Er gilt als absoluter Aerodynamik-Experte, war auf dem Rad Stundenweltrekordhalter, Weltmeister, Vize-Olympiasieger. Der Brite Dan Bigham ist beim Team Red Bull-Bora-hansgrohe der Head of Engineering. „Ich liebe Mannschaftszeitfahren“, sagt der 34-Jährige mit einem Lächeln. Bigham sitzt in seinem Büro, den Hintergrund im Video-Call hat er nicht verpixelt. Sein Büro sieht exakt so aus, wie man es sich von einem Tüftler und absoluten Experten vorstellt – unzählige Bücher, sortierte Papierstapel und auch ein paar technische Zeichnungen sind zu erkennen. Bigham nimmt sich Zeit, Einblicke in das „Projekt TTT“ bei der Tour de France zu gewähren. „Ich war noch nie in ein solches Projekt für die Tour de France involviert“, sagt Bigham, spricht direkt über seine Begeisterung, aber auch den Druck, den das Projekt mit sich bringt. Es braucht keine zwei Minuten, um zu verstehen, dass dieser Mann dieses Tour-Teamzeitfahren mindestens so akribisch vorbereitet, wie eine Marsmission.

Der Saisonauftakt ist erfolgreich gemeistert, das erste Teamzeitfahren liegt hinter dem Team – man holte den Sieg. Bei der Mallorca-Challenge wurde vom Veranstalter extra ein Teamzeitfahren integriert – das nutzte Red Bull-Bora-hansgrohe, um für den bedeutsamen Tag im Juli zu üben – wenn der Auftakt der Tour de France der kollektive Kampf gegen die Uhr ist. Bei Red Bull-Bora-hansgrohe hatte man einen Teil der geplanten Tour-Besetzung bei der Mallorca Challenge im Einsatz. Die Kapitäne Florian Lipowitz und Remco Evenepoel, Nico Denz, Mattia Cattaneo, Maxim van Gils. Bigham spricht schnell, gibt sich aber Mühe, seine Gedanken und die wissenschaftlichen Hintergründe auch für einen Laien verständlich wiederzugeben.

„Wo fängt man so ein Projekt an? Es ist nicht nur die Technikabteilung involviert, sondern der gesamte Leistungsbereich von Red Bull-Bora-hansgrohe. Es gibt viel Potenzial für Erfolg, aber auch exponentiell mehr potenzielle Probleme. Das gesamte Team muss perfekt vorbereitet an den Start gehen, fähig sein, seine genaue Rolle und die Anforderungen kennen, wissen, was es erwartet, und synchron und harmonisch zusammenarbeiten. Man beginnt, dieses Problem aufzuschlüsseln. Wir sind es zunächst durch Simulation angegangen“, erklärt Bigham.


Komplexe Anforderungen

Diese Simulation ist ein eigens entwickeltes Tool, das nach einigen Monaten Arbeit entstand. Gemeinsam mit Red Bull Advanced Technologies wurde das Simulations-Tool entwickelt. Es ist vor allem auf Einzelzeitfahren ausgerichtet ist. „Das Tool selbst vermittelt uns ein umfassendes Verständnis dafür, wie sich die Geschwindigkeit auf der Strecke in Abhängigkeit von der Leistung, dem CDA-Wert, der Masse usw. eines Fahrers verändert, wie man als Gruppe Kurven fährt usw. – optimale Linienwahl, optimale Ausrüstungswahl. Das definiert also zu einem großen Teil, was zu erwarten ist, was wir als die Anforderungen des Rennens bezeichnen würden. Ich weiß, was an diesem Tag passieren wird. Und dann besteht die Kunst darin, das aufzuschlüsseln und für alle Fahrer zu optimieren“, erklärt Bigham. Ein Computerprogramm, gefüttert mit Daten, die man akribisch zusammengetragen hat, in Tests, Rennen und verschiedenen Umgebungen.

„Man muss fortwährend den Fahrer charakterisieren, seine Aerodynamik verstehen, seine Physiologie verstehen. Und wenn man diese Dinge in einem guten Modell zusammenführt, liefert das Modell die Antwort. Da muss keine Subjektivität ins Spiel kommen. Man muss nicht denken: ‚Oh, aber dieser Fahrer ist dazu in der Lage.‘ Man muss gar nichts denken. Man vertraut einfach der Mathematik und den Zahlen, und genau so funktioniert die Optimierung auf hohem Niveau in den meisten Sportarten. Der Motorsport ist ein hervorragendes Beispiel dafür“, erklärt Bigham.

Fahrerreihenfolge und Wechselabschnitt

Entscheidend ist natürlich die Zusammenstellung der Mannschaft. Welche Fahrer werden dabei sein, im Juli? Diese Frage ist für das „Projekt TTT“ natürlich von großer Bedeutung. „Wir haben eine lange Liste, aus der dann eine kurze Liste wird, aus der schließlich ein ausgewähltes Team entsteht. Wie nimmt man sie dann und setzt sie auf die effizienteste Weise zusammen? Da ist also das Problem des eigentlichen Rennens selbst. Wie sieht die Fahrerreihenfolge aus? Wie lang sind ihre Wechselabschnitte? Gibt es bestimmte Abschnitte, in denen bestimmte Fahrer entweder ganz vorne sein, oder sich erholen müssen? Und natürlich ist das Barcelona-Mannschaftszeitfahren nicht flach“, führt Bigham aus.

„Es geht also insgesamt um ein umfassendes Verständnis von Aerodynamik, Physiologie und Luftwiderstand. Wie fährt ein Fahrer hinter anderen Fahrern, damit wir diese Daten in einige von uns entwickelte Optimierungsalgorithmen einspeisen können, die uns dann im Grunde die Reihenfolge der Fahrer mit der jeweiligen Kurvenlänge und der entsprechenden Leistung vorgeben„, so Bigham. Dafür wird genau analysiert, was die exakten Anforderungen sind. Wie detailliert die Anforderungen beim Teamzeitfahren definiert und wie genau die Planung für das Rennen ist, ist beeindruckend. Gemäß den Anforderungen wird auch das Training gestaltet. Natürlich bereitet sich ein Tour-Fahrer nicht nur auf das Teamzeitfahren vor, sondern auch auf die anderen Anforderungen bei einem Rennen über mehr als 3000 Kilometer, aber der Fakt, dass es ein Teamzeitfahren gibt, beeinflusst die Vorbereitung.

Position in der Reihe und komplexe Anforderungen

„Nehmen wir zum Beispiel Nico Denz auf Mallorca. Er musste viel Zeit hinter Remco fahren. Einige von Remcos Führungsabschnitten waren 90 Sekunden lang. Anderthalb Minuten, nicht länger. Und ja, es ist im Windschatten nicht dieselbe Leistung wie an der Spitze, aber es ist auch nicht meilenweit davon entfernt. Es geht hier also um Remco, denn Remco fügt Nico offensichtlich Schmerzen zu. Unser eigentliches Ziel ist aber die Teamleistung, es geht um ‚Buffering‘. Für Nico ist die Mallorca Challenge kein Hauptziel. Er richtet nicht sein gesamtes Training darauf aus, um dann ein paar Minuten lang in einer bestimmten Funktion im Windschatten von Remco zu fahren. Aber wenn es sich um die Tour de France handelt und das seine Rolle ist, dann wird er tatsächlich darauf hinarbeiten.“

Das Rennen auf Mallorca hat dem Trainer ein klares Bild davon gegeben, was in der Position hinter Remco im Teamzeitfahren notwendig ist. So kann man Fahrer mit den entsprechenden Fähigkeiten, die speziell auf dem Parcours in Barcelona gefragt sind, einplanen. „Die Anforderungen des Rennens richten sich an Trainer, Ernährungsberater und Sportdirektoren, und diese können dann herausfinden, wo die Lücke liegt, was ein Fahrer leisten muss, was wir von ihm erwarten können, wo er derzeit steht und wie wir ihn in diese Richtung bringen können.“

Teamprojekt

Bigham betont, dass es ein Teamprojekt ist. Die Sportdirektoren arbeiten mit den Trainern und den Experten für Aerodynamik, Nutrition und Analysten zusammen. „Wir absolvieren einige Trainingseinheiten und sammeln dabei umfangreiche Daten – sowohl visuelle Daten über Kameras an den Rädern als auch technische Messwerte wie Leistung, Geschwindigkeit und Luftgeschwindigkeit. So können wir beginnen, zu verstehen, was wir im Training beobachten, und wie sich das auf das auswirkt, was wir für das Rennen simulieren und vorbereiten müssen – und wo genau die Lücke liegt und worauf wir unsere Anstrengungen konzentrieren müssen. Müssen wir an der Aerodynamik eines bestimmten Fahrers arbeiten oder an den technischen Fähigkeiten eines bestimmten Fahrers?“.

Teamwork – Evenepoel und Lipowitz bei der Mallorca Challenge
(Foto: ©CorVos)

Schon mit der Streckenpräsentation der Tour im Oktober begann das Projekt. Dann wurden die ersten Trainings geplant. Während der gesamten Vorbereitung gab es immer wieder Abstimmungen zwischen den verschiedenen Abteilungen. Rennpläne ändern sich, Fahrer werden krank, können vielleicht ein geplantes Rennen nicht bestreiten, oder müssen ein zusätzliches absolvieren. Fahrer können auch vor der Tour kurzfristig ausfallen. Das Analysetool und die Planung für das Rennen können das berücksichtigen. „Man hat Modelle, die die Leistung vorhersagen, und nutzt diese dann, um zu verstehen, wo das wahre Optimum liegt. Wir erstellen also Modelle, die die Leistung bei Mannschaftszeitfahren vorhersagen, und diese enthalten all diese verschiedenen Variablen, die man in das Modell einspeist. Dann spielt es keine Rolle, ob ein Fahrer ausgewechselt und ein anderer eingewechselt wird, solange man gute Eingabedaten hat“, erklärt Bigham.

Es wird im Radsport niemals ein perfektes Mannschaftszeitfahren geben

Herausforderung Stadtkurs

Das Teamzeitfahren von Barcelona bringt die Herausforderung mit sich, dass man auf der Originalstrecke nicht trainieren kann. Erst sehr kurz vor dem Teamzeitfahren wird der Parcours abgesperrt sein. Die Eindrücke und Details der Strecke werden also erst ganz kurz vor dem Rennen vorliegen. Viel Zeit zum Testen hat man zudem auch nicht.

„Das ist Teil des Problems, aber dennoch ein ziemlich spannendes Problem, das es zu lösen gilt, weil man dieses Zeitfenster von einer bis eineinhalb Stunden hat. Vor dem Rennen muss man alles lernen, was es zu lernen gibt, und so viel wie möglich in die Vorbereitung investieren. Sei es nun die Erfassung visueller Daten, die Erfassung technischer Daten oder einfach nur, dass der Fahrer die Strecke befährt, sieht, spürt, riecht und erkennt, was ihn tatsächlich erwartet – im Vergleich zu dem, was er erwartet hatte. Damit er sein inneres Barometer sozusagen korrigieren kann. Und das ist auch eine unglaublich wirkungsvolle Maßnahme. Eine, an der wir intensiv arbeiten. Wie holen wir so viel wie möglich aus dieser Erkundungsphase heraus und dringen vor dem Rennen in die Köpfe der Fahrer ein? Dabei geht es wirklich darum, die richtigen Werkzeuge und Prozesse parat zu haben, damit wir diese Daten schnell analysieren und eine effiziente Nachbesprechung durchführen können. Wir müssen nach der Erkundung keine einstündige Nachbesprechung abhalten. Das ist einfach nicht praktikabel und nicht sinnvoll. Stattdessen können wir direkt loslegen. Das sind die drei wichtigsten Erkenntnisse in fünf Minuten“.

Mentale Stärke – Nico Denz mit den Qualitäten eines perfekten Teamkollegen

„Die paar Tage davor und der eigentliche Tag selbst werden sehr, sehr streng geregelt sein, sehr gut organisiert und sehr gut aufeinander abgestimmt sein. Welchen Fahrer packt man an welche Position? Fährt der physisch stärkste Mann hinter Evenpoel, oder jemand, der mental stark ist und sich auch in Extremsituationen nicht beeindrucken lässt?

„Man braucht einen Fahrer, der die Fähigkeiten für diese Position mit sich bringt. Das ist eine Kombination aus beidem. Man braucht einen Fahrer, der eine sehr hohe Dauerleistung in Watt im Verhältnis zum CDA (Windwiderstand) hat“, erklärt Bigham. „Das heißt, er muss ein guter Zeitfahrer sein. Nico Denz ist ein sehr guter Zeitfahrer, aber es braucht gleichzeitig auch jemanden, der sozusagen mental stark ist, in dem Sinne, dass er leiden kann, wenn es nicht nach seinen eigenen Vorstellungen läuft – was ja der Fall ist, wenn man im Windschatten eines anderen fährt. Das passt sehr gut zu Nico. Er hat in den vergangenen 18 Monaten bewiesen, dass er ein sehr guter Mannschaftszeitfahrer ist.“

Dabei geht es nicht nur darum, den Plan gemäß Simulation umzusetzen, sondern auch flexibel zu sein, im Kopf hellwach und bereit zu leiden. „Ein Beispiel aus Mallorca. Eigentlich hatte Nico nach einem Hügel seinen Job erledigt – so war es geplant. Aber ein anderer Fahrer gab das Zeichen, dass er seine Rolle nicht wie geplant erfüllen kann. Nico hat sofort reagiert, ist in die Rolle geschlüpft und hat durchgezogen. Er hat da wirklich einen fantastischen Job gemacht.“ Wie die Fahrerreihenfolge am Samstag in Barcelona sein wird, entscheidet auch die Tagesform.

TTT-Sieg Red Bull-Bora-hansgrohe bei der Mallorca Challenge
(Foto: ©CorVos)

Natürlich Autorität des Aerodynamik-Gurus Dan Bigham

Eine Aufgabe von Bigham ist es, den Sportlern den Plan zu erklären und mit ihnen gemeinsam einen Weg zu entwickeln. Sein Status als Aerodynamik-Guru hilft dabei immens. „Ich denke, das Wichtigste im Team ist, dass ich nicht daherkomme, um den Leuten zu sagen, was sie tun sollen, sondern dass ich versuche, gute Abläufe zu etablieren, damit die Leute die Dinge tun können, die ich selbst zuvor getan habe“, so Bigham.

„Und dann spreche ich über technische Modelle und Werkzeuge, aber im Grunde ist es genau das: Ob es nun darum geht, den richtigen Reifendruck oder die richtige Übersetzung zu wählen oder ein Mannschaftszeitfahren zu optimieren – letztendlich sind all diese Dinge mathematische Probleme, und es spielt keine Rolle, ob ich am Computer sitze oder ein Trainer oder ein Sportdirektor am Computer sitzt und diese Zahlen durchrechnet – man erhält das gleiche Ergebnis, weil es Mathematik ist.“

„Was zählt, ist – und das ist wohl die Erkenntnis, die ich im Laufe meiner Karriere gewonnen habe – dass ich ein sehr gutes Verständnis für die Physik des Radsports und deren Modellierung habe und weiß, wo wir, sagen wir mal, falsch oder ungenau liegen oder wo es Annahmen und Einschränkungen gibt. Und dass ich effiziente Werkzeuge entwickle, die uns helfen, die Leistung zu verstehen. Und genau da habe ich große Fortschritte gemacht, denn die Mathematik hat immer gesagt: „Hier solltest du deine Energie konzentrieren.“

Verständnis schaffen

„Der Stundenrekord ist ein großartiges Beispiel. Wir haben uns nicht nur auf die Aerodynamik konzentriert. Es ging auch viel um Thermodynamik, denn die Mathematik sagte uns, dass dies ein wirklich hilfreicher Bereich ist, auf den man seine Leistung konzentrieren sollte. Und ehrlich gesagt glaube ich, dass die Leute, als ich ins Team kam, dachten, ich würde sagen: ‚Nein, wir machen das so, so und so.‘ Aber ich habe gesagt: ‚Nein, nein, wir schaffen Verständnis, und dieses Verständnis entsteht in euren Köpfen.‘ Und meine Aufgabe ist es, euch beizubringen, was ich weiß, und die Werkzeuge zu entwickeln, die euch befähigen, diese Fragen selbst zu beantworten. Wir arbeiten daran, und hinter den Kulissen wird viel investiert, um diese Werkzeuge und Softwareplattformen zu entwickeln und auch Zeit mit Trainern, Rennleitern und Fahrern zu verbringen, um sie zu schulen, denn ich finde, es ist keine gute Haltung zu sagen: ‚Ich habe recht, weil ich es weiß.‘ Man sollte sich auf Augenhöhe begegnen und sagen: ,Ich werde dir beibringen, was ich weiß, und du wirst es verstehen. Dann fühlst du dich viel stärker befähigt, und ich glaube, du kannst am Ende bessere Ergebnisse erzielen, weil dieses Wissen und diese Selbstbestimmung überall und jeden Tag zum Einsatz kommen, anstatt dich immer auf mich zu verlassen, um eine Antwort zu bekommen.

Das perfekte Mannschaftszeitfahren

Remco Evenepoel ist nicht nur unglaublich stark, sondern auch immens aerodynamisch. Für den Fahrer hinter ihm beim Teamzeitfahren bringt das eine besondere Herausforderung mit sich. Ist die Aerodynamik von Evenepoel im Teamzeitfahren ein Vorteil? „Es gibt kein Szenario, in dem es besser wäre, einen weniger aerodynamischen Fahrer zu haben, damit die Person dahinter davon profitiert, denn der Nettovorteil durch den Luftwiderstandsunterschied beträgt für den Fahrer dahinter nur etwa 20 bis 30 %“, erklärt Bigham trocken.

Mit großem Aufwand wird das Teamzeitfahren vorbereitet, Perfektion wird nie erreicht. „Es wird im Radsport niemals ein perfektes Mannschaftszeitfahren geben. Ich glaube, wir tun uns aus verschiedenen Gründen schwer damit, das perfekte Zeitfahren oder Mannschaftszeitfahren hinzubekommen. Wir nähern uns dem zwar an, versteht mich nicht falsch. Man sollte also auf jeden Fall mit einem Plan an den Start gehen. Wenn man keinen Plan hat, dann tut es mir leid, aber dann sollte man eigentlich gar nicht an der Startlinie stehen, denn ohne Plan bricht das Ganze einfach viel zu schnell zusammen. Aber der Plan selbst sollte so gut durchdacht sein, dass er flexibel auf das reagieren kann, was bei Zeitfahren und Mannschaftszeitfahren passiert. Wir können also ein Zeitfahren oder ein Mannschaftszeitfahren nicht in dem Maße, wie ich es mir wünschen würde, perfekt modellieren, um vorherzusagen, was zu erwarten ist. Woher sollen wir zum Beispiel wissen, ob ein Fahrer einen Scheitelpunkt verfehlt oder seine Position in diesem technischen Abschnitt nicht ganz so gut hält, wie man es sich erhofft? All diese Dinge sind kleine Details, haben aber einen gewissen Einfluss auf die Leistung. Was man jedoch tun kann, ist, einen vernünftigen Plan zu erstellen, um zu wissen, wer wie lange an der Spitze fahren wird, wann und wo die Wechsel stattfinden und welche Strategie daher potenziell am besten geeignet ist, um die Fahrer – oder in manchen Szenarien wie bei Paraden die Teilnehmer – so schnell wie möglich über die Ziellinie zu bringen. Und genau das ist es, was ein Plan leistet.“

Der besondere Modus eine weitere Ebene der Komplexität

In Barcelona gilt für jeden Fahrer individuell die Zeit. Das unterscheidet das Teamzeitfahren von vielen aus der Vergangenheit, wo erst beim vierten oder fünften Fahrer die Zeit genommen wurde, und diese auch für die Fahrer des Teams galt, die zuvor das Ziel erreichten. „Ich finde, es fügt einer ohnehin schon recht komplexen Angelegenheit noch eine weitere Ebene der Komplexität hinzu. Also, ich finde es nicht schlecht. Ich bin zwar nicht gerade begeistert von diesem Format, aber ich kann den Reiz durchaus erkennen – es ist ziemlich neuartig und anders und gleicht wahrscheinlich auch bis zu einem gewissen Grad den Rückstand zwischen, sagen wir mal, den Top-Teams und den Teams aus den unteren Rängen aus oder verringert ihn. Denn man ist dann nicht darauf angewiesen, ein vollzähliges Team für das Mannschaftszeitfahren zu haben, um ins Ziel zu kommen. Man kann ein weniger ausgewogenes Team haben, und eine gute Ausführung bringt einen näher an die Spitze. Mir gefällt also, dass es dann auf die Umsetzung und damit auf Planung und Vorbereitung ankommt.“

Am Samstag wird es auf Details ankommen. Auf Details bei ganz unterschiedlichen Sachen. Die Vorbereitung ist akribisch, ging über Monate. Was aber zählt, ist der Moment. „Alle haben Klarheit über ihre Anforderungen und sie setzen diese um – da ist die beste Leistung gefragt, angefangen beim Soigneur oder dem Koch, der morgens das Frühstück zubereitet, bis hin zu Patxi (Patxi Vila, der Sportliche Leiter) im Radio, der klar, prägnant und korrekt ist. All diese Dinge, sowie die Rolle jedes Einzelnen haben Einfluss auf diese Leistung, und wir müssen einfach sicherstellen, dass wir wissen, dass jeder weiß, was seine Rolle ist, und dass jeder Fahrer weiß, was seine Rolle ist, denn sie sind es, die diese Leistung wirklich erbringen können. Wir unterstützen sie dabei und schaffen das Umfeld, das es ihnen ermöglicht, alles zu erreichen, wozu sie fähig sind“, so Bigham.