Nairo Quintana (Team Movistar)

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Berg: 10/10 – der Stärkste wenn es ganz steil wird
Zeitfahren: 6/10 – diese Tour kommt ihm sehr entgegen
Kopfsteinpflaster: 6/10 – Im Frühjahr hat er sich auf dem Pflaster beachtlich geschlagen, dennoch wird der 7. Juli für ihn ein harter Tag.
Team: 9/10 – vor allem in den Bergen, aber auch fürs Team-Zeitfahren hat er sehr starke Helfer!
Taktisches Vermögen: 7/10 – individuelle Fehler sieht man selten

Bonus: Poker Face – am Limit, oder bereit für die Attacke, bei Quintana weiß man das nie, als hätte er bei Pavel Tonkov gelernt.

Schwäche: Auf der Windkante könnte es für den Kolumbianer schwierig werden, trotz starker Mannschaft

 

 

Chris Froome (Sky)Chris Froome (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Chris Froome (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 10/10 – in Topform auf Augenhöhe mit Quintana
Zeitfahren: 10/10 – er wird beim Prolog so viel Zeit wie möglich auf Quintana gutmachen wollen
Kopfsteinpflaster: ?/10 – die große Frage vor dieser Tour, was passiert in der Hölle des Nordens?
Team: 10/10 – Sky stellte in den letzten Jahren immer das stärkste Team, was sie in diesem Jahr an Kletter- und Rundfahrern dabei haben ist Wahnsinn.
Taktisches Vermögen: 8/10 – das Sky-Team aus den Jahren 2012 und 2013 brauchte keine Taktik, sie waren immer die Stärksten; aber Froome wirkt manchmal etwas hektisch, wenn es nicht so rund läuft.

Bonus: Selbst wenn er mal abgehangen ist, Chris Froome gibt nie auf und kann immer zurückkommen.

Schwäche: In den Abfahrten dosiert Froome scheinbar das Risiko – ist es nass und anspruchsvoll, kann man ihn in Schwierigkeiten bringen.

 

Alberto Contador (Tinkoff-Saxo)

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Berg: 9/10 – Contador ist am Berg kaum abzuhängen, zu Froome und Quintana fehlt nicht viel
Zeitfahren: 8/10 – Contador wird den Rückstand zu Froome beim Auftaktzeitfahren in Grenzen halten können.
Kopfsteinpflaster: 6/10 – Er kommt ordentlich übers Pflaster, kann hier aber dennoch einiges an Zeit verlieren.
Team: 9/10 – Für jedes Terrain hat Contador starke Helfer mit viel Erfahrung.
Taktisches Vermögen: 10/10 – Auch ohne Taktikfuchs Bjarne Riis im Begleitfahrzeug muss Contador nicht bange sein. Der Spanier hat in seiner Karriere schon alles erlebt und mehrfach seine Cleverness unter Beweis gestellt.

Bonus: Alberto Contador hat viele Stärken, doch im Kampf gehen Nibali, Froome und Quintana könnte sich seine Ruhe im Rennen als größter Vorteil erweisen. Gezeigt hat Contador diese Fähigkeit zuletzt beim Giro, als Astana vorm Mortirolo angriff, während der Spanier durch Defekt aufgehalten wurde. Eine brenzlige Situation, in der Contador aber Ruhe bewahrte und cool sein eigenes Rennen hinauf zum Gipfel des Mortirolo fuhr. Dass er den Giro-Sieg bereits in der Tasche hat, dürfte zusätzlich den Druck mindern.

Schwäche: Contador hat bereits den schweren Giro in Beinen, es bleibt abzuwarten, ob die Kräfte in der letzten Woche reichen. Ob man Oleg Tinkoff an das Teamfunk-Gerät lässt, bleibt ebenso abzuwarten, könnte aber eine Rolle spielen. Dass er dann gegebenenfalls Extra-Gehaltsboni durchgibt, oder die Kündigungen verliest, bleibt wilde Spekulation.

 

Vincenzo Nibali (Astana)

Vincenzo Nibali (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Vincenzo Nibali (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 9/10 – Ist Nibali in Topform, kann er am Berg den Abstand zu Froome und Quinatna in Grenzen halten.
Zeitfahren: 8/10 – Nibali gewann schon in der U23 eine WM-Medaille im Zeitfahren und ist immer noch stark im Kampf gegen die Uhr. Er wird am ersten Tag der Tour nicht viel Zeit verlieren.
Kopfsteinpflaster: 9/10 – Nibali hat im letzten Jahr mit seinem Ritt über das Pflaster alle überrascht. Seine perfekte Radbeherrschung ist ihm hier von Vorteil.
Team: 9/10 – Die Astana-Gang ist immer stark, das konnte man auch beim Giro sehen. Der Kader ist ausgewogen und auf jedem Terrain absolut konkurrenzfähig.
Taktisches Vermögen: 9/10 – Vincenzo Nibali fährt immer clever und hat ein Gespür für den richtigen Moment zur Attacke. Die Mannschaft ist meist so stark, dass selbst in kniffligen Situationen genug Helfer an der Seite des Kapitäns sind.

Bonus: Vincenzo Nibali ist ein herausragender Abfahrer. Er beherrscht sein Rad perfekt und scheut kein Risiko. Dazu hat er bereits alle drei großen Rundfahrten gewonnen und “muss” nicht mehr.

Schwäche: Der Hai von Messina greift gern an, abwarten liegt ihm nicht so sehr. Im letzten Jahr hat ihm das den Toursieg gebracht, doch 2015 ist die Konkurrenz auch zahlenmäßig größer. Manchmal kann es besser sein, etwas länger abzuwarten – doch Nibalis Angriffslust als Schwäche zu bezeichnen wäre zu viel.

 

Joaquim Rodriguez (Katusha)

Mr. Explosivität – Joaquim Rodriguez (Fot:Roth&Roth roth-foto.de)
Mr. Explosivität – Joaquim Rodriguez (Fot:Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 8/10 – Rodriguez ist sehr stark am Berg, selbst zu den absoluten Top-Leuten fehlt nicht viel.
Zeitfahren: 6/10 – Joaquim Rodriguez kommt diese Tour entgegen, denn bereits nach dem ersten Tag hat er das Einzelzeitfahren hinter sich gebracht.
Kopfsteinpflaster: 6/10 – Rodriguez mag das Pflaster nicht sonderlich, doch auch er hat bereits gezeigt, dass er es nicht mehr fürchten muss als Froome oder Contador.
Team: 7/10 – Das Katusha-Team wird ohne Frage eine schlagkräftige Mannschaft an den Start bringen. Doch im Vergleich zu Sky oder Astana wird man mit den Kräften deutlich stärker haushalten müssen. Ob sie beim Mannschaftszeitfahren mithalten können, muss man abwarten.
Taktisches Vermögen: 7/10 – Rodriguez selbst kann man nur selten taktische Fehler nachweisen, doch sein Team sah nicht immer souverän aus, beispielsweise bei der Vuelta 2012, als Contador Rodriguez doch noch das Leadertrikot abjagen konnte. Wie groß der Anteil des taktischen Geschicks und der, der mangelnden Stärke des Teams ist, ist im Radsport nicht immer genau abzulesen.

Bonus:  Sein Punch. Vor allem die Etappen mit kurzen, aber steilen Zielankünften liegen Purito wie keinem anderen im Peloton. Rodriguez hat die herausragende Fähigkeit, selbst in steilen Anstiegen auf dem letzten Kilometer den Turbo zu zünden und der Konkurrenz noch einmal eine halbe Minute abzunehmen.

Schwäche: Neben dem Zeitfahren wird Rodriguez auch die Etappen entlang der Küste fürchten. Wenn sich Windstaffeln bilden, kann das Leichtgewicht (57 kg) schnell einiges an Zeit verlieren.

 

Tejay van Garderen (BMC)

Tejay van Garderen (Foto Roth&Roth roth-foto.de)
Tejay van Garderen (Foto Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 8/10 – Der Amerikaner scheint in diesem Jahr noch stärker als in den letzten Jahren. Bei der Dauphine war der Abstand zu Froome am Berg nur gering.
Zeitfahren: 8/10 – Van Garderen ist ein starker Zeitfahrer, er wird zum Auftakt kaum Zeit auf Froome verlieren.
Kopfsteinpflaster: 6/10 – Im letzten Jahr hat sich der Amerikaner auf dem Pflaster ordentlich geschlagen, doch auch er musste viel Rückstand zu Nibali hinnehmen.
Team: 9/10 – Vor allem beim Mannschaftszeitfahren ist mit dem BMC-Team zu rechnen, doch auch für die Berge hat Van Garderen starke Helfer an seiner Seite.
Taktisches Vermögen: 8/10 – In Sachen Taktik ist der Amerikaner bislang weder positiv noch negativ aufgefallen. Als Cadel Evans noch im Team war, gab es häufig Diskussionen um die Kapitänsrolle, doch nun ist Van Garderen der alleinige Kapitän, auf dem die Hoffnungen ruhen. Dafür wurde sogar Philippe Gilbert zu Hause gelassen, obwohl er in Huy einer der Top-Favoriten auf den Etappensieg gewesen wäre.

Bonus:  Van Garderen ist ein sehr zäher Rennfahrer, und er hat eine sehr tempoharte Mannschaft um sich. Wenn es in den ersten Tagen der Tour entlang der Küste geht, könnte das Team den reinen Kletterern richtig weh tun.

Schwäche: Eine große Schwäche hat der Amerikaner nicht, auch der Druck des Leaders scheint ihn nicht zu belasten. Durch seine Statur und Körpergroße hat er es bei den ganz steilen Bergen gegen die Leichtgewichte wie Quintana oder Contador schwer.

 

Thibaut Pinot (FDJ)

Thibaut Pinot (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Thibaut Pinot (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 9/10 – Am Berg ist Pinot in seinem Element – je steiler, desto besser.
Zeitfahren: 5/10 – Der Kampf gegen die Uhr ist seine Schwäche, er wird froh sein, dass nur wenige Zeitfahrkilometer gibt.
Kopfsteinpflaster: 6/10 – Ebenso wie Contador oder Quintana mag auch Pinot das Pflaster nicht.
Team: 6/10 – In den Bergen wird sich Pinot auf die Unterstützung von Alexandre Giniez verlassen können. Doch beim Mannschaftszeitfahren wird es gegen die starken Teams richtig schwer.
Taktisches Vermögen: 8/10 – Thibaut Pinot wird nach dem Zeitfahren, dem Ritt übers Pflaster und dem Mannschaftszeitfahren mit ordentlich Rückstand in die Berge gehen. Dann heißt es Angriff, und genau das liegt ihm, denn abwarten ist nicht sein Ding.

Bonus:  Pinot hat zwar die Tour schon auf dem Treppchen beendet, doch er zählt auch bei dieser Ausgabe nicht zu den absoluten Top-Favoriten. Davon kann er profitieren, sollten sich die großen Vier nur anschauen und keiner nachführen wollen.

Schwäche: Pinot ist kein besonders guter Abfahrer. Vor zwei Jahren verlor er in der Abfahrt vom Col de Pailheres viel Zeit und alle Chancen auf einen vorderen Platz. Wenn es richtig schnell und gefährlich wird, fühlt er sich nicht wohl.

 

Romain Bardet (AG2R)

Romain Bardet (Foto::Roth&Roth roth-foto.de)
Romain Bardet (Foto::Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 9/10 – Wird es richtig steil, gibt es für den 24-Jährigen kein Halten mehr.
Zeitfahren: 6/10 – Romain Bardet ist kein besonders guter, aber auch kein schlechter Zeitfahrer. Er wird dankbar sein, dass es nur ein kurzes Zeitfahren gibt, sodass er nicht allzu viel Zeit auf Froome verlieren wird.
Kopfsteinpflaster: 6/10 – Wie die meisten Leichtgewichte versucht auch Bardet das Pflaster zu meiden. Im vergangenen Jahr hat er zwar Zeit auf Nibali verloren, fuhr aber auf ähnlichem Niveau wie Contador.

Team: 6/10 – Die französische Mannschaft verfügt mit Peraud und Vuillermoz über starke Bergfahrer, ist aber mit Johan Vansummeren auch für das Pflaster gut aufgestellt. Wir dürfen gespannt sein, wie stark sie sich beim Mannschaftszeitfahren präsentieren.
Taktisches Vermögen: 9/10 – Sieht Bardet eine Chance auf einen Etappensieg, greift er an. Er kennt die Schwächen seiner Konkurrenz und nutzt sie aus.

Bonus: Romain Bardet ist ein sehr guter Abfahrer, was er mit seinem Etappensieg bei der Dauphine Rundfahrt eindrucksvoll bewies. Dort griff er in der Abfahrt an und fuhr zum Sieg. Es war übrigens die identische Strecke, die in diesem Jahr bei der Tour am 22. Juli gefahren wird!

Schwäche: Man wird abwarten müssen, wie sich das Team am Ende taktisch verhält, schließlich haben sie mit Jean-Christophe Peraud den letztjährigen Zweiten im Team.  

 

Rui Costa (Lampre-Merida)

Rui Costa (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Rui Costa (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 8/10 – Der Portugiese ist am Berg sehr stark. Wird es extrem steil, hat er zwar gegen Fahrer wie Quintana das Nachsehen, aber Costa ist zäh und kann lange hohes Tempo gehen.
Zeitfahren: 8/10 – Costa ist ein ordentlicher Zeitfahrer, der beim Auftakt auf Nibali oder Contador kaum Zeit verlieren wird.
Kopfsteinpflaster: 6/10 – Im letzten Jahr kam er bei der Pflaster-Etappe gemeinsam mit Bardet, Van Garderen und Pinot ins Ziel. Für ihn gilt das, was für fast alle starken Kletter gilt – sie atmen auf, wenn die 4. Etappe überstanden ist.

Team: 7/10 – Vor allem im Gebirge darf man vom Lampre-Merida-Team einiges erwarten. Valls, Durasek und auch Serpe sind starke Kletterer. Für das Mannschaftszeitfahren sind mit Nelson Olivera und Ruben Plaza zwei Spezialisten dabei.
Taktisches Vermögen: 8/10 – Der 28-Jährige ist sehr erfahren und hat schon einige große Siege eingefahren. Nicht nur bei seinem WM-Sieg 2013 hat er Gespür für den richtigen Zeitpunkt für die entscheidende Attacke bewiesen.

Bonus: Rui Costa ist ein starker Klassiker-Fahrer. Vor allem in der ersten Woche, wenn die kurzen giftigen Anstiege anstehen, wird er sich stark präsentieren wollen.

Schwäche: Abgesehen davon, dass mit dem Portugiesen manchmal die Pferde durchgehen, 2010 prügelte er sich mit Carlos Barredo, hat er bei den großen Rundfahrten Probleme mit der Konstanz. Die Tour de Suisse hat er bereits drei Mal gewonnen, doch bei der Frankreich-Rundfahrt hat er meist einen schlechten Tag, oder ihm geht in er letzten Woche scheinbar die Kraft aus.

 

Mathias Frank (IAM)

Mathias Frank (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Mathias Frank (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Berg: 8/10 – Mathias Frank mag die richtig steilen Anstiege lieber als die Rollerberge.
Zeitfahren: 8/10 – Im Kampf gegen die Uhr kann der Schweizer mit Nibali und Quintana mithalten, was er sowohl bei der Tour de Suisse, als auch bei der Tour de Romandie schon bewiesen hat.
Kopfsteinpflaster: 5/10 – Das Pflaster liegt dem 28-Jährigen nicht. Im letzten Jahr verlor Frank auf der Kopfsteinpflasteretappe fast 4 Minuten auf Vincenzo Nibali.

Team: 7/10 – Für die Schweizer IAM-Equipe wird ein ausgewogenes und sehr starkes Team in Utrecht am Start stehen. Sowohl in den Bergen, als auch fürs Team-Zeitfahren haben sie erfahrene und starke Rennfahrer dabei.
Taktisches Vermögen: 8/10 – Dass Mathias Frank über viel Renninstinkt verfügt, hat er schon in der U23-Klasse bewiesen, als er 2007 die Thüringen Rundfahrt vor Tony Martin gewann. Mit Martin Elmiger, Stef Clement und Sylvain Chavanel hat er zudem sehr erfahrene Männer an seiner Seite, die ihn auch bei den windanfälligen Küstenabschnitten aus dem Gröbsten raushalten können.

Bonus:  Auf Mathias Frank werden die Favoriten vielleicht nicht ganz so genau achten, was ihm taktische Möglichkeiten bieten kann. Ist er in einer Gruppe mit dabei, kann er Zeit auf die Top-Favoriten gutmachen.

Schwäche: Eine echte Schwachstelle hat Mathias Frank nicht. bei der Tour hatte er bislang immer Pech, bis in die Berge ist er meistens nicht gekommen. Zu den absoluten Top-Leuten fehlte überall ein klein wenig, aber wenn er sturzfrei durchkommt, ist Top-10 mehr als realistisch.