Tadej Pogacar– bitte mehr Klassiker

Mit Lüttich-Bastogne-Lüttich endete das Radsportfrühjahr. Die Top-Protagonisten waren Wout van Aert, Mathieu van der Poel und Julian Alaphilippe – was die Eintagesrennen anbetrifft. Von den “Großen Drei” war oft die Rede. Tadej Pogacar ist nur zwei Eintagesrennen in diesem Jahr gefahren. Bei der Strade Bianche wurde er Siebter, in Lüttich gewann er. Beim Fleche Wallonne durfte sein Team wegen eines Corona-Falls nicht starten.

So stark, wie sich Pogacar zuletzt bei den Eintagesrennen präsentierte, wünschen sich sicher nicht wenige Fans, dass er sein Frühjahr in Zukunft vielleicht etwas anders gestaltet. Dann gibts zu den “Großen Drei” vielleicht ein +1.


David Gaudu – eine Frage der Zeit

In Lüttich stand David Gaudu das erste Mal auf dem Podium eines Monumentes. Sein Talent stand nie in Frage, spätestens seit seinem Sieg bei der Tour de l’Avenir 2016 war allen klar, dass dort eine große französische Hoffnung ihren Weg an die Spitze anstrebt. So stark, wie Gaudu bereits in seinen ersten Jahren als Profi fuhr, war es nur eine Frage der Zeit, bis er auch bei solch einem Rennen die der Doyenne weit vorn landet. Schon 2018 schrieben wir, dass er vor dem Durchbruch in die Weltspitze steht. Mit nur 24 Jahren ist es längst gelungen.

Doch im Vergleich mit Pogacar oder Evenepoel wirkt Gaudus Entwicklung fast “traditionell allmählich”, sodass er oft ein wenig im Schatten steht. Gaudu zeigt in diesem Jahr, dass er bereit für die ganz großen Aufgaben ist und man darf weitere Top-Resultate bei den großen Rennen erwarten. Vielleicht wird auch die Lücke zu Ausnahmetalenten wie Pogacar in Zukunft allmählich immer kleiner.


Schachmann – das “neue” Bora-Gesicht

Podium beim Amstel, dann zwei Top10-Ergebnisse beim Fleche und in Lüttich. Einem Fahrer wie Maximilian Schachmann ist dies nicht genug Ausbeute. Der Doppel-Paris-Nizza-Sieger ist siegeshungrig und ehrgeizig. Auch in den Ardennen wollte er nicht “nur” einmal aufs Podium. Beim Fleche klappte die Positionierung vor der Mur de Huy nicht, in Lüttich fehlte im entscheidenden Moment die Kraft um mitzugehen.

Dennoch, Schachmanns Frühjahr kann sich sehen lassen. Er ist zum verlässlichen Ergebnis-Lieferant der Bora-hansgrohe-Mannschaft geworden. Paris-Nizza, Mailand-Sanremo, nun die Ardennen – Schachmann spielt ganz vorn mit, ist da, wenn er gebraucht wird.

Verlässlichkeit ist im Radsport enorm wichtig, gerade in Zeiten, wo die Sponsoren sehr genau auf Ergebnisse und Sendeminuten schauen. Ralph Denk hat, vielleicht genau aus diesem Grund, Schachmann mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattet. Kein anderer World-Tour-Profi im Team ist so lange gebunden!

Trotz Sagan, Buchmann, Politt und Kämna – Schachmann wird mehr und mehr zum neuen Gesicht des Teams – weil er stets liefert, wenn es drauf ankommt. (Und er nicht von einem Auto auf der Strecke abgeräumt wird.)

Valverde – “alt” ist relativ

An seinem 41. Geburtstag verpasste Alejandro Valverde das Podium in Lüttich nur knapp. Beeindruckend. Bei seinem ersten Sieg bei der Doyenne war Tadej Pogacar sieben Jahre alt. SIEBEN! Nun, wir wissen alle um die Radsportbiografie des Alejandro Valverde und welche Auswirkungen medizinisch unterstützte Leistungssprünge langfristig positiv bewirken – dennoch, was Valverde da macht, ist beeindruckend! Er bringt seit vielen Jahre eine Einstellung, Hingabe und Professionalität in seinen Sport ein, die Respekt verdient. Er fährt seit seiner Doping-Sperre konstant über das Jahr stark und nun mit 41 beim schwersten Eintagesrennen der Welt um den Sieg.

Man wünscht sich fast, Valverde wäre 20 Jahre später geboren – dann würde auch Pogi zittern müssen. Und vielleicht wäre Valverde dann sogar “noch größer” erschienen.

Michael Woods – langsam wird es Zeit

In den Ardennen fährt Michael Woods stets stark. In jedem Jahr ist er einer der Favoriten, doch irgendwie klappt es doch nicht, mit dem großen Klassiker-Sieg. Klar, er ist nicht so endschnell wie Alaphilippe, aber manchmal fehlt auch ein wenig Glück, oder taktisches Geschick (wir erinnern uns an den Sieg von Bob Jungels in Lüttich).

Woods ist inzwischen 34 Jahre alt und so langsam wird es Zeit, will er doch noch den großen Ardennen-Sieg in seine Palmares aufnehmen. Sein Vertrag beim Team Israel StartUp Nation läuft bis 2023 – zwei Chancen bleiben also noch. Mindestens. Gegen Valverde ist er ja ein junger Hüpfer.


Alaphilippe – Weltmeisterlich ohne Monument-Haken

Rang sechs beim Amstel Gold Race, Sieg beim Fleche Wallonne und zum Abschluss knapp von Tadej Pogacar in Lüttich geschlagen – in den Ardennen war Julian Alaphilippe durchaus erfolgreich. Doch den Haken an das Monument Lüttich-Bastogne-Lüttich konnte der Franzose nicht machen. Knapp verpasste er den Sieg, weil Pogacar abgezockt und endschnell war. Doch so stark, wie Alaphilippe auch am Sonntag in Lüttich fuhr, wird er ganz sicher noch Gelegenheiten bekommen, den Monument-Haken hinter die Doyenne zu setzten.