Das Straßenrennen der Männer wird auf einem anspruchsvollen 14,4 Kilometer langen Rundkurs ausgetragen. Insgesamt müssen 230,4 Kilometer (16 Runden) absolviert werden. Es gibt einige kurze Steigungen, enge Abfahrten und viele Kurven. Es ist ein Parcours für endschnelle Klassiker-Fahrer. Zudem rechnet man laut Wetterprognose für Sonntag mit Temperaturen um 17 Grad und Regen – Klassiker-Wetter. 

Das deutsche Team geht mit John Degenkolb als Kapitän ins Rennen. “Das Wetter und die Distanz werden die entscheidende Rolle spielen. Die Strecke liegt ihm. Das ist ein Klassikerparcours,“ sagt Andreas Klier, Sportlicher Leiter des deutschen Teams. Degenkolb gehört nach Ansicht von Klier zu den zehn Fahrern, die das Rennen bestimmen könnten und als Favoriten starten. 

 

Die Strecke

Auf diesem Kurs wurden 2013 die Britischen Meisterschaften ausgetragen. Es siegte damals Mark Cavendish. Aber nicht im Massensprint! Es ist ein nur bedingt selektiver Kurs, bei dem auch eine clevere Taktik gefragt ist. Supersteile, oder lange Anstiege gibt es nicht, aber dennoch geht es ständig auf und ab. Mit rund 8% ist die Great George Street (Nummer 17 in der Karte oben) die anspruchsvollste Steigung. Hier könnten die Klassikerfahrer versuchen eine Lücke zu reißen. 

 

Profil einer Runde

 

Die Favoriten

Schaut man auf das Profil, ist es recht wahrscheinlich, dass es zum Sprint einer größeren Gruppe kommt. Peter Sagan, Alex Kristoff, Elia Viviani, John Degenkolb, Sonny Colbrelli, Matteo Trentin, Brian Coquard, … es sind einige endschnelle Fahrer dabei. Aber es sind auch Fahrer und Teams am Start, die lieber nicht sprinten wollen. Zudem ist es ein langes Rennen und einige Teams haben Optionen für verschiedene Rennverläufe.

Für einige Teams geht es darum, Peter Sagan abzuschütteln. Denn außer Elia Viviani wird es nicht viele geben, die sich gern auf einen Sprint mit dem Weltmeister einlassen. Sagan hat kein besonders starkes Team, das werden vielleicht einige Nationen versuchen auszunutzen und früh angreifen.

Anders als bei der WM sind einige starke Fahrer nicht dabei, und andere nicht bei 100% sein. Das liegt vor allem am ungünstigen Termin im Rennkalender. Die Polen-Rundfahrt, ein WorldTour-Rennen, endete am Freitag. Die Binck-Bank-Tour startet am Montag. Für die Planung der Profi-Teams und der Nationalmannschaften natürlich nicht ideal. Das könnte das Rennen durchaus beeinflussen.

Was machen etwa die Belgier, sie sind mit acht Fahrern am Start und können das Rennen ordentlich aufmischen. Das gilt auch für die Spanier, oder Dänen. Für Andreas Klier gehören neben Peter Sagan auch Greg Van Avermaet oder Zdenek Stybar zum Favoritenkreis. Rollt früh eine Gruppe weg und bilden sich Allianzen, kann es zunächst ein kontrolliertes Rennen werden. Aber legen es Teams darauf an, das Rennen zu sprengen, ist das sicher möglich. Finden sich Fahrer wie Matej Mohoric, Wout van Aert, Ivan Garcis Cortina, Luke Rowe, Owain Doull oder auch Michael Albasini in einer Gruppe zusammen, wird man sie nur schwer zurückholen. Vor allem das belgische Team ist sehr stark. Hat nicht nur mit Jasper Stuyven, van Aert und Greg van Avermaet starke Fahrer dabei. Sie könnten das Rennen gestalten und den endschnellen Männern einen Strich durch die Rechnung machen.

 

Degenkolb als Kapitän

Das deutsche Team wird versuchen John Degenkolb möglichst frisch ins Finale zu bringen. “Die Mannschaft geht sehr motiviert ins Rennen, wird Degenkolb über weite Teile des Rennens so gut es geht unterstützen. Im Finale braucht man keine Helfer mehr. Wer gewinnen will, muss über eine gute Rennübersicht verfügen, um dann im Finale den Schalter umlegen zu können, um alles zu geben”, sagt Klier. Es geht im Finale darum, die richtige Attacke mitzugehen. Nicht zu lange zu warten, aber auch nicht zu früh die Kräfte verschleudern. Degenkolb, Van Avermaet, Sagan – all diese Fahrer verfügen über die nötige Rennintelligenz. Die Fähigkeit, dass Rennen lesen und gestalten zu können, wird zusätzlich wichtig, da es keinen Teamfunk bei dieser Europameisterschaft gibt. Erfahrung, gutes Zusammenspiel im Team und die richtigen Entscheidungen des Road Captain sind von großer Bedeutung,

 

***** Peter Sagan
**** Elia Viviani, Alex Kristoff, 
*** Greg van Avermaet, John Degenkolb, Sonny Colbrelli
** Matej Mohoric, Magnus Cort,  Bryan Coquard, Zdenek Stybar, Michael Albasini, Matteo Trentin
* Mathieu Van Der Pol, Mads Pedersen, Adam Blythe, Christophe Laporte, Krists Neilands,  Wou van Aert

Start: 10:30 Uhr Ortszeit (Deutschland +1h)

Die offizielle Startliste findest du hier