So schnell kann es gehen – der Top-Favorit ist aus dem Rennen um Rosa

Geraint Thomas war in überragender Form in den Giro gestartet. Beim Zeitfahren war er stark und lag in der Gesamtwertung nach zwei Etappen nahezu perfekt positioniert. Doch bevor die dritte Etappe startete, war sein “Rennen um Rosa” schon beendet. Er erwischte in der neutralen Phase eine Trinkflasche und stürzte. Verletzt musste er später im Rennen die Konkurrenz ziehen lassen. Bitter, für den Toursieger von 2018. Als er 2017 als Kapitän zum Giro kam, sorgte ein Polizeimotorrad für einen üblen Sturz, der Thomas die Chance auf Rosa nahm. Nun das Pech in der Neutralisation. Noch ist “G” im Rennen, vielleicht kann er in einigen Tagen noch auf Etappenjagd gehen. 

Keine Kontrolle

Im Schlussanstieg sah es ganz anders aus, als bei der Tour de France. Da war kein Über-Team, das mit Mörder-Tempo das Rennen erstickte. Es war ein offener Schlagabtausch. Klar, noch mit etwas Zurückhaltung, weil es erst der dritte Renntag war. Aber dieser Giro scheint ein ganz anderes, viel offeneres Rennen zu sein, als die (über)kontrollierte Tour. Mal schauen, ob das so weiter geht, denn vielleicht können wir so ein spektakuläres Rennen mit zahlreichen dramatischen Wendungen erleben. Genau deswegen wird der Giro von den Fans so sehr geliebt.
 

Wilco Kelderman – nutze den Tag, Wilco!

Als sich die anderen Favoriten belauerten packte Wilco Kelderman die Gelegenheit beim Schopfe. Er knatterte davon und holte einige Sekunden heraus. Klar, 12 Sekunden sind nicht die Welt, aber man muss bedenken, dass der Niederländer mental einen satten Schub mit in die nächsten Etappen nimmt. Und zudem musste er so nicht die einzelnen Attacken mitgehen, sondern konnte sein Tempo fahren. Schade nur, dass man ihn so wenig im Bild sah, weil die zusätzlichen Kameras bei den abgehängten Yates und Thomas blieben.
Man darf gespannt sein, wie weit es für Kelderman bei diesem Giro reichen kann. Nun ist er Gesamtvierter, vor Nibali, Fuglsang und Majka. Die flachen Zeitfahren muss er auch nicht fürchten. Gut möglich, dass ihn die Kameras bald mehr einfangen, als am Ätna.
 

Simon Yates – die unerwartete Schwäche

Plötzlich war Simon Yates in Schwierigkeiten. Der Vuelta-Sieger von 2018 zählte zu den großen Favoriten auf den Gesamtsieg und man hatte ihn auch am Ätna weit vorn erwartet. Doch früh musste er reißen lassen und büßte mehr als drei Minuten auf die Konkurrenz ein. “Es ist ein langes Rennen, jeder hat einen schlechten Tag. Leider ist es für uns früh im Rennen”, sagte Teamchef Matt White.
Noch ist er nicht endgültig geschlagen, aber nach nur drei Etappen rund drei Minuten hinter den anderen Favoriten zu liegen, ist eine schwere Hypothek.  
 

Nibali vs Fuglsang?

Die Stärksten bergauf? Am Ätna eindeutig Fuglsang und Nibali. Das Duo ist nun in der Favoritenrolle. Aber Rafal Majka und Steven Kruijswijk scheinen nicht viel schwächer. Zudem sind Wilco Kelderman und  Joao Almeida in Lauerstellung. Pello Bilbao und Domenico Pozzovivo sind ebenfalls enorm stark. Und ist Yates wirklich bereits geschlagen? Der Favoritenkreis hat sich verkleinert, aber es ist noch sehr, sehr weit bis Mailand! 


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