Mit 258 Kilometern Gesamtlänge und mehr als 4500 Höhenmetern ist Lüttich-Bastogne-Lüttich nur etwas für die kletterstarken Klassikerfahrer. Die „La Doyenne“ (die Älteste) wird bereits zum 103. Mal ausgetragen. Die Strecke ist in jedem Jahr sehr ähnlich. Für die diesjährige Austragung mussten wegen Bauarbeiten einige der bekannten Abschnitte aus dem Programm genommen werden. Lü-Ba-Lü ist eine Ardennen-Achterbahnfahrt und ein knüppelhartes Rennen. Im vergangenen Jahr hatten die Profis zudem noch mit Kälte und Schnee zu kämpfen, das bleibt ihnen in diesem Jahr wohl erspart.

 

Die Strecke

Vom Start im Zentrum Lüttichs führt das Rennen gen Süden bis nach Bastogne. Nach der Verpflegung führt die Schleife zurück nach Lüttich, genauer gesagt in den Vorort Ans, wo das Rennen auf einer kurzen Geraden nach einem Anstieg endet. Vor allem der Rückweg nach Lüttich hat es in sich. Es warten auf den letzten 100 Kilometern acht, teils sehr steile Anstiege. 

Profil von Lüttich-Bastogne-Lüttich 2017

 

Das berühmte Trio Côte de Wanne, Cote de Stockeu und Cote de la Haut Levée wird es in diesem Jahr nicht geben. Während die Stockeu bereits im vergangenen im Profil fehlte, wurden auch die anderen beiden Anstiege wegen Bauarbeiten an der Haut Levée gestrichen. Dafür rücken Cote du Pont, Cote de Bellevaux und Cote de la Ferme Libert ins Programm. Vor allem Ferme Libert ist ein übler Anstieg. Jedoch sind es vom Gipfel noch 78 Kilometer bis ins Ziel. Es folgen Col du Rosier und Col du Maquisard, ehe es zur berühmten Redoute geht.

Die wichtigsten Anstiege, LüBaLü 2017

 

Die  Côte de la Redoute, ein Anstieg über zwei Kilometer mit einer maximalen Steigung von 17%, eröffnet 30 Kilometer vor dem Ziel spätestens das Finale. Etwa 20 Kilometer vor dem Ziel wartet der „Falkenfelsen“ (Côte de la Roche-aux-Faucons, 1,3 km, 11% durchschn. Steig.). Hier könnte eine Vorentscheidung fallen, wenn sich eine Gruppe absetzen kann.
Auf den letzten Kilometern folgt dann nach einer Abfahrt die Côte de Saint-Nicolas (1,2 km, 8.6%). Die im vergangenen Jahr ins Programm genommene Rue Naniot, ein etwa 550 Meter langer Pflasterabschnitt auf schmaler Straße, wurde wieder gestrichen. Wohl auch, um das Rennen schon vorher zu beleben, denn die Fahrer hatten im Vorjahr bis zu diesem Anstieg eher defensiv agiert. Bevor die Fahrer dann links auf die kurze Zielgerade einbiegen, muss noch der Anstieg in Ans bewältigt werden.

Karte von Lüttich-Bastogne-Lüttich 2017

Die Favoriten

Als Topfavorit geht Alejandro Valverde ins Rennen. Der Movistar-Kapitän hat am Mittwoch souverän den Flèche Wallonne gewonnen und wird in Top-Form am Start stehen. Mit Siegen bei der Katalonien-Rundfahrt, der Baskenland-Rundfahrt und der Ruta del Sol läuft das Frühjahr für den 36-Jährigen nahezu perfekt. Mit seinem vierten Sieg bei der Doyenne wäre die Saison 2017 schon im April mit Prädikat “super” im Sack. Valverde ist ein absolutes Ausnahmetalent. Auch wenn die Doping-Sperre wie ein dunkler Schatten über seiner Karriere hängt, ist seine Leistung beeindruckend. Kein anderer Fahrer im Peloton kann über die komplette Saison solch konstante Leistungen zeigen. Das ist durchaus ein Beleg für Valverdes außergewöhnliches Talent.

Die Konkurrenz wird versuchen, den endschnellen Spanier schon vor dem letzten Rennkilometer in Bedrängnis zu bringen. Quick-Step schickt Daniel Martin als Kapitän ins Rennen, hat aber mit Gianluca Brambilla, Dries Devenyns und Petr Vakoc Helfer dabei, die auch selbst ihre Chancen suchen können. Taktisch flexibel könnte man früh in die Offensive gehen. Typisch Quick-Step, würde man nach diesem Frühjahr sagen.

Beim Team BMC ist offiziell Samuel Sanchez der Leader. Doch Greg van Avermaet wird nicht an den Start rollen, um Valverde mal beim Radfahren zuzugucken. Es wird interessant zu beobachten sein, welche Rolle der Roubaix-Sieger spielen kann. Zu verlieren hat er nix, und er wird selbst nicht so genau wissen, wozu die Form noch reicht. Es gibt also keinen Grund für langes Abwarten. Dazu hat man mit Dylan Teuns, der beim Fléche Wallonne mit Rang drei überraschte, noch ein Ass im Ärmel.

Gespannt darf man auf die französische Mannschaft Ag2R sein. Mit Romain Bardet haben sie einen Leader, der wie gemacht ist, für dieses Rennen – bergab extrem stark, bergauf sowieso und um keine Attacke verlegen. Dazu wird er Pierre Latour, Alexis Vuillermoz und Joker Domenico Pozzovivo an seiner Seite haben. Pozzovivo kommt direkt von der Tour of the Alps, wo er bewiesen hat, dass seine Form sehr gut ist. Seinen Ruhetag hat er mit der Reise verbracht und die Strecke kennt der kleine Italiener eh. Ag2R – Team-Attacke.

Ähnlich angriffslustig darf man die Teams Astana, mit Jakob Fuglsang, Alexey Lutsenko und Dario Cataldo, und Lotto-Soudal, mit Vanendert, Thomas De Gendt und Tim Wellens erwarten. Das Team Sunweb schickt Tom Dumoulin und Warren Barguil ins Rennen. Barguil ist extrem stark, das hat er beim Amstel und auch beim Fléche bewiesen. Vielleicht kann Dumoulin dem Franzosen taktisch etwas zur Seite stehen, dann ist da viel möglich.

Auch Rigoberto Uran (Cannondale-Drapac), Rui Costa (UAE Team Emirates) und Ion Izagirre (Bahrain-Merida) sind mehr als Außenseiter-Tipps. Auch das Orica-Scott-Team sollte man auf der Rechung haben. Michael Alabsini ist in sehr guter Verfassung und nach etwas Pech an der Mur de Huy, als er 250 Meter vor dem Ziel wegen eines Kontrahenten abbremsen und neu antreten musste, vielleicht noch extra motiviert.  

Mit einer ganzen Reihe extrem starker Fahrer rückt das Sky-Team in Lüttich an. Michal Kwiatkowski, Diego Rosa, Peter Kennaugh und Sergio Henao können das Rennen prägen. Zwar fehlt Titelverteidiger Wout Poels, aber diese Jungs können dem Rest ganz schön einheizen. Vor allem mit Henao und Kwiatkowski hat Sky zwei absolute Top-Favoriten am Start.

 

***** Alejandro Valverde
**** Daniel Martin, Romain Bardet, 
*** Warren Barguil, Michael Albasini, Rigoberto Uran, Rui Costa
** Jarlinson Pantano, Tim Wellens, Samuel Sanchez, Ion Izagirre
* Tom Dumoulin, Domenico Pozzovivo, Greg van Avermaet, Alexis Vuillermoz, Alexey Lutsenko

 

Die offizielle Startliste findet ihr hier

Start: 10:10 Uhr
Ziel: ~17:00 Uhr

Die Anstiege:
Km 70.0 – Côte de La Roche en Ardenne (2,8 km, 6,2%)
Km 116.0 – Côte de Saint-Roch (1 km 11,2%)
Km 168.0 – Côte de Pont (1 km 10,5%)
Km 172.0 – Côte de Bellevaux (1,1 km 6,8%)
Km 180.0 – Côte de la Ferme Libert (1,2 km 12,1%)
Km 198.0 – Col du Rosier (4,4 km 5,9%)
Km 211.0 – Col du Maquisard (2,5 km 5%)
Km 222.5 – Côte de La Redoute (2 km 8,9%)
Km 239.0 – Côte de La Roche-aux-Faucons (1,3 km 11%)
Km 252.5 – Côte de Saint-Nicolas (1,2 km 8,6%)