
Am Donnerstagmorgen starten die U23-Frauen. Um 9 Uhr Ortszeit (Deutschland +6h) beginnt ihr Rennen über 134 Kilometer. Das Rennen wird komplett auf dem anspruchsvollen Stadtkurs in Montreal ausgetragen. Insgesamt 10 Runden müssen die Frauen der U23 absolvieren. So sammeln sie satte 2690 Höhenmeter. Die Elite-Frauen absolvieren übrigens nur acht Runden auf dem Stadtkurs, haben aber eine längere Anfahrt. Auch die Junioren absolvieren 10 Runden und damit die gleiche Distanz. Ihr Rennen wird am Donnerstag nach dem der U23-Frauen ausgetragen.
Das U23-Rennen der Frauen ist ein Brett! Die Runde in Montreal ist anspruchsvoll, hat kaum Passagen, wo man sich auch nur etwas erholen kann. Die Steigung nach dem Start ist die größte Herausforderung, wenn auch nur etwas mehr als eineinhalb Kilometer lang. Doch die Anstrengungen werden sich aufsummieren und es wird für den Großteil des Pelotons zur echten Herausforderung.

Anders als bei den U23-Männern dürfen auch Frauen starten, die bereits einem WorldTour-Team angehören. Das gilt beispielsweise für die Kanadierin Isabella Holmgren, die zum Lidl-Trek-Team gehört und zu den Favoritinnen zählt. Auch ihre Schwester Ava, die Französin Marion Bunel, die Britin Cat Ferguson, die neue U23-Zeitfahrweltmeisterin Felicity Wilson-Haffenden und ihre Teamkollegin Talia Appleton aus Australien, die Italienerin Eleonora Ciabocco, die Belgierinnen Febe Jooris, Lore De Schepper und Fleur Moors, die Spanierin Paula Ostiz und auch die deutsche Hoffnung Justyna Czapla sind bereits Profis.
Das Leistungsgefälle im U23-WM-Peloton ist enorm, die Voraussetzungen der Athletinnen sehr unterschiedlich. So ist das Fahrerinnenfeld ein Mix aus gestandenen Weltspitze-Fahrerinnen, aber auch jungen Fahrerinnen aus kleinen Kontinental-Mannschaften. Insgesamt 26 Fahrerinnen gehören zu einem WorldTeam, zudem sind sechs bei einem ProTeam.

Schlüsselstelle des Rennens ist der längere Anstieg kurz nach Beginn der Runde. Etwas mehr als eineinhalb Kilometer lang und bis zu 10% steil. Kein Monsterberg, wird aber bei 10 Auffahrten irgendwann doch eine Herausforderung.
Das deutsche Team mit Chancen
Das deutsche Team bilden vier Fahrerinnen. Die Kapitänsrolle hat die 22-jährige Justyna Czapla. Sie fährt für das deutsche World-Tour-Team CANYON//SRAM, hat bereits große Rennen bestritten und war auch schon beim Giro d’Italia und auch der Vuelta am Start. Der Parcours sollte ihr liegen und sie hat durchaus Chancen auf eine gute Platzierung. Auch eine Medaille ist bei einem perfekten Rennen nicht unmöglich. An ihrer Seite wird die 19-jährige Joelle Amelie Messemer sein, die für die Nachwuchsmannschaft von CANYON//SRAM fährt und im vergangenen Jahr bereits zum deutschen Team bei der U23-Europameisterschaft zählte. Magdalena Leis vom UAE Development Team holte bei den Juniorinnen im vergangenen Jahr EM-Silber im Zeitfahren und feierte erst vor wenigen Tagen ihren 19. Geburtstag. Sie war in der Vorbereitung auf die WM krank, geht voraussichtlich nicht mit absoluter Top-Form ins Rennen. Die ebenfalls 19-jährige Clara Jäger komplettiert das vierköpfige Aufgebot. Jäger fährt für das Konti-Team LKT und war bislang noch nie bei internationalen Großevents dabei. Mit einer starken Deutschen Meisterschaft der Elite und soliden Leistungen auf hügeligem Terrain hat sie sich den Startplatz gesichert.
Der Fokus dürfte klar sein – alles für das bestmögliche Ergebnis mit Czapla. Drei Helferinnen für die 22-Jährige, die es im Finale dann selbst regeln muss.
Favoritinnen
Die gestandenen Profis sind die Favoritinnen. Allen voran das kanadische Team um Isabella Holmgren und Sidney Swierenga. Mit der Niederländerin Nienke Vinke ist die Gesamtelfte der Tour de France am Start – sie ist extrem stark einzuschätzen. Die Italienerin Eleonora Ciabocco war im vergangenen Jahr Vierte der WM, holte Silber im EM-Straßenrennen. Die Französin Julie Bego holte bei der WM 2025 auf dem schweren Parcours Bronze, zählt für die WM am Donnerstag zum Favoritenkreis. Die Slowakin Viktória Chladoňová holte in Kigala sowohl im Zeitfahren als auch im Straßenrennen Silber. Im WM-Zeitfahren am Montag verpasste sie Bronze nur ganz knapp – der anspruchsvolle Parcours des Straßenrennens liegt ihr ganz sicher!
***** Holmgren, Vinke, Chladonova
**** Fergusen, Swierenga, Bunel
*** Jooris, Huys, Moors, Appleton, Coupland
** Czapla, Dixon, De Schepper
* Ostiz, Arens, Reijnhout, Bego, Volstad, Mul
Die Startliste bei PCS
Das Rennen der Junioren
Die Junioren absolvieren die gleiche Strecke und die gleiche Distanz wie die U23-Frauen. 10 Runden über den Stadtkurs in Montreal. Auch für sie kein leichtes Rennen. Die Nationen mit mehreren starken Fahrern können versuchen, früh in die Offensive zu gehen. Die lange Steigung zu Beginn der Runde wird vermutlich zur Schlüsselstelle. Wird das Tempo dort immer wieder angezogen, kommt es zu einem Ausscheidungsfahren.

Favoriten – das deutsche Team in Außenseiterrolle
Schmerzlich vermisst wird im deutschen Team Karl Herzog, der sich bei einem Sturz kurz vor der WM verletzte und nicht dabei sein kann. Das schmälert die Medaillenchancen enorm. German Cycling schickt so nur vier Fahrer ins Rennen: Alwin Beyer, Luan Elsäßer, Max Jerzyna und Owen Kings. So ist die deutsche Mannschaft eher in der Außenseiterrolle.
Zu den Favoriten zählen andere Nationen. Top-Favorit Seff Van Kerckhove aus Belgien fehlt. Er war im Training mit einem Auto kollidiert und kann nicht antreten. Medaillenhoffnungen darf sich Österreich machen, die mit Michael Hettegger den 13. aus Kigali dabei haben. Der US-Amerikaner Enzo Hincapie ist stark einzuschätzen. Zudem gilt vor allem auch der Spanier Benjamín Noval als Favorit. Er wird ab kommendem Jahr für Ineos in der WorldTour starten. Den Schweden Elias Wändel sollte man sicher auch auf dem Zettel haben. Ebenso wie den Dänen Malthe Risbjerg.
Belgien, Frankreich, Italien und auch Großbritannien stellen ebenso starke Teams. Der Belgier Vic De Smet ist gut in Form, die Italiener Patrik Pezzo Rosola und Luca Gugnino sind auf diesem Terrain ebenfalls stark einzuschätzen. Der endschnelle Franzose Simon Defrance zeigt bislang eine herausragende Saison, auch wenn ihm ein weniger anspruchsvolles Terrain wohl besser passen würde. Seine Teamkollegen Lancelot Gayant und Bastian Laffitte sollte man ebenso nicht aus den Augen lassen.
***** Noval, Hettegger, De Smet,
**** Pezzo Rosola, Fedrizzi, Hincapie,
*** Storrie, Risbjerg, Balliana, Wright, Gayant, Wändel
** Haugetun, Martinez, Bonnet, Defrance
* Bohak, Gugnino, Barhoumi, Rodriguez, van den Biggelaar, Costa, Birkedal,
Die Startliste bei Firstcycling

