Enric Mas – der neue Movistar

Für Enric Mas war die Vuelta ganz sicher eine großartige Rundfahrt. Nach dem Aus bei der Tour hatte er wohl selbst nicht damit gerechnet, dass er bei der Vuelta um den Sieg kämpfen kann. Doch der Spanier war neben Evenepoel der stärkste Mann, zumindest bergauf. „Verloren“ hat Mas die Vuelta im Kampf gegen die Uhr. Nimmt man das Auftakt-Teamzeitfahren und das Einzelzeitfahren zusammen, hat er 2:43 min auf Evenepoel im Kampf gegen die Uhr eingebüßt. In Madrid lag er nur 2:02 min hinter Remco. Um das klarzustellen: Enric Mas hat kein schlechtes Einzelzeitfahren abgeliefert! Remco war schlicht überragend und holte an diesem Tag 1:51 min auf den Tageszehnten Mas.
Enric Mas ist 27 Jahre alt, kommt nun ins beste Rundfahrer-Alter. Sein Team Movistar hat ihn mit einem langen Vertrag ausgestattet und ihm die Kapitänsrolle übertragen. Es scheint zu passen, zwischen beiden und Mas wird zum neuen Aushängeschild des Teams. Sie gehen aus dieser Vuelta ganz sicher mit positivem Gefühl und auch Erleichterung. Denn mit dem zweiten Platz von Mas haben sie wertvolle UCI-Punkte geholt und müssen den Abstieg aus der WorldTour nun kaum noch fürchten.
Beeindruckend an Mas ist nicht nur seine Kletterqualität. Er strahlt Ruhe aus, gratuliert der Konkurrenz auch in Niederlagen fair, gibt sich in Interviews sympathisch und abgeklärt. Auf dem Rad agiert er clever und scheint mit der Sportlichen Leitung um Vicente García Acosta zu harmonieren. Am Schlusstag holte er sich beim Zwischensprint die Punkte und kletterte so in der Sprintwertung auf Gesamtrang drei. Unbedeutend, mag man denken – doch für Rang drei in der Sprintwertung gibt es 20 Zähler, für Rang vier null. Auch diese Aktion war ein Zeichen der Professionalität, mit der Mas und Movistar agieren. Genau das hatte das spanische Team nach den Netflix-Dokus, dem Wirbel um die Scherereien im Team nötig: Konstanz, Ruhe, Professionalität und Erfolg. Dank Mas ist das „alte“ Team Movistar zurück. Es wurde höchste Zeit.

