Manchmal klappt es eben doch

Vier Sekunden rettete Taco van der Hoorn ins Ziel und feiert den größten Sieg seiner Karriere. Im Finale werden ihm viele Zuschauer die Daumen gedrückt haben, denn es war der alte Kampf, des zähen Ausreißers, der sich mit letzen Kräften gegen das übermächtige Feld wehrt. Den Mund weit aufgerissen, den Körper so windschlüpfrig wie möglich und doch gerade noch erlaubt – Van der Hoorn litt “herrlich” auf dem Rad.

Es siegte David, nicht Goliat. Und das verdient. Denn zu lange ließen die anderen Mannschaften Bora-hanshgrohe allein, in der Verfolgungsarbeit. Bei Isreal StartUp Nation wird man sich vielleicht ärgern, Bora nicht ausreichend geholfen zu haben, hatte man doch fünf Fahrer in der ersten Gruppe und am Ende zwei endschnelle Männer in den Top5. So wurde Davide Cimolai “nur” Zweiter, hinter dem strahlenden Sieger.

Für die Radsportfans ein schöner Tag, der zeigt – nicht oft kommen die Ausreißer durch, aber manchmal klappt es eben doch.


Albanese bleibt bravourös in Blau

Gut, das Wort “bravourös” passte wegen der Alliterationen besonders gut, aber in der Tat hat der 24-jährige Vincenzo Albanese sein Bergtrikot mit wirklich guter Fahrweise verteidigt. An der ersten Bergwertung holte er sich clever die Punkte, musste vorher den ausgerissenen Andrii Ponomar zurückholen. Auch an der zweiten Wertung sammelte er die Punkte und holte an der dritten sogar noch einen Zähler. Fast perfekte Ausbeute und am Dienstag ein verdienter weiterer Tag im Maglia Azurra.

Ein Dankschön geht dabei sicher auch an seinen Teamkollegen Samuele Rivi. Denn diesem hat er es auch zu verdanken, in der Gruppe des Tages gewesen zu sein. Denn als bereits die Post abging, fuhr Rivi mit Albanese am Hinterrad zu den Ausreißern vor. Und später stellte sich Rivi voll in den Dienst des “Projekt Bergtrikot”.

Für die junge ProConti-Mannschaft eine gute Team-Leistung und die Tage in Blau ganz sicher wertvolle Erfolge.


Ach, Bora

Im Radsport zählt nur das Ergebnis – so heißt es zumindest. Was das betrifft, steht Bora mit Etappenplatz drei fast mit leeren Händen da, nachdem man lange Tempo machte. Doch Radsport sei ein Teamsport und das Miteinander enorm wichtig – heißt es auch. Was das betrifft, dürfte es ein guter Tag gewesen sein, denn man zeigte Geschlossenheit, lieferte ein gutes Rennen und musste sich am Ende eben doch geschlagen geben. Doch für die großen Aufgaben bei diesem Giro scheint man als Einheit bereit.

Natürlich, gern hätte Peter Sagan die Etappe gewonnen und dabei natürlich auch wichtige Punkte für das Maglia Ciclamino mitgenommen – doch daraus wurde nichts. Doch es lag nicht nur an den Bora-Jungs.

“Jeder hat sein absolutes Maximum gegeben, von der Startlinie bis zum Ziel. Aber wir können nicht alles alleine machen, man braucht auch die Zusammenarbeit mit dem Rest des Feldes”, so Jan Valach, Sportlicher Leiter des Teams. Vielleicht wird man bei diesem Giro noch Etappen sehen, wo sich einige Teams die Unterstützung der Bora-Mannschaft wünschen würden. Man darf gespannt sein, was dann passiert.



Vivianis Frust

Nach dem Ziel machte Elia Viviani seinem Ärger Luft und berührte mit dem Arm Davide Cimolai. Kein echter Schlag, aber doch eine bewusste Bewegung in Richtung Cimolai (siehe Video unten). Viviani fühlte sich im Sprint von Cimolai an der Bande eingeklemmt, musste sich dann noch schmal machen, um zwischen den Fotografen und Cimolai durch zu passen.

Er war frustriert, daher wohl die Bewegung mit dem Arm – aber entschuldigte sich umgehend, sodass es zurecht keine große Sache wird.

Dennoch zeigt diese Reaktion, wie groß die Anspannung im Kampf um jede Position ist. Auch das sollte man sich immer wieder vor Augen führen, denn bei all dem Druck und der Professionalität bleibt es stets ein gefährlicher Sport.

no images were found