Noch immer wird im Zusammenhang mit Transfers im Radsport der 1. August als „Stichtag“ gesprochen. Das kommt daher, dass Teamwechsel für das Folgejahr lange Zeit erst ab diesem Datum kommuniziert werden durften. Streng genommen sahen die Regularien sogar lange vor, dass die Verträge beim neuen Team erst nach dem 1. August verhandelt und abgeschlossen werden durften. Das war natürlich nicht die gängige Praxis – das wurde vor 10 Jahren bereits in diesem Text ausführlich erklärt. Die Hintergründe für diese „1. August Regel“ sind durchaus nachvollziehbare Überlegungen, die in diesem Text ebenfalls etwas beleuchtet wurden.
Doch auch wenn sich die „1. August-Regel“ bei vielen festgesetzt hat, sie ist Geschichte. Denn vor rund eineinhalb Jahren änderte der Weltverband die Regularien bezüglich der Transfers (wir berichteten). Mal wieder, mag man sagen, denn das geschah in den vergangenen Jahren einige Male. Diese Reform aber war weitreichend.
Im Kern ging es darum, dass man das Transfersystem enger an die „Anmeldungen“ der Fahrer beim Weltverband knüpfte. Es gibt zwei Anmeldezeiträume für Fahrer bei der UCI für die Teams – 1. bis 15. August (mit sofortiger Wirkung während der Saison) und 15. Oktober bis 31. Dezember für die Wechsel zur neuen Saison. Mit der Regeländerung 2024 galt, dass Teams und Fahrer offiziell terminunabhängig verhandeln können. Es können Fahrer (oder ihre Agenten) also lange vor Ablauf des Vertrages mit anderen Teams verhandeln. Zudem wurden auch neue Regeln für einen Wechsel während der Vertragslaufzeit geschaffen – kann man hier im Reglement nachlesen.
All die Änderungen legen nahe, dass man sich bei der UCI darum bemüht, die „Transfers im Radsport“ etwas zu vereinfachen und klare Regeln zu schaffen – die nicht ständig umgangen werden. Die wilde „Cian Uijtdebroeks Transfer-Story“ spielte bei der Neugestaltung des Reglements vermutlich auch eine Rolle.
Plattform mit Infos zur Vertragslänge
Im Zuge der Reform wurde auch die Notwendigkeit von Laufzeit-Informationen deutlich. Es wurde fixiert, dass die Beteiligten bei Anfragen von anderen Mannschaften korrekt Auskunft geben müssen – andernfalls droht eine Strafe. Zudem wurde eine Plattform geschaffen, bei der Teams und Agenten die Vertragslaufzeiten einsehen können. Damals war es so im Reglement fixiert: „Die UCI veröffentlicht auf einer Plattform, die für UCI-registrierte Teams und Fahreragenten zugänglich ist, folgende Informationen: Die Namen der Fahreragenten. Die Laufzeit der Fahrerverträge“. Diese Plattform wurde tatsächlich geschaffen und ist seit einigen Monaten bereits nutzbar. Das bestätigten Agenten gegenüber CyclingMagazine. Für Medien und Fans sind die Daten nicht einsehbar.
Warum hält sich der 1. August?
Noch immer hält sich der 1. August – aber warum ist das so? Vermutlich hat es mehrere Gründe. Nach Gesprächen mit Agenten und Teamchefs ist klar, dass es keine Absprache zwischen den Mannschaften gibt, diesen Termin abzuwarten. Ein Stück weit spielt auch Respekt eine Rolle, äußerte sich ein Teamchef. Verständlich, will man beispielsweise bei der Tour de France den Fokus auf der Mannschaft lassen, für die der Fahrer aktuell in die Pedal tritt. Käme beim alten Team und dessen Sponsoren vielleicht nicht so gut an, wäre klar, in welchem Trikot der Fahrer künftig die Ergebnisse holt. Und Tradition ist im Radsport ein hohes Gut – haben wir bislang so gemacht, warum also ändern? Auch das ist nachvollziehbar. Es stellt sich schlicht auch die Frage, welchen Vorteil man haben könnte, wenn man vor dem 1. August den Transfer veröffentlicht. Nach der Tour de France mit Beginn des Schlussdrittels der Saison mit Verpflichtungen für positive Kommunikationsanlässe zu sorgen, scheint durchaus ein schlüssiger Weg. Einige Transfers sind bereits durchgesickert, viele wabern bereits seit Monaten durchs Peloton. Und für Fans und Medien ist die Gerüchteküche stets von Interesse! Bis zum 1. August ist es nicht mehr weit!


