Schmerzvoller Auftakt

Gleich zwei Massenstürze überschatteten den Auftakt der Tour de France. Der zweite, wenige Kilometer vor dem Ziel, war ein klassischer Rennunfall. In der Anfahrt zum Zielort stürzte in der Abfahrt ein B&B-Hotels-Fahrer und weitere fielen darüber. Chris Froome und André Greipel erwischte es dabei auch. Bitter, aber ein typischer Unfall für den hektischen Beginn einer Tour de France.

Der erste Massensturz wurde durch eine(n) Zuschauer*in ausgelöst. Dieser “Fan” hielt ein großes Schild auf die Straße und winkte in die Kamera – mit dem Rücken zum Fahrerfeld. Der Sturz sah schlimm aus und dass mit Jasha Sütterlin nur ein Fahrer sofort aufgeben musste, überraschte. Schmerzen und Enttäuschung waren in Sütterlins Gesicht abzulesen, als er am Straßenrad saß und nun bereits am ersten Tag aufgeben musste. Sein Teamkollege Cees Bol fasste im Ziel gut zusammen: “Die meisten Zuschauer sind tolle Leute, aber ganz wenige vermasseln es”. Die Tour de France gibt sich seit Jahren große Mühe, den Fans die Gefährlichkeit von Smartphones oder Slefiesticks die auf die Strecke ragen zu erklären. Wer selten Gast bei einem Radrennen ist, kann das Tempo des Feldes leicht unterschätzen. Dass ein Peloton die gesamte Straßenbreite nutzen will, sollte schnell einleuchten.

Es war ein bitterer Moment und nicht wenige Fans werden einen Kloß im Hals gehabt haben, bei den Bildern. Menschen machen Fehler, leider sind die Folgen manchmal sehr schlimm. Ein Sportler wie Jasha Sütterlin, der sich mit viel Arbeit und herausragenden Leistungen seinen Start bei seiner 2. Tour hart erarbeitet hat, ist dies ein ganz schlimmer Moment, mit vielleicht größeren Folgen.

Vielleicht sollte die großartige Radsport-Gemeinschaft sich noch mehr ins Zeug legen, allen “Fans” an der Strecke zu helfen, solche Situationen zu vermeiden. Sich gegenseitig warnen, auf die Gefahr hinweisen, miteinander sprechen. Der Radsport ist auch deshalb so großartig, weil die Nähe zu den Sportlern außergewöhnlich ist. Aber die Fahrer sollten sich sicher fühlen, und nicht Angst vor den Zuschauern haben – denn das kann kein Radsport-Fan wollen!

Alaphilippe weltmeisterlich – Rogla & Pogi schon im Modus

Der stärkste Fahrer der ersten Etappe fährt nun in Gelb. Als Alaphilippe antrat, konnte niemand folgen. Van der Poel versuchte es, musste aber einsehen, dass er keine Chance hatte. „Jeder hat gesehen, dass Alaphilippe ohne Zweifel der Stärkste war. Ich habe heute alles gegeben, aber ich hatte nichts mehr in den Beinen”, sagte Van der Poel, der vor der Etappe einer der Top-Favoriten war. Aber gegen den Weltmeister in dieser Form war nichts zu machen. “Das war so nicht geplant. Ich wollte meine Rivalen testen, und als ich sah, dass ich eine Lücke habe, habe ich Vollgas gegeben”, so Alaphilippe. Er tauscht nun das Regenbogen Trikot gegen Gelb – so stark wie er heute fuhr, wird er das Trikot vielleicht eine ganze Weile tragen.

Alaphilippe profitierte auch vom Duell Roglic vs Pogacar. Denn zwei Kilometer vor dem Ziel war das Duo nur zwei Sekunden dahinter. Aber Roglic, der zuvor attackiert hatte, verweigerte die Tempoarbeit. Da nahm auch Pogacar raus und sie wurden wieder von den Verfolgern eingeholt. Der Kampf um den Toursieg wird 20 Tage lange hart geführt – das Duo Pogacar/Roglic dürfte noch für reichlich Unterhaltung sorgen.

Lopez, Woods, O’Connor, Kruijswijk, Martin, Buchmann – GC-Fahrer mit Zeitverlust

Fast alle der großen Favoriten erreichten in der Gruppe um Roglic und Pogacar das Ziel. Richard Carapaz verlor fünf Sekunden auf diese Gruppe, nachdem er im Sprint kurz ausweichen musste und dabei ausklickte. Aber eine Handvoll Klassementfahrer erwischte es im Finale eben doch. Guillaume Martin, Ben O’Connor, Emanuel Buchmann und Steven Kruijswijk kassierten am Ende fast zwei Minuten Rückstand. Alle vier sind nicht zu den Top-Favoriten auf einen Podestplatz in Paris zu zählen, aber dennoch starke Rundfahrer mit Chancen auf die Top10.

Aus dem Kreise der Top5-Kandidaten erwischte es Miguel Angel Lopez (Movistar) und Michael Woods (Israel StartUpNation). Lopez kassierte ebenfalls fast zwei Minuten. Der Kolumbianer wird bei den Zeitfahren vermutlich weitere Zeit verlieren. Kein guter Start in die Tour.
Noch härter erwischte es Michael Woods. Er verlor mehr als acht Minuten und kann seine Hoffnungen in der Gesamtwertung bereits begraben.

Punkte-Ide

Als Ide Schelling merkte, dass er mit Sprints zu den Bergwertungen vielleicht nicht erfolgreich sein würde, packte er die Brechstange aus. Er fuhr weit vor dem Ziel los und holte sich an der vorletzten Bergwertung den so wichtigen dritten Bergpunkt. Er reckte die Faust in den Himmel und hatte das Trikot (fast) sicher. Für sein Team ist dieses Bergtrikot durchaus von Bedeutung. Denn früh im Rennen etwas Zählbares einzufahren, beruhigt nicht nur die Sponsoren. Es gibt Selbstvertrauen und vielleicht auch ein wenig die Richtung vor. Schelling hat sich dieses Trikot hart erkämpft, bekam zudem noch die Rote Rückennummer und darf es genießen – aber bald wird er für die Kapitäne rackern müssen. Oder geht er Sonntag schon wieder in die Gruppe, um das Trikot zu verteidigen?

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Die noch anstehenden Etappen der Tour 2021

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Profil der 19. Etappe der Tour de France 2021