Die Kraft der Trikots
Es heißt, das Gelbe Trikot verleiht dem Träger Flügel. Mit dem Leadertrikot auf den Schultern würden Fahrer über sich hinauswachsen, Leistungen erbringen, die ohne diese Extra-Motivation nicht möglich wären. Das gilt allerdings nicht nur für das Maillot Jaune – sondern offenbar für alle Wertungstrikots!
„Um ehrlich zu sein, seit ich das Trikot trage, fühle ich mich superschnell. Das ist in meinem Kopf“, sagte Girmay im Ziel der 12. Etappe, bei der er seinen dritten Tagessieg bei der 111. Tour de France eingefahren hatte. Girmay von Grün beflügelt – das ist auch bei den Zwischensprints zu sehen. Clever und saustark sammelt er Punkte, setzte sich bei den flachen Sprints gegen andere endschnelle Männer durch – nicht nur an den Tagen, wo er siegt, sondern auch bei den Sprints, die andere gewinnen. Er kämpft um jeden Punkt, will das Trikot so lange tragen, wie möglich! Bleibt er gesund, wird er es wohl bis Nizza nicht mehr hergeben.
Auch die roten Punkte des Bergtrikots scheinen Extra-Power zu geben. Jonas Abrahamsen holte es sich am ersten Tag, war inzwischen satte vier Mal in der Fluchtgruppe des Tages, zeigt sich unermüdlich bei den Bergwertungen vorn und liefert eine Tour de France, als würde ihn das Gepunktete Trikot vor Ermüdung schützen. „Das Trikot ist wunderschön“, sagt Abrahamsen und betont, dass es für ihn eine große Ehre ist, es zu tragen.
Aktuell trägt es zwar nur in Vertretung, doch das ändert sich vielleicht am Freitag, nachdem er nun wieder punktgleich mit Pogacar ist – der offiziell die Bergwertung weiter anführt, weil er die höhere Kategorie gewonnen hat.
Abrahamsen trägt das Trikot nun vertretungsweise für den Mann in Gelb, hatte es aber 10 Tage in Folge bei der Siegerehrung überreicht bekommen – eine sehr lange Zeit, fast die Hälfte der gesamten Tour. Abrahamsen im Trikot ist inzwischen offenbar nicht nur für die Zuschauer ein gewohntes Bild, sondern vielleicht auch bei den Ehrungen eine Art Routine. Der Sprecher bei der Siegerehrung am Mittwoch sagte „Jonas“ Pogacar zum neuen Bergkönig. Ein Versprecher, der zumindest Abrahamsen schmunzeln ließ.
Video: „Jonas“ Pogacar



