„Es kommt so selten vor, dass ein Radfahrer zweimal die Tour de France gewinnt. Man könnte dann vom Eintritt ins Pantheon der Großen sprechen“, schreibt die renommierte Zeitung The Guardian. „Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur vier Männer, die fünfmal die Tour gewannen – abgesehen von Lance Armstrong sind das Bernard Hinault, Eddy Merckx, Jacques Anquetil und Miguel Indurain. Greg LeMond und Louison Bobet machten es dreimal, Fausto Coppi, Bernard Thévenet und Laurent Fignon schafften es zweimal. Christopher Froome wird diese Reihe am Sonntag beitreten. Nach der Tour, die er und seine Mannschaft Team Sky bis zum letzten Berg fast komplett kontrollierten.“

„Er wurde mit Urin gesprüht, ihm wurde immer wieder vorgeworfen, gedopt zu sein, und am Samstag „starb er tausend Mal“ in einem seit Jahren spannendsten Finale um das Gesamtklassement der Tour de France“, betont The Telegraph, eine andere britische Zeitung. „Aber nach all den Irrungen und Wirrungen der letzten drei Wochen triumphierte Chris Froome zum zweiten Mal bei der Tour de France. Auch wenn er Husten hatte und tatsächlich fürchtete, das Gelbe Trikot an seinem Konkurrenten Quintana zu verlieren.“

Für die Franzosen von l’Equipe hatte natürlich auch der Tagessieg von Thibaut Pinot eine ganz wichtige Bedeutung: „Das war eine enttäuschende Tour de France für Pinot, die er mit diesem Sieg auf L’ Alpe d’Huez rettete. Doch in erster Linie ging es um Nairo Quintana, der mit seiner Attacke das Rennen gestaltete. Der Kolumbianer schaffte es, seinen Rückstand auf Christopher Froome deutlich zu reduzieren, aber es reichte bei weitem nicht, um das Gelbe Trikot zu übernehmen. Der Brite soll am Sonntag seine zweite Tour de France gewinnen. Und das hochverdient.“

Die spanische Marca kritisierte dagegen indirekt Movistar: „Wie man sagt: Besser spät als nie. Endlich griff Movistar richtig an, worauf alle so lange warteten. Es ist immer schade, so nah an dem Sieg zu sein und es trotzdem nicht zu schaffen, auch wenn man zwei Leute auf dem Podium hat. Doch vom Sofa aus sieht alles viel leichter aus, als wenn man mittendrin ist. Das war eine starke Etappe von Movistar und von Quintata persönlich, auch Valverde erfüllte gute Arbeit. Doch es ist Chris Froome, der am Ende diese Tour gewinnen wird. Trotz aller Probleme, die er heute hatte.“

„Quintana versuchte es, aber Froome verteidigte sein Gelbes Trikot. Das war trotzdem seine Tour“, kommentiert die berühmte italienische Zeitung La Gazzetta dello Sport. „Gestern schwächelte Froome schon, deswegen war der große Angriff von Quintana vorauszusehen. Movistar arrangierte die Attacke perfekt, doch Froome blieb mit zwei Helfern in einer gesicherten Situation. Team Sky zeigte sich wieder als die beste Mannschaft dieser Tour de France. Der gestrige Sieger Vincenzo Nibali hatte dagegen Pech. Ein Defekt gleich am Beginn von L’ Alpe d’Huez vernichtete seine Träume, doch noch mit Valverde um den dritten Platz der Gesamtwertung zu kämpfen.“

„Nicht Froome, sondern Team Sky gewinnt die Tour“. So lautet die Schlagzeile der Analyse der belgischen Kollegen von Het Nieuwsblad. „Das war ein Skyfall. Ein Moment, von dem jeder Radsport-Fan heute am Frühstück träumte. Froome schwächelt, Quintana attackiert. Kommt aber nicht weit genug, um den Briten zu gefährden. Chris Froome war in diesen Wochen unglaublich stark. Doch nicht er, sondern vor allem Team Sky gewann diese Tour de France. Was, wenn Poels und Porte nicht dabei wären? Was, wenn Froome in Zeeland und in der Bretagne nicht mit Hilfe von Stannard und Thomas rechnen konnte? Diesen Gesamterfolg gäbe es dann wohl nicht.“