Tadej Pogacar (Foto: © Cor Vos)
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Sanremo ✅

Er hat den Haken gesetzt, das nächste Monument von der Liste genommen. Das Außergewöhnliche ist nicht die Tatsache, dass Tadej Pogacar Mailand-Sanremo gewonnen hat, sondern die Art, wie es geschah. Mailand-Sanremo ist das leichteste Monument, aber brutal schwer zu gewinnen. Es hieß im Vorfeld, auch bei uns vom CyclingMagazine, dass dieses Rennen ganz genau nach seinem Plan verlaufen müsse, damit er den Rest abhängen kann und gewinnen. Doch was passierte war, dass ihm das Rennen zu entgleiten schien, überhaupt nicht nach Plan lief und er am Ende dennoch jubelte.

Pogacar stürzte bei hoher Geschwindigkeit nur wenige Kilometer vor der Schlüsselstelle Cipressa. Er wuselte sich durch, fand dank der Teamkollegen wieder Anschluss. Ballerte die Cipressa kompromisslos hinauf, griff an und löste sich mit Tom Pidcock und Mathieu van der Poel. Am Poggio fiel Van der Poel zurück, der ebenfalls vom Sturz gezeichnet war. Im Sprint dann rang Pogacar seinen letzten Begleiter nieder, obwohl der sich zuvor an vielen Stellen clever und berechtigt schonte, lieber die beiden großen Champions die Arbeit machen ließ – so muss man es spielen, wenn man nicht die Palmares dieser Außerirdischen hat.

Es muss sich wohl komisch anfühlen, schaut man Mailand-Sanremo 2026 als jemand, der sonst den Radsport nur am Rande verfolgt. Es scheint unwirklich, nahezu absurd, was der Typ im kaputten Regenbogen-Einteiler mit abgeschürften Schíenbein da macht. Und selbst als intensiver Beobachter des Sports kommt man um ein paar Kopfschüttler nicht herum. Die Erklärung für all das Gesehene ist einfach: Tadej Pogacar macht Tadej Pogacar Sachen.

„Tadej macht einen anderen Sport“, schrieb mir ein selbst sehr erfolgreicher Profi nach dem Rennen. So scheint es zu sein. Hätte man die vergangenen fünf Jahre nicht verfolgt, es blieben die Augenbrauen wohl bis Paris-Roubaix hochgezogen, bei der Darbietung des Weltmeisters. Doch wir haben das Zeitfahren bei der Tour de France 2020 gesehen, die WM in Zürich miterlebt, fünf Lombardei-Vorführungen erlebt, ein unmögliches Giro-Tour-Doppel Wirklichkeit werden sehen.

Jetzt warten wir auf Paris-Roubaix, wo er, der beste Radsportler der Welt, den nächsten Haken setzen möchte. Und: Oft wird sich beschwert, dass seine Siegesfahrten langweilig seien – Mailand-Sanremo 2026 war dies gewiss nicht.


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