Ach, Wout

Jumbo-Visma hat die Klassiker-Saison 2023 geprägt, zunächst sogar dominiert. Omloop Het Nieuwsblad, Kuurne-Brüssel-Kuurne, E3 Harelbeke und Gent-Wevelgem – sie eilten von Sieg zu Sieg. Doch als die beiden ganz großen Rennen kamen, jubelten andere Teams. In Flandern siegte Tadej Pogacar, in Roubaix Van der Poel. Bitter, vor allem für Wout van Aert.
Der Druck auf den Belgier war enorm, vor allem bei der Ronde. Doch er war nicht stark genug, um sich gegen Van der Poel und Pogacar durchzusetzen. Dazu gelang es dem Team nicht, die Breite des Kaders optimal auszuspielen. Bei Paris-Roubaix war es schlicht Defektpech, was ihm die Chance nahm. Wobei man den Eindruck bekam, dass die Mannschaft Jumbo-Visma besonders viel mit Reifenschäden zu kämpfen hätte. Dass Christoph Laporte aus der Gruppe der Favoriten nach einem Defekt im Wald von Arenberg fiel, war auch in Sachen Taktik bedeutungsvoll. Denn Van Aert hatte keinen Helfer mehr bei sich, während Van der Poel mehrere hatte. Ganz sicher wird man in die Material-Analyse gehen.
Für Van Aert ist Rang drei in Roubaix ein gutes Ergebnis, doch sein Ziel war der Sieg und er wirkte auf Augenhöhe mit dem Sieger. Seine großen Ziele im Frühjahr waren die beiden Monumente, wo es eben nicht zum Sieg reichte. Im Radsport gilt, dass die großen Sportler eben auch an den ganz großen Siegen gemessen werden – da fehlen weiterhin die beiden Pflaster-Monumente. Vor allem in Belgien ist dies von großer Bedeutung und Ex-Champions und TV-Experten werden nicht müde, darauf hinzuweisen.
Im nächsten Jahr wird Van Aert den nächsten Anlauf nehmen, dann im Alter von 29 Jahren. Ihm bleiben noch einige Chancen, doch der Druck wird nicht kleiner werden.



