Vielseitigkeit ist Trumpf, zumindest wenn ein Blick auf die Ergebnisse im Nachwuchs bei den Mountainbike-Weltmeisterschaften in Val Di Sole in Italien geworfen wird. Denn mit dem neuen Weltmeister Connor Wright aus Australien, dem Österreicher Michael Hettegger und dem Schweizer Marwan Barhoumi bildeten drei Fahrer das Podium, welche den Offroad-Sport stark mit der Straße kombinieren. So arbeitet Wright mit Tudor Pro Cycling eng zusammen, wird die nächste Saison in deren Development Team fahren, während es bei Hettegger die Nachwuchsabteilung von Lidl – Trek ist, die sich um den Österreicher kümmert. Barhoumi gehört aktuell zur U19-Mannschaft von Soudal – Quick Step.

“Ich freue mich, dass aktuell so viele Fahrer auf der Straße als auch am Mountainbike unterwegs sind. Es ist gut für den Mountainbikesport und man sieht, dass auch mehr und mehr die Straßenteams in diese Welt eintreten. Wir Junioren fahren eigentlich das ganze Jahr gegeneinander auf jedem Terrain und es sind sehr intensive, aber auch richtig coole Kämpfe“, schilderte Wright.

Er gewann in der Slowakei in diesem Jahr schon einen Nations Cup auf der Straße, wurde vor einem Monat Dritter bei der Junioren-Rundfahrt in Oberösterreich (Foto links). Übrigens zeitgleich damals mit Hettegger, den er bei dessen Heimrennen vom Podium drängte, aufgrund der besseren Tagesplatzierungen.


Auch das Ergebnis der Juniorinnen in Val Di Sole unterstrich, dass die neue Generation in mehr als einer Disziplin top ist. Dort ist die Situation fast noch eklatanter, denn die Schweizerin Anja Grossmann, die Tschechin Barbora Bukowska sowie die Französin Lise Revol teilten sich in den letzten Jahren im Cyclocross, am Mountainbike sowie am Rennrad die Medaillen fast ausschließlich untereinander auf. Im Cross standen sie auf vier der sechs möglichen Podiumsplätze, am Mountainbike waren die Bilanz gleich, hinzu standen sie bei den in der Schweiz ausgetragenen Europameisterschaften auf den ersten drei Plätzen. Und bei den letzten Straßen-Weltmeisterschaften in Ruanda eroberte Grossmann Silber. Das Aufatmen der jüngeren Fahrerinnen im ersten Juniorinnen-Jahr wird groß sein, wenn das erfolgreiche Trio nun eine Altersklasse weiter aufsteigt.

Die erfolgreichen Mountainbike-Trios gehören sicherlich auch in knapp einen Monat zum Kreis jener, die bei den Straßen-Welt- und -Europameisterschaften am Podium landen können, mit Ausnahme natürlich von Wright, für den als Australier nur Montreal in Frage kommt. Dort warten vor allem auf die männlichen Junioren richtig harte Rennen. 2.700 Höhenmeter auf 134 Kilometern stehen am Parcours in Kanada auf dem Programm, gefahren wird ausschließlich auf der Schlussrunde, zehnmal. Dort brauchen die möglichen Stars der Zukunft nicht einmal den Vergleich mit den Profis scheuen, die zwar eine lange, aber flache Anfahrt zu bewältigen haben, dann aber zwölf Mal die Schlussrunde am Mont Royal absolvieren.

Noch wilder wird es dann in Slowenien, wo der einzige Unterschied vom Rennen der Junioren zu jenem der Elite die 85 Kilometer lange Anfahrt ist, die die Großen von der Hauptstadt Laibach zum Zielort Sencur führt. “Das werden die härtesten beiden Eintagesrennen für uns werden“, ist sich Hettegger sicher und fügte an: “Die Profis haben die Anfahrt und wir lassen halt den lockeren ersten Teil weg. Dafür geht es gleich mit voll Karacho in die schweren Schlussrunden.“

Michael Hettegger bei der OÖ Juniorenrundfahrt
(Foto: ©Maurer)

In Val Di Sole holte er sich die erste WM-Medaille seiner noch jungen Karriere, kurz davor gewann er bei den Europameisterschaften auch den Vizetitel. Damit konnte er große Ziele seiner Saisonplanung abhaken und möchte nun auch auf der Straße nachlegen. Für den Bergspezialisten sind die schweren Kurse in Kanada und Slowenien gut, wenn er auch fast noch längere Anstiege bevorzugen würde. So gewann er im Vorjahr das Rennen San Martino di Lupari in Italien, welches am Ende auf den Monte Grappa hinaufführte. Hettegger gewann, seine Auffahrtszeit schaffte es auf Strava in die Top 20, obwohl zahlreiche Profis ihre Zeiten aus dem Giro d’Italia 2024 dort auch hochgeladen hatten. So war er mit seinen 16 Jahren damals sechseinhalb Minuten langsamer als die Topzeit von Tadej Pogacar, auf Simon Geschke, dem Sechsten der Strava-Bestenliste fehlten dem Österreicher aber nur zweieinhalb Minuten.

“Ich finde es geil, wenn von Anfang an voll gedrückt wird. Darum mag ich ja den Mountainbike-Sport auch gerne, weil dort halt die Leistung allein zählt. Dennoch finde ich auch mehr und mehr Gefallen an den taktischen Elementen auf der Straße“, so Hettegger, der scheinbar spielend von einem auf das andere Rad wechseln kann. Sein Plan im Training ist dabei, fast ausschließlich auf jenem Rad zu trainieren, mit dem er das nächste Rennen bestreitet. Für ihn geht es nun gleich in Italien weiter, wo er Anfang September bei der Lunigiana-Rundfahrt um den Sieg mitfahren will. Dort könnte er einigen prominenten Namen nachfolgen, wie Pogacar (2016), Remco Evenepoel (2018), Lenny Martinez (2021) oder Paul Seixas (2024).

Die drei Medaillengewinner von Val Di Sole – Michael Hetterger, Connor Wright, Marwan Barhoumi

(Foto: © Ben Zeimes/Cycling Austria

Noch fast um die Spur vielseitiger als Hettegger ist Connor Wright. Der in Südafrika geborene und im achten Lebensjahr nach Australien gezogene Athlet war in seiner Jugend sogar im Downhill erfolgreich und beim Enduro. Erst mit 15 habe er sich dann für das Mountainbike entschieden und mittlerweile hat ihn die Karriere auf die Straße geführt. Seine Idole sind aber dennoch stark im Offroad angesiedelt, mit Greg Minaar und Nino Schurter. Beiden schaute er schon früh in seinem Leben, als 2013 die Mountainbike-Weltmeisterschaften in Pietermaritzburg stattfanden, schon auf die Beine. Minaar holte das Regenbogentrikot vier Mal im Downhill, Schurter unglaubliche zehn Mal im Cross-Country. Seit er die beiden damals sah, hatte er auch den Traum vom Regenbogentrikot, welchen er sich nun bei den Junioren erfüllen konnte.

Aber auch Van der Poel und Pidcock findet Connor Wright ganz cool und schlug dann doch noch eine Brücke auch zum Straßensport. Denn dieser bildet auch in seiner Entwicklung eine wichtige Rolle, wie er erzählt: “Ich arbeite eng mit dem Team von Tudor zusammen, sie haben mich sehr unterstützt und mich auch besser gemacht. Das war essenziell für die Regenbogenstreifen.“ Im nächsten Jahr wird er aber nicht nur ausschließlich für die Schweizer Equipe auf der Straße in die Pedale treten, auch seine Mountainbikekarriere im Weltcup kann er in der U23 mit deren Support weiterführen.

Genau diesen Disziplinenspagat versucht auch der Schweizer Barhoumi, der in Val Di Sole noch einen Trainingssturz zwei Tage vor dem Wettkampf verarbeiten musste. Die noch sichtbaren Kratzer am Ellbogen von den Europameisterschaften zeugen, dass der 17-Jährige ein Kämpfer ist, der so gut wie nie aufgibt oder zurückzieht: “Es ist irgendwie meine Art, denn ich suche immer die Steigerung, auch wenn ich nur auf Rang 20 herumfahre, mag ich mich verbessern. Meine Mentalität ist es, immer alles zu probieren.“

Vor einem Jahr gewann er in Österreich die Gesamtwertung der Oststeiermark Radjugendtour, einem mehrtägigen Etappenrennen für die U17-Kategorie, welches aktuell seinen Nachfolger sucht. Er selbst folgte auf Hettegger, der das Rennen 2024 gewinnen konnte, womit die beiden letzten Gesamtsieger beide am Podium im Cross-Country der Junioren wiederzufinden waren. In Montreal könnten sich Wright, Hettegger und Barhoumi wiedersehen, der Start des Australiers und des Österreichers sind schon fixiert, Barhoumi macht sich auch große Hoffnungen auf eine Selektion im Schweizer Team. “Das wird dann auch sicher ein richtig gutes Rennen“, grinste Wright zum Abschluss. Ob jeder der Teilnehmer eine Freude an der sicher sehr offensiv zu erwartenden Fahrweise des Trios haben wird, ist aber dann doch noch in Frage zu stellen. Leicht wird es sicherlich nicht gegen die drei so kletterstarken Multiradsportler.


Disclaimer: Unser Autor Peter Maurer ist ebenfalls für den Österreichischen Radsportverband tätig.