk One-Man-Show, und auch nicht die von Patrick Lefevere. Auch nicht die von Jonathan Vaughters, da steckt jetzt EF drin. Bei Lefevere ist es der Unternehmer Bakala, bei uns steht Red Bull dahinter. Da gibt es noch mehr Beispiele. Das hilft natürlich auch. Die Unternehmen haben mehr Ressourcen, dort ist auch mehr Sport-Governance-Wissen von anderen Sportarten vorhanden, was einfließen kann. Das macht mir Hoffnung, dass mit dem Support von diesen Eigentümern die Teams, aber auch der Sport insgesamt den nächsten Schritt machen können.


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