Insgesamt 23 Saisonsiege holte das Team Red Bull-Bora-hansgrohe in der Saison 2025, blieb damit auf dem Niveau der vergangenen beiden Saisons. Am Ende steht man auf Rang sechs im World Ranking – durch den Aufstieg von XDS-Astana büßte man eine Position ein. Der Erfolg bei der Tour de France mit dem Gewinn des Weißen Trikots und Gesamtrang drei durch Florian Lipowitz überstrahlt die gesamte Saison. Doch auch bei der Vuelta und beim Giro war man erfolgreich – Gesamtrang vier mit Jai Hindley in Spanien, Gesamtrang sechs durch Giulio Pellizzari beim Giro machen das deutlich.

Guter Start, schwache Klassiker

Der Saisonstart war sehr erfolgreich, Sam Welsford und Finn Fisher-Black fuhren erfolgreich in Australien. Neuzugang Maxim Van Gils holte bei der Ruta del Sol seinen ersten Saisonsieg und Primoz Roglic gewann die Katalonien-Rundfahrt. Bei den Klassikern lief es dagegen schlecht. Zum Opening Weekend agierte man taktisch unglücklich, schonte Jordi Meeus beim Omloop het Nieuwsblad, wo es am Ende zum Sprint einer größeren Gruppe kam, in Kuurne am Folgetag war er gegen die Top-Sprinter machtlos. Insgesamt lief bei den flämischen Rennen einfach wenig zusammen, auch die Neuzugänge konnten wenig bewegen. Von Podestplätzen war man weit entfernt und der Teamchef Ralph Denk zeigte sich unzufrieden:

Strake Grand Tours

Beim Giro lief es auch nicht nach Plan, nachdem Jai Hindley früh durch einen Sturz ausgeschieden war und Primoz Roglic zeitweise wie ein Fremdkörper des Teams wirkte. Das sollte sich dann bei der Tour de France noch deutlicher zeigen. Roglic stürzte beim Giro mehrfach und schied ebenfalls aus. Der junge Giulio Pelizzari lieferte hingegen einen sehr guten Giro und rettete gemeinsam mit Nico Denz die Bilanz des Teams. Denz war als Helfer im Einsatz und bekam nach dem Aus von Hindley und Roglic freie Fahrt. Bei seiner einzigen Chance auf einen Etappensieg packte er die Brechstange aus und sorgte mit seinem Etappensieg für einen der emotionalsten Momente des Giro.

Bei der Tour de France lief auch nicht alles perfekt, aber in Sachen GC deutlich erfolgreicher. Lipowitz fuhr überragend, Roglic dagegen sein eigenes Rennen. Die Sportliche Leitung schien mit der Doppelstrategie und der Situation um Roglic überfordert. Am Ende stand Lipowitz auf dem Podium und löste einen Hype aus. Insgesamt ein Riesenerfolg für das deutsche Team. Im Anschluss wurde der Umbruch in der sportlichen Führungsetage bekannt und wenig später die Verpflichtung von Remco Evenepoel publik. Bei der Vuelta fuhren Hindley und Pellizzari stark, sodass man mit den Grand Tours ingesamt sehr zufrieden sein kann.

Der Fall Lazkano

Ganz am Ende der Saison gab es für das Team noch negative Schlagzeilen. Neuzugang Oier Lazkano wurde wegen Auffälligkeiten im Blutpass suspendiert. Diese Auffälligkeiten stammen zwar aus seiner Zeit beim Team Movistar und vor dem Engagement beim deutschen Team, dennoch wirft es kein gutes Licht auf die Führungsetage. Die Frage nach der Sorgfalt beim Scouting wurde laut, zumal Red Bulls Sportliche Leiter Francisco Javier „Patxi“ Vila zur Saison 2020 zum spanischen Team Movistar als „Head of Performance“ wechselte und dort bis einschließlich 2023 beschäftigt war – dann 2024 zurück zu Red Bull-Bora-hansgrohe kam. Im Zeitraum, als Lazkano der Durchbruch gelang und er seine ersten großen Erfolge feierte, war Vila beim Team Movistar tätig. Vom Team Movistar heißt es, dass alle Tests, auch die die internen, negativ waren und es „faktisch unmöglich“ gewesen sei, „eine Unregelmäßigkeit wie die nun im Verfahren der Union Cycliste Internationale (UCI) dargelegte zu erkennen oder auch nur zu erahnen.“ Lazkano war zur Saison 2025 zum deutschen Team Red Bull-Bora-hansgrohe gewechselt, bestritt seit Mitte April kein Rennen mehr für die deutsche Equipe.

Neustart 2026

Die sportliche Führung wurde komplett umgebaut, mit Neuzugang Evenepoel wird sich wohl auch sportlich einiges verändern. Die Nachwuchsteams sind sehr erfolgreich, so stehen für die Zukunft einige große Talente in den Startlöchern. Doch der Druck ist immens, die Erwartungshaltung nicht zuletzt durch das üppige Budget und die Topstars extrem hoch.

Es gilt nun, schnell eine Einheit zu formen, die Kapitäne auf eine gemeinsame Linie einzuschwören und dann vor allem auch bei den Schwachstellen anzusetzen. Für die Grand Tours ist man exzellent aufgestellt, bei den Klassikern wird man mehr als nur eine Schippe drauflegen müssen. Insgesamt wird es nicht reichen, die Erfolge aus dem Jahr 2025 zu wiederholen, die Ansprüche sind deutlich gewachsen.

Die gesetzten Ziele sind klar und bereits deutlich formuliert – als Team will man die absolute Weltspitze sein, gegen UAE mithalten und auch bei der Tour um den Sieg mitfahren. Wie realistisch dies kurzfristig ist, wird die Saison 2026 zeigen. Vielleicht wäre die Teamleitung gut beraten, die Ansprüche zumindest für das kommende Jahr etwas zu drosseln, denn bei solch Umbau in der Führungsebene wird es vielleicht einige Zeit brauchen, ehe die Rädchen ineinander greifen. Doch Geduld ist im Radsport ein seltenes Phänomen, und je größer das Budget, je dringender die Erfolge.