Über 21 Etappen und insgesamt 3480 Kilometer führt die Tour de France 2019 von Brüssel nach Paris. Mit dem Grand Depart zu Ehren der Radlegende Eddy Merckx in dessen belgischer Heimat startet die Tour mit einem großes Radsportfest. Es ist das größte Rad-Event des Jahres und für Fahrer und Teams das Highlight des Jahres. “Die Tour ist ein Monster“, sagte Katusha-Alpecin Performance Manager Erik Zabel. “Der Stress vor, während und nach der Etappe ist einfach enorm”, so Zabel, der das Grüne Trikot der Tour fünf Mal gewinnen konnte.


Wer als Fahrer sich hier zeigen kann, vielleicht sogar einen Etappensieg holt, steigert seinen Bekanntheitsgrad und Marktwert enorm. Touretappensieger ist man für den Rest seines Lebens – ein Tag, der aus einem Profi eine Radsport-Legende macht. Aber neben der Chance auf den großen Erfolg fährt auch der Druck mit. Die Teams kämpfen um Aufmerksamkeit und die Gunst der Sponsoren.

Wer bei der Tour glänzt, dem winken gute Sponsorenverträge, wem es nicht gelingt für Aufmerksamkeit zu sorgen, dem droht die Enttäuschung der Geldgeber. Druck, Ruhm, Medienausnahmezustand, Zuschauermassen und beeindruckende sportliche Leistungen machen die Tour zu dem, was sie ist: das größte Radsportspektakel der Welt.

Der Parcours hat in diesem Jahr einen besonderen Charakter. Denn nach einem moderaten Beginn mit Chancen für Sprinter, Rouleure, Puncheure und Zeitfahrer, ist die Schlusswoche knüppelhart und extrem bergig. Dabei geht es in der Schlusswoche oft in Regionen über 2000 m ÜNN.

In der dünnen Luft sind die Fahrer weniger leistungsfähig, ist die Belastung enorm. So könnte das Rennen auf den letzten Bergetappen große Überraschungen parat haben. Die Kolumbianer, die in großer Höhe aufgewachsen sind, könnten davon profitieren. Doch das ist blanke Theorie – erst nach 20 Etappen steht fest, wer in Gelb die Triumphfahrt nach Paris antritt.

Die Strecke

Nach dem Auftakt in Brüssel, dem Teamzeitfahren und drei Etappen für Sprinter und Puncheure geht es in die Vogesen. Die fünfte Etappe führt über einige Anstiege nach Colmar. Am sechsten Renntag steht die schwere Bergankunft an den Planche des Belles Filles an. Zum Ziel geht es mit mehr als 20%  hinauf.


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Anschließend führt der Parcours gen Südwesten in Richtung Pyrenäen. Nach dem Einzelzeitfahren in Pau stehen drei schwere Bergetappen in den Pyrenäen an. Zwei Mal liegt das Ziel am Gipfel eines Anstiegs. Zunächst am legendären Tourmalet, danach in Foix, wo noch nie eine Tour-Etappe endete.

Aus den Pyrenäen geht es nach dem letzten Ruhetag gen Osten. Die drei schweren Alpenetappen vor dem Schlusstag in Paris entscheiden über den Gesamtsieg. Nach Valloire führt die 18. Etappe über Col de Vars, Col de Izoard und Col du Galibier. Am nächsten Tag geht es über den Iseran (2770 m üNN) zur Bergankunft in Tignes. Das große Finale im Kampf um Gelb ist die 20. Etappe von Albertville zur Bergankunft nach Val Thorens.

Die Favoriten

Nach dem Fehlen von Chris Froome und Tom Dumoulin scheint das Rennen offen wie selten zuvor. Egan Bernal, Titelverteidiger Geraint Thomas, Nairo Quintana, Romain Bardet, Thibaut Pinot …. die Liste der Favoriten ist lang. Betrachtet man die Ergebnisse dieser Saison und berücksichtigt die große Höhe der Alpenetappen, wäre Egan Bernal der Top-Favorit. Doch der 22-Jährige Kolumbianer verfügt bislang über wenig Erfahrung, war nie Kapitän bei einer Grand Tour. Kann er mit dem Druck umgehen?


Podcast
Trainer Dan Lorang erklärt die Vorbereitung auf die Tour de France & wie sich die große Höhe auswirkt.


Nairo Quintana scheint nicht mehr so stark wie früher, Vincenzo Nibali hat bereits den Giro d’Italia in den Beinen, Romain Bardet und Thibaut Pinot fehlten in den vergangenen Jahren ein paar Prozent und Titelverteidiger Geraint Thomas scheint nicht in der Form von 2018. So könnte es tatsächlich eine der spannendsten Frankreichrundfahrten dieses Jahrzehnts werden.


Podcast “Wer gewinnt die Tour 2019”

Deutsche Starter

Insgesamt elf deutsche Profis werden am 6. Juli in Brüssel in die 106. Tour de France starten. Für das Team Katusha-Alpecin starten Rick Zabel und Nils Politt, auf dem die Hoffnungen auf einen Etappensieg ruhen. “Ich fühle mich gut vorbereitet für die Tour. Natürlich ist mein Ziel, eine Etappe zu gewinnen. Auch wenn ich weiß, dass bei der Tour für einen Etappensieg wirklich alles passen muss”, so Politt.

Nikias Arndt und Lennard Kämna vom Team Sunweb sind am Start, für Kämna ist es die erste Tour de France. Auch für den Deutschen Meister Maximilian Schachmann ist es die erste Frankreichrundfahrt. Schachmann geht gemeinsam mit Emanuel Buchmann und Routinier Marcus Burghardt in die Tour. Auf dem Kletterer Buchmann ruhen die Hoffnungen in Sachen Gesamtwertung.

Roger Kluge soll beim Team Lotto-Soudal dem Australier Caleb Ewan die Sprints anziehen und Simon Geschke unterstützt beim Team CCC Greg van Avermaet. In den Bergen wird Geschke dann vielleicht auch die Chance bekommen, auf eigene Rechnung zu fahren. Im Jahr 2015 gelang das perfekt, als er sich den Traum vom Tour-Etappensieg erfüllte.

Altmeister André Greipel ist beim Team Arkea-Samsic der Sprintkapitän und der Deutsche Zeitfahrmeister Tony Martin soll beim Team Jumbo-Visma bereits im Teamzeitfahren eine wichtige Stütze sein, und ist während der drei Wochen als verlässlicher Helfer eingeplant. Vielleicht bekommt er beim Einzelzeitfahren die Chance, auf eigene Rechnung zu fahren.

offizielle Website

Die Teilnehmer der Tour 2019

Startliste bei PCS

Reglement

Gelbe Trikot – Gesamtführende

Grüne Trikot – meiste Punkte

Bergtrikot – meiste Bergpunkte

Weiße Trikot – Jungprofis, die nach dem 1. Januar 1994 geboren sind

Bergpunkte:

Kategorie HC : 20, 15, 12, 10, 8, 6, 4 und 2 Punkte (doppelte Punkte, wenn Pass auf mehr als 2000 m üNN)

1. Kategorie: 10, 8, 6, 4, 2 und 1 Punkt

2. Kategorie: 5, 3, 2 und 1 Punkt

3. Kategorie: 2 und 1 Punkt

4. Kategorie: 1 Punkt

Punkte für das Grüne Trikot:

Etappen 1, 4, 7, 11, 16, 17, 21: 50, 30, 20, 18, 16, 14, 12, 10, 8, 7 … bis 2 für erste 15 Fahrer

Etappen 3, 5, 8, 9, 10 & 12: 30, 25, 22, 19, 17, 15, 13, 11, 9, 7, 6 … bis 2 Punkte erste 15 Fahrer

Etappen 6, 14, 15, 18, 19 & 20: 20, 17, 15, 13, 11, 10, 9 … bis 1 Punkt für die erste 15 Fahrer

Etappe 13 iTT: 20, 17, 15, 13, 11, 10, 9 … bis 1 Punkt für die erste 15 Fahrer

Zwischensprints: 20, 17, 15, 13, 11, 10, 9 … bis 1 Punkt für die erste 15 Fahrer

Zeitbonifikationen

Neue Bonus-Sprints: 8, 5 & 2 Sekunden für erste 3 Fahrer an besonderen Punkten auf Etappen 3, 6, 8, 9, 12, 15, 18 & 19

Zeitbonifikation Etappenziel: 10, 6, 4 Sekunden

3 Sekunden Regel – bei Etappen bei denen ein Massensprint erwartet wird (1, 4, 7, 10, 11, 16 & 21), werden Fahrer als neue Gruppe gewertet, die mehr als 3 Sekunden auseinander liegen. Bei allen anderen Etappen gilt das ab 1 Sekunde Differenz

Es gilt keine 3-Km-Regel bei Zeitfahren und Bergankünften

Mannschaftswertung – täglich beste 3 Fahrer des Teams werden gewertet, geringste Gesamtzeit des Teams