Das Profil der 18. Etappe des Giro d'Italia 2017

Nach der superschweren Alpenetappe am Dienstag, und der auch recht langen und schweren Etappe am Mittwoch, werden die Fahrer alles andere als frisch in den 18. Renntag dieses Giro starten. Die Mischung aus dieser Erschöpfung und dem schweren Profil der Etappe bietet ideale Voraussetzungen für große Überraschungen und ein episches Rennen. Gerade die Kürze der Etappe kann dafür sorgen, dass die großen Favoriten früh angreifen. Das könnte das Rennen sprengen und für schwer kontrollierbare Situationen sorgen. Als Schablone könnte die spektakuläre 15. Etappe der vergangenen Vuelta dienen, als Alberto Contador das Rennen sprengte und Nairo Quintana den entscheidenden Vorsprung auf Chris Froome herausfuhr

 

Großes Spektakel auf dem Parcour der Sella Ronda?

Die Vorzeichen für diese Giro-Etappen sind andere, denn es muss nicht der Leader, der über das stärkste Team verfügt isoliert werden. Tom Dumoulin hat gerade für die schweren Bergetappen kaum noch Helfer an seiner Seite. Wilco Kelderman musste nach einem Sturz aufgeben, Laurens ten Dam macht nicht den superstarken Eindruck und Simon Geschke kann allein nicht alle 50-kg-Superkletterer in Schach halten. Tom Dumoulin muss es selbst regeln, wenn Pinot, Nibali & Co. am Gashahn drehen. Oder er muss auf Allianzen hoffen, was durchaus möglich ist.

Wegen des abschließenden Zeitfahrens ist zwar Nairo Quintana gefordert, doch durch den knappen Vorsprung von Tom Dumoulin muss der Kolumbianer nicht mit der Brechstange agieren. Ihm würde eine Minute Zeitgewinn locker reichen, wenn man bedenkt, dass am Freitag noch eine weitere Bergankunft wartet. Und der Kolumbianer wählt meist eine vorsichtigere Taktik. Auch am Dienstag war alles für eine Attacke am Stelvio vorbereitet, aber der Angriff blieb aus.

Anders sieht das bei Vincenzo Nibali aus. Der Hai von Messina muss Quintana und Dumoulin abhängen. Schaut er auf das Profil, sieht er reichlich gute Stellen für Attacken. Doch auch er muss aufpassen, nicht die Kräfte zu verschleißen. Sein Team ist nicht stark genug, um 2-3 Fahrer vorauszuschicken, die ihm dann lange helfen können. Doch die letzte Abfahrt vor dem Ziel wäre eine gute Stelle für eine Attacke. Doch Dumoulin ist ebenfalls ein herausragender Abfahrer, das ist auch Nibali nicht entgangen und so lässt er sich vielleicht doch etwas überraschendes einfallen. 

Schaut man auf den Rest der Kapitäne, muss man die Frage stellen, wer bereit ist, seinen guten Top-10-Platz zu riskieren um vielleicht doch die große Überraschung zu landen. Das war bei der Vuelta 2016 ganz anders. Alberto Contador geht beim Versuch ein großes Rennen zu gewinnen lieber mit wehenden Fahnen unter, als defensiv Rang drei abzusichern. Doch Contador ist nicht im Rennen und so muss man abwarten, ob wirklich jemand früh im Rennen zur großen Offensive bläst.

Karte der 18. Etappe des 100. Giro

Die Strecke

Nach dem Start in Moena geht es die ersten 14 Kilometer nur leicht bergan, ehe die erste echte Steigung des Tages beginnt. Der Anstieg zum Pordoi ist mit 11,9 km bei 6,7 % durchschnittlicher Steigung angegeben. Die steilste Stelle hat nur maximal 9%, aber es gibt kaum flache Stellen. Bei Rennkilometer 26 ist der Gipfel erreicht und es folgt die erste Abfahrt. Dann geht es wieder hinauf.

 

Profil des Pordoi

Der zweite Anstieg des Tages ist der Passo Valparola. Mit 12,3 Kilometern Länge und 6,4% Steigung auch kein Monsterberg, aber definitiv keine Autobahnbrücke. Bei Rennkilometer 57 ist der zweite Gipfel des Tages erreicht und es geht auf eine knapp 15 Kilometer lange Abfahrt. 

Profil des Passo Valparola

 

Der nächste Anstieg führt zum Grödnerjoch. Erneut geht es 9,3 Kilometer mit durchschnittlich 6,4% bergan. Nach 85 Kilometern haben die Fahrer schon den dritten Pass bezwungen. 

Profil Grödnerjoch

 

Es folgt eine 20 Kilometer lange Abfahrt, die das Peloton auch am Ziel vorbei zum Panidersattel, dem nächsten Anstieg bringt. Die Anstieg zum Panidersattel ist nur als Berg der dritten Kategorie eingestuft, denn es geht nur 4,4 Kilometer bergan. Doch auch wenn die Steigung im Schnitt nur 6,2% hat, geht es im Mittelteil giftig berghoch. 

Das Finale der 18. Etappe des 100. Giro
Profil

Er folgt erneut eine längere Abfahrt bis auf rund 470 Meter üNN, ehe es wieder hinauf zum Ziel geht. Der letzte Anstieg ist 9,3 Kilometer lang und im Schnitt 6,8% steil. Doch es ist der schwerste Berg des Tages, denn nachdem es zu Beginn noch moderat hinauf geht, haben die letzten gut drei Kilometer im Schnitt 9,3% Steigung. Die steilste Stelle ist kurz vor dem Gipfel.

Profil des letzten Anstiegs

 

Nach der Bergwertung sind es noch vier Kilometer bis ins Ziel, auf denen es weiter bergan geht. Rund 500 Meter vor der Ziellinie ist es noch einmal 13% steil und es folgt eine kurze Abfahrt und ein Flachstück ins Ziel. 

Profil der letzten Kilometer der 18. Etappe des 100. Giro

 

Die Favoriten

Für die Etappe gibt es viele verschiedene Szenarien. Durch die Kürze des Teilstücks ist es möglich, dass einer der Kapitäne früh angreift und das Rennen sprengt. Es kann aber auch sein, dass auf den ersten Kilometern eine größere Gruppe wegfährt, in der Quintana und Co. versuchen Helfer zu platzieren um später im Rennen noch einen Helfern zu haben. Von den Favoriten hat nur Quintana ein ausreichend starkes Team um früh angreifen zu können. In dieser Ausreißergruppe könnten dann natürlich auch wieder die üblichen Verdächtigen auftauchen, die kletterstark sind, aber im Gesamtklassement keine Rolle mehr spielen: Mikel Landa, Luis Leon Sanchez, Omar Fraile oder auch Igor Anton.

Da Quintanas Rückstand auf Rosa recht klein geworden ist, könnte sich Movistar auch dazu entscheiden, das Rennen schnell und schwer zu machen, um Dumoulin erst zu isolieren und später anzugreifen. Der letzte Anstieg ist wie gemacht für Quintana und er könnte dort durchaus genügend Zeit gutmachen um Rosa zu übernehmen.

Vielleicht sehen wir auch einen der im Gesamtklassement etwas weiter zurückliegenden Kapitäne, wie Adam Yates oder Steven Kruijswijk in der Ausreißergruppe. Das könnte das Rennen zusätzlich anheizen. 

 

***** –
**** Nairo Quintana, Thibaut Pinot
***  Adam Yates, Vincenzo Nibali, Bauke Mollema, Mikel Landa
** Tom Dumoulin, Domenico Pozzovivo, Steven Kruijswijk
* Andrey Amador,  Ilnur Zakarin, Rui Costa, Dario Cataldo, Igor Anton

Start: 13:00 Uhr
Ziel: ~17:15 Uhr

 

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