
Kasia Niewiadoma (Canyon//SRAM) hat als Solistin den mit Spannung erwarteten Schlagabtausch der Favoritinnen am Mont Ventoux gewonnen. Die 31-jährige Polin hatte sich 9,3 km vor dem Gipfel von Marlen Reusser (Movistar) und Demi Vollering (FDJ United-Suez) abgesetzt und war nicht mehr zu stoppen. Vollering erreichte das Ziel mit einem Rückstand von 1:16 Min. als Zweite. Dritte wurde Elisa Longo Borghini von UAE L’IMAD (1:42 Min.), die kurz vor dem Ziel Marlen Reusser überholen konnte. Antonia Niedermaier (Canyon//SRAM) wurde Sechste.
Kasia Niewiadoma liegt in der Gesamtwertung nun 15 Sekunden vor Demi Vollering und 39 Sekunden vor Marlen Reusser. In den anderen Sonderwertungen bleibt alles beim Alten: Puck Pieterse (Fenix PremierTech) trägt das Bergtrikot, Lorena Wiebes (SD Worx ProTime) das Punktetrikot und Antonia Niedermaier führt weiter die Nachwuchswertung an.
Die 7. Etappe: 146,8 Kilometer von La Voulte-sur-Rhône bis zum Gipfel des Mont Ventoux – bei insgesamt 3500 Höhenmetern waren Kletterkünste gefragt

Was sonst so passierte:
Ohne Kiara Lylyk (Mayene Monbana My Pie), Katrine Aalerud (Uno-X Mobility) und Anna Van der Breggen (SD Worx ProTime) machte sich das Feld mit 128 Fahrerinnen auf den Weg. Puck Pieterse baute in der Anfangsphase mit dem Gewinn der ersten beiden Bergwertungen ihre Führung in der Sonderwertung aus. Erst 75 km vor dem Ziel bildete sich eine maximal elfköpfige Spitzengruppe, die einen Vorsprung von bis zu drei Minuten herausfahren konnte. Zu den Ausreißerinnen gehörten unter anderem Marit Raaijmakers (Human Powered Health), Paula Patino (Laboral Kutxa Fundacion Euskadi), Sandrine Tas (Lotto-Intermarché) und Clémence Latimier (Ma Petite Entreprise), die allesamt keine Gefahr für das Gelbe Trikot darstellten.
Den Zwischensprint in Beaumes-de-Venise gewann Amalie Dideriksen (Cofidis), die Bergwertung am Col de Suzette ging an Ruby Roseman-Gannon (Liv AIUla Jayco). 30 Kilometer vor dem Ziel lag der Vorsprung der Ausreißerinnen noch bei 1 Minute, kurz vor dem Einstieg in den finalen Anstieg war es um die Fluchtgruppe geschehen.
Das Feld dünnte sich rasch aus. 11 km vor dem Gipfel lagen noch neun Fahrerinnen vorne – abgesehen von Kim Le Court-Pienaar war die gesamte Top 10 vertreten. Als Demi Vollering kurz darauf attackierte, konnten nur Reusser und Niewiadoma folgen. Letztere griff als Nächste. Ihr Vorsprung wuchs kontinuierlich: 6 km vor dem Ziel lag Kasia Niewiadoma fast 1 Minute vor ihren beiden Konkurrentinnen. Die Tour-Siegerin von 2024, die vor der Etappe einen Rückstand von 1:17 Min. hatte, setzte sich virtuell an die Spitze der Gesamtwertung. Hinter Reusser und Vollering kämpfte eine Verfolgergruppe mit Niedermaier, Blasi, Longo Borghini und Kerbaol um den Anschluss. An der Spitze ließ sich die Canyon//SRAM-Fahrerin den Sieg nicht mehr nehmen. Kasia Niewiadoma riss im Ziel die Arme hoch, während sich Vollering zum Schluss von Reusser absetzte und den 2. Platz sicherte. Die Trägerin des Gelben Trikots wiederum musste im Ziel auch noch Elisa Longo Borghini an sich vorbeiziehen lassen und wurde Vierte.
Erkenntnisse des Tages:
- Der Auftritt von Kasia Niewiadoma, der im finalen Anstieg keine Fahrerin folgen konnte, war extrem beeindruckend. Nun ist sie die Favoritin auf den Gesamtsieg, nicht zuletzt dank starker Helferinnen wie Antonia Niedermaier. Allerdings ist der Vorsprung auf Demi Vollering mit 15 Sekunden alles andere als komfortabel. Am Sonntag „droht“ der Tour de France Femmes das nächste Sekunden-Drama.
- Einmal mehr zeigte UAE L’IMAD eine glänzende Teamleistung. Mit Elisa Longo Borghini, Paula Blasi und Dominika Wlodarczyk landeten gleich drei Fahrerinnen auf dieser schweren Bergetappe in den Top 10. So konnte der Vorsprung in der Teamwertung weiter ausgebaut werden.
- Vorjahressiegerin Pauline Ferrand-Prévot hat die Titelverteidigung bereits abgehakt, doch auch ein prestigeträchtiger Tageserfolg war heute in weiter Ferne. Schon früh verlor sie im finalen Anstieg den Anschluss und beendete das Rennen mit einem Rückstand von 10:44 Min. auf dem 18. Platz.

