Insgesamt 13 Profis absolvierten die letzten 32 Kilometer der Flandern-Rundfahrt auf der Trainingsplattform Bkool. Das Starterfeld war erstklassig – Greg van Avermaert (der gewann), Remco Evenepoel, Oliver Naesen, Jasper Stuyven, Thomas de Gendt, Nicolas Roche, Tim Wellens, Wout van Aert, Mike Teunissen, Zdenek Stybar, Yves Lampaert, Ronde-Sieger von 2019 Alberto Bettiol und Michael Matthews. Das Rennen konnten die Fans live verfolgen – den Fahrern konnte man beim heimischen Schwitzen im Bildausschnitt zuschauen.
Hier kann man sich das Rennen noch einmal anschauen: Link


Wer wissen möchte, wie die echte Ronde abgelaufen wäre – wir haben sie simuliert!

Schön, die Jungs mal wieder zu sehen

Gefühlt ist Paris-Nizza schon eine Ewigkeit her und es war schön, “die Jungs” mal wieder zu sehen. Diese gestellten, immer gleichen Insta-Storys hat man schon nach dem langen Winter satt. Die Bilder aus dem heimischen Wohnzimmer, dem Keller oder der Terrasse waren das Highlight. Thomas de Gendt hat das Autoschild vom Zeitfahren der Tour de Romandie daheim (oder wo er war), der Keller von Oliver Naesen sieht aus wie ein Luftschutzbunker und bei Zdenek Stybar liefen die Kinder durchs Wohnzimmer – unterhaltsam.

 

Kein Ersatz für echte Rennen

Abgesehen von den Bildern der Fahrer auf der Rolle war es wenig unterhaltsam. Die Fahrer auf dem Bildschirm bewegen sich nicht wie im echten Rennen – logisch! Das nimmt aber schon ein wenig den Spaß. Es fühlt sich an, wie beim Pferderennen auf dem Rummel zuzuschauen. Man vermisst die Bewegungen, das Ellenbogen-Zucken, die Attacken, das abducken, die Positionskämpfe, die Ablösungen, die geschmeidigen Bewegungen, …. hach, ist echter Radsport doch großartig!
 

Beeindruckende Leistungen

Die Jungs auf dem Rad haben sich ordentlich die Fresse poliert und das war beeindruckend. Wer sich an den sportlichen Leistungen und Analyse-Parametern berauschen kann, der kam auf seine Kosten. Die Fahrer hatten sichtlich “Spaß” mal wieder einen Wettkampf austragen zu können – auch das ist mehr als verständlich und so hat dieses Event auch in diese Richtung einen therapeutischen Effekt.


 

Anzahl der Fahrer, Länge des Rennens 

Mit 13 Fahrern war das Starterfeld übersichtlich, aber durchaus ausreichend. Noch mehr Fahrer in der Übertragung “einzufangen” wäre wohl ohnehin nicht so leicht möglich. Mit 32 Kilometern war es zudem ausreichend lang. Ein Highlight war der technische Defekt von “Bling” Matthews. Er konnte nicht schalten und musste auf dem 11er Ritzel den Kwaremont hoch. Da stand er still, der digitale Bling auf dem Bildschirm. Schon witzig. So bekam Matthews zusätzlich Air time, hatte er doch extra ins Bild ein paar Produkte vom Nahrungshersteller und Sponsor des Teams drapiert. Ob 20 Fahrer mehr den Zuschau-Genuss erhöhen würden ist fraglich, aber vielleicht lockt es mehr Fans an den Bildschirm?

 

Was fehlt

Daheim am Rechner war es ein eher mäßiges Erlebnis. Eine noch tollere Grafik der Animation hätte daran wohl wenig geändert. Kommentatoren stoßen bei Rollen-Trainer-Events eben auch schnell an die Grenzen, in Sachen Sportberichterstattung. Würde hier live ein Trainer die Daten analysieren, hätten vielleicht die Zahlen-Nerds noch einem Mehrwert. Was aber wirklich fehlt, sind die Fans. Stellt euch dieses Ding in einem Zelt mit 1000 Radsport verrückten Typen vor, mit Leffe, Kwaremont oder Grimbergen in der Hand. Es wäre eine Mega-Party. Die Teams könnten ja 3 Fahrer nominieren, die dann jeweils den Staffelstab weitergeben würden und es wäre ein Teamwettbewerb. Die Jungs, die gerade nicht fahren, und wieder sprechen können, kommentieren gemeinsam mit der Sporza-Crew das Event. 
Aber genau das ist das Problem – Radsport lebt von der Gemeinschaft, aber wir können uns grad eben leider nicht treffen. Nicht am Kwaremont, nicht am Galibier und auch nicht in einem großen Zelt im Hinterhof der Kwaremont-Brauerei. 
“DeRonde2020” war ein sehr guter Versuch, den Radsport doch etwas zu feiern. Zu zeigen: Wir sind noch da und heiß darauf, dass es wieder losgeht. Und irgendwie ist es genau das, was wir gerade brauchen – das Licht am Ende des Tunnels. Zumindest den Gedanken daran, während wir die meiste Zeit eher sorgenvoll im Hier & Jetzt verbringen.