Mitte März. Die ersten Hobbyfahrer wechseln allmählich von der Rolle ins Freie, wenn es denn das Wetter zulässt. Einer wie Holger kann da allerdings nur milde lächeln. Für ihn gibt es nur draußen.

“Stand jetzt bin ich bei ungefähr 6000 Kilometern” , sagt Holger und lässt einen erst mal staunend zurück. Dass Holger als gebürtiger Münsteraner das Rad fahren in den Genen hat, ist klar. Aber für ihn gehört die Welt auf zwei Rädern zum Sinn des Lebens.

“Richtig intensiviert habe ich das aber erst ab 2015. Es gab einige berufliche Schwierigkeiten – und da war das Fahrrad so etwas wie ein Ventil”, erzählt Holger. Das 1,67 Meter große Energiebündel legte gleich mal mit einer 2000 Kilometer Bikepacking-Tour durch Mecklenburg-Vorpommern los.

Zuvor hatte er drei nicht ganz unkritische Wirbelsäulenoperationen nach einem schweren Unfall 2013 überstanden und sich vom Chirurgen die Sportfreigabe erteilen lassen. Anschließend ging‘s den kompletten Rhein entlang und Mitte 2016 war dann Trondheim-Oslo fällig. “Mit einem 35er-Schnitt”, wie Holger nicht ohne Stolz berichtet.

Stets mit dem Rad unterwegs – CMCC-Starter Holger

Der 49-Jährige liebt das Freiheitsgefühl auf dem Rennrad – und fährt auch komplett nach Gefühl. Pulsmessung oder Powermeter gibt‘s nicht. “Ich kenne meinen Körper mittlerweile gut genug, um zu wissen, was ich kann und was eben nicht”, sagt er. Wer Ötztaler, Dolomiten-Marathon und Alpen Brevet mehrmals gefahren ist, weiß in der Tat, was er kann.

Dass Holger bis zum Start in Gent noch die 7000 Kilometer voll macht, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Er besitzt nämlich kein Auto. Und er wohnt in Kassel. Und für die Fahrt nach Belgien leiht er sich ein Auto in Münster. “Von Kassel nach Münster fahre ich dann natürlich mit dem Rad”, erklärt Holger.

Immerhin wird das Kopfsteinpflaster eine Premiere für den Dauer-Radler: “Damit habe ich keine Erfahrung auf dem Rennrad – mit dem Hollandrad auf dem münsterschen Prinzipalmarkt schon. Ich habe mir auf der Website die Strecke angesehen, mehr auch nicht. Ich lasse mich sehr gern überraschen.” Sein Rad will Holger nicht groß umbauen für die 215 Kilometer lange Runde. Lediglich ein 27er- montiert er vorsichtshalber ran: “Für den Kemmelberg. Respekt habe ich vor Wind und Wetter.“