Jonas Vingegaard
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Der Kampf um Gelb bleibt spannend

Jonas Vingegaard geht mit 2:22 Minuten Vorsprung in die Schlusswoche der Tour de France. Ein dickes Polster? Ja und nein. Tadej Pogačar hatte einen schwächeren Tag, an dem er den Rückstand kassierte, an allen anderen Tagen wirkte er mindestens gleichstark. Auf das Zeitfahren am vorletzten Tag kann man nun bereits voraus schauen und hochrechnen, doch die Pyrenäen sind so schwer, dass man diese Kalkulation jeden Tag neu anstellen müsste. Klar ist, Vingegaard würde zweieinhalb Minuten Vorsprung für das Zeitfahren wohl locker reichen.

Vingegaard hat am Sonntag zwei Helfer verloren – Primoz Roglič und Steven Kruijswijk. Zwei Fahrer, die vor allem in den Bergen wichtig waren. Als reine Bergziege ist nun nur noch Sepp Kuss übrig. Ein starker Mann, ohne Frage, doch auch seine Reserven sind endlich. Das Team ist geschwächt, auch wenn man starke Helfer für mittelschweres Terrain hat. Das Rennen kontrollieren ist sicher möglich, solang nicht die direkte Konkurrenz in den Bergen All In geht. Dann muss es Vingegaard mit Kuss regeln.

Der Druck auf Vingegaard wird immer größer. Er muss „nur“ Pogačar folgen. Aber er MUSS es immer. Stets bereit sein, keine Fehler machen, keine Schwäche zeigen, bloß nicht wieder unnötig stürzen…. – das kostete Kraft. Dazu die täglichen Interviews, Podium etc.. Ja, auch Pogačar muss dies tun, weil er das Weiße Trikot trägt – aber „Pogi“ ist im Angriffsmodus, wird gefragt, wann er denn angreifen will. Vingegaard hingegen muss stets auch die Fragen antworten, wie er sich denn wehren will und ob er nicht Angst hat, ob seines geschwächten Teams – auch das trägt zur Drucksituation bei.

Und noch etwas erschwert die Situation für Vingegaard. Das Team Ineos und die Historie. Vingegaard hat zwei Hauptkonkurrenten – Pogačar und Thomas. Beide haben die Tour de France bereits gewonnen. Sie müssen nicht um Rang drei oder vier fahren. Sie haben nicht den Druck des „ersten großen Tour-Sieges“. Thomas ist keine drei Minuten zurück und hat ein bärenstarkes Team. Man sollte ihn nicht unterschätzen! Geraint Thomas weiß, dass er nicht so stark ist, wie die beiden Überflieger dieser Tour. Aber Pogačar musste schon erleben, wie schnell man Zeit verliert, wenn man eine Schwäche hat. Thomas ist die Konstanz in Person. Sein Tempo fahrend, nicht die Attacken suchend. Genau das macht ihn so gefährlich – er ist immer da und im Zeitfahren am vorletzten Tag zu außergewöhnlichen Leistungen im Stande.

Jonas Vingegaard hat sich in eine exzellente Position gebracht. Er hat ein Polster, das ihm Spielraum gibt. Er könnte sogar noch 40-60 Sekunden einbüßen, würde dennoch der große Favorit bleiben. Aber eine kleine Schwäche, und der Traum ist aus.

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