Der König der Mur de Huy

Er war der große Favorit und er hat souverän gewonnen. Alejandro Valverde hat abgeliefert. Trophäe Nummer fünf im Sack, fertig. Es ist sein Rennen, er ist wie gemacht dafür. Valverde kann klettern, hat den Punch und kann richtig tief gehen. Würde man sich einen Fahrer für den Flèche Wallonne basteln, es würde Valverde rauskommen. Sein Team muss die Ausreißer nur auf 20 Sekunden zurückholen und Valverde dann an der Mur abladen, dann läuft das Ding. Klingt einfach, ist es aber nicht. Sieht langweilig aus, ist aber so und hoch verdient.

 

Langeweile?

Für die Zuschauer ist der Fleche Wallonne leichte Kost. Die letzten 20 Minuten im Stream reichen locker, einen Urlaubstag muss man ohnehin nicht einplanen. Das Drehbuch ist klar: Frühe Gruppe ohne Chance, letztes Aufbäumen nach der vorletzten Mur Überfahrt und dann das Finale der Stars auf den letzten 1,3 Kilometern. Der Positionskampf im Feld ist sehr spannend, aber beim Zuschauen am TV leider auf “sieht schnell aus” reduziert. Mailand-Sanremo ist bis auf die letzte Rennstunde auch nicht viel spannender, aber das ist der erste große Klassiker im Jahr und man ist voller Vorfreude auf das neue Radsportjahr und man muss sich noch an die neuen Trikots gewöhnen. Hat man jedoch Flandern, Roubaix und in diesem Jahr auch das Amstel genossen, fällt man beim Fleche leicht in den Sekundenschlaf. Doch so ist das eben, denn die Fahrer bestimmen das Rennen und wollen gewinnen, was sonst. Beim Flèche Wallonne gilt es, den Kapitän an der Mur in guter Position abzuliefern, so wird das Rennen kontrolliert und gestaltet. Überraschungen gibt es da natürlich selten.
 

 

Ein ehrliches Rennen

Langweilig, aber ehrlich. An der Mur de Huy gibt es keine Überraschungssieger. “Das ist eben ein ehrliches Rennen”, sagen Michael Albasini oder auch Fabian Wegmann. Es ist ein Rennen, bei dem der Stärkste gewinnt und das hat durchaus seine Berechtigung. Ist es beim Zuschauen vielleicht etwas langweilig, hat es sportlich eine andere Ausstrahlung. Denn es erscheint doch nur fair, dass der Stärkste der Sieger ist. 

 

War Jungels Attacke ohne Chance?

Bob Jungels hatte keinen Bock, mit Valverde gemeinsam in die Mur zu gehen. Er hat attackiert und ein starkes Rennen gezeigt. Doch Movistar und Orica-Scott haben Jungels nicht weit weg gelassen. Hätte Jungels zwei starke Begleiter gehabt, hätte er vielleicht bessere Chancen gehabt, doch dann hätten Movistar und Orica-Scott der Gruppe wohl gar nicht erst so viel Vorsprung eingeräumt.
Jungels war extrem stark und hat die Helfer im Feld ordentlich leiden lassen, doch an der Côte de Cherave haben die starken Jungs hinten am Gasgriff gedreht und die Lücke schnell klein gemacht. Wäre es flach zum Ziel gegangen, hätte Jungels vielleicht … hätte, hätte, ist aber nicht. Vor einigen Jahren wurde der Anstieg extra eingeführt, um Attacken zu provozieren. Jungels hat es probiert und wäre es im Feld zu einem Sturz gekommen, hätte er durchkommen können. Wer nichts probiert, hat schon verloren. Doch der Flèche Wallonne ist eben der Flèche Wallonne, da sind die Chancen für Ausreißer eben überschaubar.

 

Streckenänderung? Ach komm.

Gewinnt jedes Jahr der gleiche Fahrer, wird natürlich schnell nach Veränderung gerufen. Das Ziel einfach weiter nach hinten verlegen, wäre eine Idee. Aber will man das Rennen ändern, nur weil eben einer mit Abstand der Stärkste ist? Denken wir Valverde weg, hätten wir in den vergangenen Jahren spannende Rennen und verschiedene Sieger gehabt. Gut, man kann kritisieren, dass das Rennen sich auf einen Bergsprint von 300 Metern beschränkt. Aber man kann dem das “ehrliches Rennen”-Argument entgegenhalten. Dazu ist es auch nur ein Rennen, mittwochs im langen Rennkalender. Und für die Fans an der Mur ist es ein großes Fest, kommen die Fahrer doch drei Mal im vermeintlichen Schneckentempo an ihnen vorbei. Und vorher schon die Damen beim Frauenrennen. Dazu ist der Flèche Wallonne die Mur & die Mur der Flèche Wallonne. Egal was man überlegt, zu ändern, will man wirklich dem Rennen seinen Charakter und seine Identität nehmen? 
Wir warten jetzt einfach, bis Valverde in Rente geht, so lange kann das ja nicht mehr dauern. Vielleicht.