Auf den 195 Kilometern geht es die ganze Zeit auf und ab. Ein Berg der 2. Kategorie, zwei der ersten Kategorie und zum Schluss der schwere Anstieg zum Plateau de Beille (HC). Wer hier einen schwachen Tag hat, kann sehr viel Zeit verlieren. Doch diese Etappe bietet auch einige Chancen für Angriffe. Nach den letzten beiden Tages sitzt das Gelbe Trikot auf Froomes schmalen Schultern zwar ziemlich fest, doch die Konkurrenz will sich noch nicht geschlagen geben. Es könnte ein taktisch sehr interessanter Tag werden.

Die Ausgangslage
1. Christopher Froome
2. Tejay Van Garderen (BMC) + 2:52
3. Nairo Quintana (Movistar) +3:09
4. Alejandro Valverde (Movistar) +3:59
5. Geraint Thomas (Sky) + 4:03
6. Alberto Contador (Tinkoff-Saxo) + 4:04
7. Tony Gallopin (Lotto-Soudal) + 4:33
8. Robert Gesink (LottoNL-Jumbo) + 4:35
9 .Warren Barguil (Giant-Alpecin) 0:06:44
10. Bauke Mollema (Trek) + 7:05
11. Vincenzo Nibali (Astana)+ 7:47

 

Movistars Großangriff?

Mit Alejandro Valverde und Nairo Quintana hat Movistar zwei Eisen im Feuer. Froome darf keinen der Beiden weglassen. Sollte Alejandro Valverde bereits am vorletzten Berg attackieren, müsste Froome entweder selbst mitgehen, oder seine Helfer einspannen. Verbraucht er frühzeitig seine Helfer und kommt dann zwischen Port de Lers und Schlussanstieg in die Position selbst arbeiten zu müssen, könnte er zu viel Kraft verlieren, um im Schlussanstieg noch die Angriffe von Quintana abwehren zu können. Um dies zu erreichen, müsste Movistar am besten einen Fahrer in der Fluchtgruppe platzieren, der dann Valverde helfen kann, wenn er aus der Favoritengruppe attackiert. Idealerweise würde Valverde diesen Helfer dann am Gipfel des Port de Lers einholen, sodass dieser im Flachstück zum Schlussanstieg arbeiten kann und Valverde so aus dem Wind nehmen. So könnte Valverde einen Angriff von Quintana vorbereiten, oder am Ende selbst viel Zeit auf Froome gutmachen. Bei der Vuelta 2012 hat Alberto Contador mit dieser Taktik gegen Joaquim Rodriguez den Rundfahrtsieg herausgefahren. Doch so stark wie sich das Sky-Team bei dieser Tour präsentiert, wird es nicht einfach, Froome zu isolieren. Sonst bliebe dem Team aber auch noch der klassische Angriff – Rennen hart und schnell machen – dann kommt im Schlussanstieg Quintanas Attacke. Ist Froome so stark wie die Tage zuvor, wird man ihn so aber nur schwer abhängen.

 

Was macht Saxo-Tinkoff?

Auch Alberto Contador wird zurückschlagen wollen, wenn er die Beine dazu hat. Der Madrilene ist bekannt dafür, nicht nur nach Wattzahlen zu fahren, sondern etwas zu riskieren. Mit über vier Minuten Rückstand hat Contador nichts zu verlieren. Sein Teamkollege Rafal Majka ist am Berg extrem stark und könnte in eine Fluchtgruppe gehen und die Bergpunkte sammeln. Sollte später Contador attackieren, könnte er seinem Kapitän natürlich helfen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Contador nicht erst am letzten Berg attackieren wird, doch es wird auch von Taktik vom Team Movistar abhängen, wie der Spanier agiert. Dass Valverde ein Landsmann ist kann durchaus eine Rolle spielen. Gleiche Sprache und gleiche Interessen sind in einem Radrennen immer eine gute Grundlage für Koalitionen. Allein gegen Sky wird Contador nicht schon 70 Kilometer vor dem Ziel attackieren, denn dann hätte er kaum Chancen auf Erfolg. Der Spanier ist ein kluger Taktiker und kann auch im Rennen schnell den Plan ändern.

 

Astana mit Wut im Bauch?  

Beim Giro im Mai hat das kasachische Team das ganze Peloton leiden lassen. Sie konnten nach Belieben am Gas-Griff drehen, bis die Konkurrenz bis zum Knie im Laktat stand. Das ist bei dieser Tour bislang nicht der Fall. Dazu ist der Titelverteidiger völlig von der Rolle. Auf der 11. Etappe nach Cauterets konnte man sehen, dass sich Nibali aber nicht einfach ergeben will. Er machte Tempo, musste aber am Ende doch abreißen lassen. Er genügt seinen Ansprüchen nicht und will bei dieser Tour sicher noch ein Ausrufezeichen setzte. Fühlt er sich stark, wird er angreifen. Doch es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich der Italiener bereits wieder erholt hat und stark genug für eine Brechstangen-Attacke ist.

Und der Rest?

Ob Robert Gesink, Bauke Mollema oder Tony Gallopin, dass sie auf der letzten schweren Pyrenäenetappe einen Großangriff auf das Gelbe Trikot von Chris Froome planen ist eher unwahrscheinlich. Denn sie haben gesehen, dass sie am Berg weder mit Froome, noch mit Quinatana mithalten können. Bevor sie mit einer frühen Attacke alle Chancen auf einen vorderen Platz zunichte machen, werden sie lieber schauen, was die Konkurrenz macht. Sollte sich aber herausstellen, dass einer der Favoriten schwächelt, werden sie keine Sekunden zögern. Das gilt wohl auch für Tejay van Garderen. Der BMC-Profi ist noch nicht sehr weit zurück im Gesamtklassement, wird versuchen seine Position zu verteidigen. Vielleicht probiert es im Schlussaufstieg.

Die Gefahr lauert in der Allianz

Ist Sky so stark wie die letzten Tage, kann die Konkurrenz machen was sie will. Ist das Team etwas schwächer, aber Froome so stark wie an der ersten Bergankunft, kontrolliert er zur Not allein das Geschehen. Doch wenn dem nicht so ist, könnte auch er Probleme bekommen. Denn die Konstellation vor der schweren 12. Etappe könnte dazu führen, dass er von allen Seiten attackiert wird. Dazu ist es noch sehr weit bis Paris, so wird BMC oder Movistar wohl nicht auf absichern des Podiums fahren. Schließt die Konkurrenz sogar Bündnisse gegen den übermächtigen Gegner aus Großbritannien, könnte es für Sky ein harter Tag werden. Muss Froome einer Gruppe selbst hinterherfahren, während die Konkurrenz an seinem Hinterrad hängt, verschiebt sich schnell das Kräfteverhältnis.

 

Wir erwarten: Einen Kampf um die Gruppe, in der auch Movistar und Tinkoff-Saxo Fahrer platzieren wollen. Ein durch Sky kontrolliertes Rennen bis zum Port de Lers. Movistar wird etwas probieren, wenn nicht schon Lers, dann im Schlussanstieg.

 

Die Favoriten:  Chris Froome, Nairo Quintana

Profil Col de la Core
Profil Col de la Core
Profil Port de Lers
Profil Port de Lers
Profil Plateau de Beille
Profil Plateau de Beille