Die 7. Etappe mit dem Ziel in Fougères war vorerst die letzte Möglichkeit für die Sprinter, sich bei der 102. Tour de France vorn zu zeigen. In der nächsten Woche gibt es zwar theoretisch noch zwei Chancen, doch einige Fahrer, wie der Träger des Grünen Trikots, André Greipel (Lotto-Soudal), rechnen erst in Paris mit dem nächsten Massensprint. Umso wichtiger war die 7. Etappe, vor allem für Greipels Konkurrenten, die anders als der Deutsche noch keinen Sieg einfahren konnten.

Cav kanns noch (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Cav kanns noch (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

 

Die Ausgangslage

Sowohl Greipel als auch sein Erzrivale Mark Cavendish (Etixx-Quick Step) mussten vor dem Start auf die wichtigen Teammitglieder verzichten, die sonst in der Sprintvorbereitung eine tragende Rolle spielen. Der Deutsche blieb ohne Greg Henderson, der als einer der besten Anfahrer der Welt bekannt ist. Cavendish konnte dagegen nicht mehr mit der Unterstützung von Tony Martin rechnen, der nach Schlüsselbeinbruch das Rennen verlassen musste. Dessen Fähigkeiten, im richtigen Moment den Sprintzug mit seiner Tempohärte in die führende Position zu bringen, sind längst bekannt.

Während der Lotto-Soudal-Kapitän für seine bisherigen zwei Siege zu Recht gefeiert wurde, musste sich Cavendish Kritik anhören, sogar aus dem eigenen Lager. So war sein Teamchef Patrick Lefevere nicht mehr sicher, ob der Manxman immer noch einer der Schnellsten im Feld ist. Cavendish sollte es laut Lefevere am besten mit einem Etappensieg beweisen. Keine Überraschung also, dass es Lotto-Soudal und Etixx-QuickStep waren, die die Nachführarbeit leisteten.

 

Die Sprintvorbereitung

Im Finale waren aber beide Mannschaften letztendlich nicht in der Lage, einen ordentlichen Sprintzug aufzubauen. Nicht die belgischen Teams, sondern die russische Katusha-Mannschaft sah in der Sprintvorbereitung am Besten aus und konnte den Sprint für den Norweger Alexander Kristoff gut vorbereiten. Doch der Norweger befindet sich, anders als im Frühjahr, nicht mehr in der Form seines Lebens. Die perfekte Arbeit seines Team, an der auch der auf Kokain positiv getestete Luca Paolini beteiligt war, wurde nur mit dem fünften Platz belohnt.

Lotto-Soudal versuchte etwa 1,3 Kilometer vor dem Ziel nach vorn zu kommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Greipel drei Helfer – darunter auch seinen besten Freund Marcel Sieberg. Doch gegen den kleinen Zug von Katusha sah es für Greipel & Co. nicht gut aus. Auch Giant-Alpecin mit dem deutschen Kapitän John Degenkolb kämpfte hart um eine gute Position, konnte aber wieder nicht überzeugen, auch wenn Degenkolb selbst am Ende ziemlich stark sprintete.

Etixx-QuickStep war seinerseits fast nicht zu sehen. Genau das war wohl das Geheimnis das zum Sieg führte. Der Australier Mark Renshaw konnte 500 Meter vor dem Ziel seinen Kapitän Cavendish direkt am Hinterrad von Alexander Kristoff platzieren. Dies war eindeutig die beste Position, die man im Feld haben konnte.

Andre Greipel zu früh im Wind (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Andre Greipel zu früh im Wind (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Der Sprint

Am Hinterrad von Cavendish platzierte sich dagegen André Greipel, der an der leicht ansteigenden Zielgerade in Fougères als Erster losfuhr. Ein klarer Fehler: Der Deutsche hätte sicher noch etwa 50 Meter warten können, diese fehlten dem Lotto-Soudal-Kapitän im Endeffekt. Nicht das erste Mal für Greipel, der auf die ähnliche Art und Weise die erste Sprintetappe des diesjährigen Giro d’Italia verlor. Cavendish nutzte schließlich den Windschatten des Deutschen – und zeigte vor allem genau auf den letzten 50 Metern seine echte Stärke.

 

Cavendish – im richtigen Moment innen durch (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)
Cavendish – im richtigen Moment innen durch (Foto: Roth&Roth roth-foto.de)

Ein verdienter Erfolg für Cavendish, der nicht nur die Kritik seines Teamchefs konterte, sondern sich auch das nötige Selbstvertrauen holte. Beachtlich ist übrigens auch diesmal der dritte Platz von Peter Sagan (Tinkoff-Saxo), der in diesem Jahr mit reinen Sprintern mehr als einfach nur mithalten kann.

Die Woche der Sprinter ist damit beendet. Der Kampf um Grün wird jetzt vor allem bei den Zwischensprints ausgetragen. Mal sehen, ob sich die eine oder andere Möglichkeit für Greipel, Cavendish und Kristoff in der nächsten Woche ergibt. Wenn nicht, dann bleibt tatsächlich nur Paris.