Visma | Lease a Bike – zu früh für Panik

Rang sechs mit Olav Kooij bei Gent-Wevelgem, der dritte Platz durch Wout van Aert beim E3-Prijs – die Ergebnisse des niederländischen Teams sind keineswegs schlecht. Doch von der „gelben Macht“ des vergangenen Jahres ist inzwischen nicht mehr viel übrig geblieben. Doch dabei sollte man stets bedenken, dass die Mannschaft in der Klassiker-Saison 2023 zunächst dominierte, dann bei den Monumenten leer ausging und dafür heftig kritisiert wurde. In diesem Jahr wählt man einen anderen Ansatz, vor allem auch mit Leader Wout van Aert. Dieser ließ Gent-Wevelgem weg, bereitet sich in diesem Jahr anders auf Ronde van Vlaanderen und Paris-Roubaix vor, als in der Vergangenheit.
Doch die Auftritter der vergangenen Woche waren insgesamt betrachtet nicht so richtig förderlich, in Sachen Monument-Selbstvertrauen. Lidl-Trek fährt in der Breite deutlich stärker, zudem ist Mathieu van der Poel in blendender Verfassung. Ein Lichtblick ist die herausragende Leistung von Matteo Jorgenson – der beim E3-Prijs fast stärker wirkte als Wout van Aert.
Doch gerade diesbezüglich sollte man sich verfrühte Urteile schenken. Van Aert hat einen eigenen Weg zu den Monumenten gewählt, man weiß nicht so genau, wann er tatsächlich seinen Peak erreicht. War der E3-Prijs ein gezielter Härtetest, dann muss das Fazit davon nicht zwangsläufig negativ sein. Ja, Van Aert war nicht so stark wie Van der Poel. Ja, Van Aert hat einen entscheidenden Fehler gemacht, der zum Sturz führte und ihm die Chance auf den Sieg nahm. Aber war diese Leistung tatsächlich sein Maximum?
Von außen schwer zu beurteilen, aber wenn Van Aert tatsächlich schon perfekt ausgeruht, mit aller Motivation und im Peak in den E3-Prijs ging, sind die Hoffnungen für die Ronde nun sicher getrübt. Doch wann kam er aus der Höhe? Wie hatte er sich vorbereitet, war er ausgeruht, … ? Das alles weiß nur das Team. Aber von außen betrachtet wirkte Van Aert beim E3-Prijs träge. Er fuhr extrem defensiv, was nicht überraschen muss. Aber er war nicht immer perfekt in Position, wirkte nicht so richtig „wach“ – zumindest im Vergleich zu früheren Auftritten von ihm. So kam es auch zum Fehler, der zum Sturz führte. Er war schlicht nicht am Hinterrad von Mathieu van der Poel, als es in der Paterberg ging. Aber dort muss er sein, will er um den Sieg fahren. Er wollte dann um Stefan Küng herum, über das Pflaster zu Van der Poel ans Rad – patsch, rutschte er mit dem Vorderrad an der Kante der Rinne weg und stürzte. Der Fehler passierte vor dem Paterberg, ohne diesen hätte er nicht aus der Rinne um Küng herum gemusst.
Ja, Radrennen sind wild, nicht alles ist planbar und schon gar nicht in diesen Rennen – es muss alles passen, will man gegen Van der Poel bestehen – die Ronde endlich gewinnen. Man darf gespannt sein, auf den Auftritt von Wout van Aert und seinem Team am kommenden Sonntag. In Panik müssen sie noch nicht geraten, aber sie müssen sich steigern, sonst wird es ganz, ganz schwer, mit dem erhofften Rondesieg von Van Aert.


