
Am Ende der 5. und längsten Etappe der Baskenland-Rundfahrt sicherte sich der Franzose Paul Seixas (Decathlon CMA CGM) seinen dritten Tagessieg. Nach 176,2 Kilometern rund um Eibar und acht kategorisierten Anstiegen bezwang der 19-Jährige im finalen Sprint Florian Lipowitz (Red Bull-Bora-hansgrohe), mit dem er sich rund 30 Kilometer vor dem Ziel vom Rest der Favoriten absetzen konnte.
„Es war eine harte Etappe. Ich wollte sie gewinnen und mein Team hat den ganzen Tag kontrollieren können. Irgendwie hatte ich zwar das Gefühl, dass ich nicht All-Out gehen kann an den Anstiegen, aber am Ende kamen die Beine nach der letzten Abfahrt zurück. Florian war stark heute und es war ein enges Duell“, so Seixas im ersten Zielinterview.
In der Gesamtwertung konnte er seinen Vorsprung auf den 25-jährigen Deutschen um ein paar Sekunden ausbauen und liegt vor dem Schlussabschnitt 2:30 Minuten vor Lipowitz. Auf Rang drei folgt der Teamkollege des Deutschen, Primoz Roglic, mit 3:40 Minuten. Zehn Sekunden hinter dem Slowenen reiht sich Lokalmatador Ion Izagirre (Cofidis) als Vierter ein, vor dem Franzosen Alex Baudin (EF Education – EasyPost), der die Top fünf mit einem Rückstand von 4:12 Minuten komplettiert.
Die Etappe: Die längste Etappe der diesjährigen Ausgabe ist zugleich auch der schwerste Abschnitt mit fast 4.000 Höhenmetern auf 176,2 Kilometern – perfekt um doch noch einmal das Gesamtklassement durcheinander zu wirbeln.

Was sonst so passierte:
Die Achterbahnfahrt im Baskenland mit gleich acht kategorisierten Anstiegen lud zu Offensivaktionen ein. Schon früh, nach 20 gefahrenen Kilometern, lösten sich 35 Fahrer. Nachdem diese eingeholt worden waren, folgte die nächste große Gruppe. Aus dieser schob sich Frankreichs Evergreen Guillaume Martin (Groupama – FDJ) auf zwei Minuten in der Gesamtwertung an seinen Landsmann Seixas heran. Das Team des Leaders blieb aber erneut cool und stellte nach 110 Kilometern die Ausreißer.
Danach übernahmen die Klassementfahrer das Geschehen im Rennen, vor allem durch Lipowitz, der immer wieder Leader Seixas attackierte. Am viertletzten Anstieg zerlegte der Deutsche das klein gewordene Feld dann komplett. Nach der Abfahrt sammelten sich wieder rund 20 Fahrer und der Spanier Marc Soler (UAE Team Emirates – XRG) und der Ire Ben Healy (EF Education – EasyPost) konnten sich um einige Sekunden absetzen.
Der letzte verbliebene Helfer von Seixas, Nicolas Prudhomme, schloss rund 30 Kilometer vor dem Ziel wieder die Lücke und sein Kapitän erhöhte noch einmal das Tempo, welches nur mehr vier Fahrer mitgehen konnten: Lipowitz, Roglic, Izagirre und zunächst Cian Uijdtebroeks (Movistar). Der Belgier musste aber als erster Fahrer wieder reißen lassen. Nachdem Lipowitz für eine weitere Beschleunigung sorgte, verblieben nur mehr er und Seixas an der Spitze des Rennens übrig.
Das Duo arbeitete zusammen und 700 Meter vor dem Ziel eröffnete der Deutsche das Finale. In Eibar aber verteilte der Gesamtführende Seixas kein Geschenk und vereitelte somit den ersten möglichen WorldTour-Sieg von Lipowitz. Neben der Führung in der Gesamtwertung schob sich der Franzose vor dem Schlusstag auch in der Berg- sowie Punktewertung auf die erste Position. Die Nachwuchswertung führt er auch an.
Erkenntnisse des Tages:
- Ein aggressiver Lipowitz! Je länger die Baskenland-Rundfahrt dauert, desto besser kommt der 25-Jährige in Fahrt. Speziell an den steilsten Stücken wirkte er dem Leader Seixas nicht nur ebenbürtig, sondern sogar ein Stück voraus. Seinen ersten möglichen WorldTour-Sieg verpasste er zwar knapp, jedoch winkt ihm nach Rang drei in Katalonien das nächste Podium bei einer einwöchigen Rundfahrt am Samstag.
- Doppelpodium anstatt taktischer Spielchen schien am Ende der 5. Etappe die Strategie von Red Bull-Bora-hansgrohe zu sein. Als sich Lipowitz rund 30 Kilometer vor dem Ziel gemeinsam mit Seixas absetzte, konnte Teamkollege Roglic nicht mitgehen. Dennoch hätte Lipowitz nicht voll mitführen müssen mit dem Franzosen, lag er bereits über zwei Minuten in der Gesamtwertung zurück. Durch die Mitarbeit war eine Rückkehr von Roglic an die Spitze nicht mehr möglich, welche die Karten auf den Tagessieg für die Raublinger deutlich verbessert hätte.
- Wieder kein Tag für Lidl-Trek war die 5. Etappe im Baskenland. Nachdem am Vortag Kapitän Juan Ayuso das Rennen verlassen musste, kassierte der in der Gesamtwertung Fünftplatzierte Mattias Skjelmose eine richtige Packung von über achtzehn Minuten. Außerdem räumte das Betreuerauto bei der Versorgung des Dänen dann noch fast den Spanier Markel Beloki (EF Education – EasyPost) ab. Ein Tag zum Vergessen für das zweite deutsche WorldTeam.
- Der Titel des Pechvogels des Tages geht an den Drittplatzierten Javier Romo (Movistar). Nachdem sein Teamkollege Cian Uijtdebroeks den Anschluss an Seixas und Lipowitz verloren hatte, stürmte der Spanier wieder an das Spitzenduo heran. Als er kurz vor der Bergkuppe die beiden erreichte, verhakte er sich am Hinterrad des Deutschen und kam zu Sturz. Zuerst allein, dann mit Roglic gemeinsam machte er sich auf die Verfolgung, wurde aber von der nächsten Gruppe gestellt. Am letzten Kilometer sprintete er dieser wieder davon und holte den dritten Tagesrang. Nicht auszurechnen, was für den 27-Jährigen im Sprint gegen Seixas und Lipowitz gar möglich gewesen wäre.

