Der „E3-Prijs“ wird oft „kleine Flandern-Rundfahrt“ genannt, weil es im Herzen der flämischen Ardennen über die gleichen Straßen geht. Im Vergleich zur großen Flandern-Rundfahrt ist die „E3 Saxo Classic“ rund 50 Kilometer kürzer, doch es ist ebenfalls ein superschweres Rennen! Meist wird es von den Fahrern offensiv gestaltet und es entwickelt sich so ein packendes Rennen.
„Die Herausforderungen sind kompakter, als bei der Ronde, dadurch wird sehr offensiv gefahren“, sagt Jens Zemke, Sportlicher Leiter beim Team Pinarello-Q36.5 Pro Cycling. Über 16 „Hellinge“ – die gefürchteten kurzen Anstiege in den flämischen Ardennen – führt das Rennen, ist 208,5 Kilometer lang.
„Die Strecke wurde etwas verändert, aber ich gehe auch in diesem Jahr davon aus, dass das Finale früh eröffnet wird“, sagt Zemke. „Das Rennen ist meist stark von Taktik geprägt, die Teams versuchen, eine Überzahl herzustellen und das dann zu nutzen. Man muss stets hellwach sein, darf nie in die Defensive geraten, sonst verliert man schnell die Chance auf eine Top-Platzierung. Die letzten 100 Kilometer sind sehr nervös und von Positionskämpfen geprägt, dazu gibt es zwischen den Anstiegen immer nur kurze Momente, wo man sich erholen kann. Das macht das Rennen sehr intensiv“, so Zemke.
„Eine der Schlüsselstellen ist der Taaienberg, doch es gilt schon vorher in Position zu sein. Denn die Anfahrt über Knokteberg und Kortekeer hat es in sich. Man muss hellwach und bereit sein“, so Zemke.
Das Finale ist das Paterberg-Kwaremont-Doppel – die beiden legendären Anstiege werden in umgekehrter Reihenfolge gefahren, wie bei der Flandern-Rundfahrt rund eine Woche später. „Zwei schwere Anstiege, die auch beim E3-Prijs für die Entscheidung sorgen können. Doch man darf nicht vergessen, dass es anders als bei der Ronde dann noch rund 30 Kilometer bis ins Ziel sind“, so Zemke.
Für viele Top-Fahrer ist die E3 Saxo Classic ein echter Härtetest mit Blick auf die Ronde. Einige lieben den E3-Prijs, andere hassen dieses Rennen regelrecht. Man wird vermutlich gut sehen können, wer konkurrenzfähig ist und dann auch zu den Favoriten für die Flandern-Rundfahrt zählt.
Start und Ziel sind auch in diesem Jahr in Harelbeke, an gleicher Stelle wie in den vergangenen Jahren. Erneut etwas mehr als 200 Kilometer lang mit rund 3000 Höhenmetern – doch der E3-Prijs ist noch etwas anspuchsvoller als ohnehin schon geworden. Das „E3“ im Namen hängt übrigens mit der Geschichte des Rennens und der Autobahn E3 zusammen, diese wurde in den 1950er Jahren gebaut und führt von Harelbeke nach Antwerpen. Heute trägt diese Straße aber nicht mehr den Namen „E3“, sondern heißt A14.
Das Finale wurde etwas verändert, der Oude Kwaremont wird nun zweimal bezwungen. Auch die Karnemelkbeekstraat, die nun den Namen „E3-Col“ im Rennen hat, wird zweimal befahren. Der Taainberg rückt etwas näher ans Ziel und das Finale erscheint komprimierter.
Die erste von insgesamt 16 Steigungen des Tages ist der Katteberg, genau wie im vergangenen Jahr geht es danach über La Houppe. Nun allerdings nicht über Kanarieberg, sondern Berg Ten Stene zum Oude Kruisberg. Anschließend dann über E3-Col zum Oude Kwaremont – der bei der ersten Auffahrt von Osten, also nicht über das bekannte Kopfsteinpflaster erklommen wird.
Über Hotond und Kortekeer geht’s zum Taainenberg, eine der Schlüsselstellen des Rennens. Meist fliegt das Peloton hier auseinander und es formieren sich verschiedene Gruppen. Meist beginnt bereits hier das spannende Finale. Welche Rolle die neu eingeführte Oude Kwaremont Passage spielt, bleibt abzuwarten.
Nach dem Taaienberg geht es diesmal über den Boigneberg zum Eikenberg und dann nicht über den Stationsberg, sondern zur N60 und diese hinauf bis hinter den Koppenbergwald und dann runter nach Melden. Von dort dann über den Kapelberg zum Paterberg-Kwaremont-Doppel. Ebenfalls eine Schlüsselstelle. Die letzten Hellinge sind auch 2026 Paterberg, Oude Kwaremont, Karnemelkbeekstraat – der den Namen E3 Col trägt. Der Tiegemberg ist die letzte Steigung auf dem Weg zum Ziel in Harelbeke.
Anfahrt zum Ziel des E3-Prijs
Die Favoriten der E3 Saxo Classic 2026
Der Top-Favorit ist Mathieu van der Poel, der die vergangenen beiden Austragungen souverän gewann. Vier Mal stand der Niederländer am Start, stets landete er auf dem Podium. Die Konkurrenz ist stark, wenn auch nicht übermächtig. Wout van Aert und Tadej Pogacar sind nicht dabei, dafür eine starke Lidl-Mannschaft mit Mads Pedersen, Søren Kragh Andersen und Mathias Vacek.
Biniam Girmay, Jasper Stuyven, Michael Valgren, Ben Turner, auch Ex-Champion Kasper Asgreen ist dabei. Der erfahrene Oliver Naesen führt ein starkes Decathlon CMA CGM Team an, Routinier Matteo Trentin kommt mit starken Tudor-Helfern. Die großen Motoren Matej Mohoric, Jonas Abrahamsen, Ben Turner oder auch Alec Segaert sollte man nie unterschätzen, das gilt auch für den vielseitigen Bastien Tronchon.
***** Mathieu van der Poel **** Laporte, Stuyven *** Pedersen, Vermeersch ** Van Dijke, Del Grosso, Gregoire * Girmay, Van Baarle, Valgren, Vacek, Mohoric, Madouas
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